Schutz vor Produkt- und Markenpiraterie

Durch Produkt- und Markenpiraterie entsteht im deutschen Maschinenbau ein jährlicher Schaden von mittlerweile 7,6 Milliarden Euro, so das Ergebnis der aktuellen Studie „Produktpiraterie 2020“ des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Besonders stark blüht der Handel demnach mit gefälschten Maschinen und Komponenten in China, gefolgt von Deutschland und Russland. Als Auftraggeber für Plagiate nennen die meisten befragten Unternehmen die Wettbewerber (72 Prozent), aber auch Geschäftspartner wie Kunden, Zulieferer oder Joint-Venture-Partner (41 Prozent). Am Häufigsten gefälscht werden einzelne Teile (64 Prozent) und Designplagiate (60 Prozent), aber auch ganze Maschinen kommen als Fälschungen auf den Markt (40 Prozent).
Der Betrieb solcher Maschinen oder Anlagen mit gefälschten Komponenten kann eine echte Gefahr für den Bediener durch mangelnde Produktqualität bedeuten. Für den Originalhersteller folgen der Verlust von Marktanteilen und Imageschäden, ggf. unberechtigte Haftungsfälle und Verlust des Innovationsvorsprungs. Wie sich Unternehmen schützen können – auch außerhalb vom Maschinenbau:
Rechtlich:
  • Nutzung gewerblicher Schutzrechte (Patent, Gebrauchsmuster, Marke, Design, Halbleiterschutz, Sortenschutz, geografische Herkunftsangaben),
  • Urheberrecht (schützt Ergebnisse geistigen Schaffens auf kulturellem Gebiet),
  • Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) bei „sklavischen“ (originalgetreuen) Kopien
  • Gesetz zum Schutz von Geschäftsgeheimnissen vom 18. April 2019 (BGBl. I S. 466) (neu: “angemessene” Geheimhaltungsmaßnahmen sind erforderlich, um das Gesetz zum Schutz von Geschäftsgeheimnissen in Anspruch nehmen zu können)
Betriebsintern:
  • Marktbeobachtung
  • Geheimhaltung (unkontrollierten Zugang zu Bauplänen/technischen Zeichnungen, Materialien, Spezifikationen, Software-Quellcodes etc. vermeiden)
  • Schutz durch technische Maßnahmen (Track- und Trace-Systeme, Intelligente Verpackungen, Kennzeichnungen über 2D-3D Barcodes, Biometrie, etc.)
  • Schutz durch organisatorische Maßnahmen (After Sales-/Änderungsmanagement, Distributionslogistik, Organisation Ersatzteil- und Entsorgungslogistik, etc.)
  • Betriebsinterne Dokumentation über Produkte und ihre Merkmale
  • Schutz der Unternehmenssoftware/ IT-Sicherheit/ Zugangsreglementierung
  • Sensibilisierung der Mitarbeiter, des Einkaufs und der Zulieferer, Reisesicherheit beachten
  • Sichere Logistik mit stabilen Lieferketten
  • intelligentes „Risk Management“ in Zusammenarbeit von Behörden und Unternehmen in der Lieferkette
  • Produktbegleitende Serviceleistungen wie kompetente Wartung und Systemlösungen
  • Umgang mit Anforderungen von Drittstaaten in Bezug auf Prüfverfahren für Zertifikate auf möglichen Know-how-Abfluss prüfen  
Unterstützung bieten:
  • Allianz für Sicherheit in der Wirtschaft (ASW): Arbeitet mit allen wichtigen Organisationen der nachrichtendienstlichen und polizeilichen Gemeinschaft und anderen Sicherheitsbehörden zusammen. Zahlreiche Leitfäden stehen auf der Homepage zur Verfügung. www.asw-bundesverband.de/
  • Aktionskreis gegen Produkt- und Markenpiraterie (APM): Hilft seinen Mitgliedsunternehmen bei der Rechtsverfolgung von Marken- und Produktpirateriefällen im In- und Ausland www.markenpiraterie-apm.de/
  • Aktion Plagiarius - Innovation statt Imitation: Vergibt den Negativpreis „Plagiarius“ an Hersteller und Händler besonders dreister Plagiate und Fälschungen www.plagiarius.com/
  • Auslandshandelskammern (AHKn): beraten, betreuen und vertreten weltweit deutsche Unternehmen, die ihr Auslandsgeschäft auf- oder ausbauen wollen. www.ahk.de/
  • Bundesamt für Verfassungsschutz: Hilft bei Wirtschaftsspionage www.verfassungsschutz.de, www.wirtschaftsschutz.info
  • China bzw. Südostasien bzw. Latein Amerika IPR SME Helpdesk: Von der EU geförderte KMU-Beratungsstellen zu geistigen Eigentumsfragen, kostenfreie praxisnahe Hilfe und Schulungen www.iprhelpdesk.eu/china-helpdesk, www.southeastasia-iprhelpdesk.eu/, http://www.latinamerica-ipr-helpdesk.eu/ 
  • Zoll: Inhaber von Rechten geistigen Eigentums können bei der Zentralstelle Gewerblicher Rechtsschutz einen Antrag auf Tätigwerden der Zollbehörden stellen und damit ihre Rechte erfolgreich durchsetzen www.zoll.de
  • Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. (VDMA) www.vdma.org
Die komplette VDMA-Studie ist zu finden unter: