"Ausbildung macht mehr aus uns!" IHK ehrt 49 Beste

Auszeichnungsveranstaltung

Halle (Saale), 3. November 2025. Trotz zahlreicher Herausforderungen im Alltag der beruflichen Bildung zeigen die Fachkräfte in Sachsen-Anhalt weiterhin beeindruckende Leistungen. Im Jahr 2025 haben insgesamt 3.072 Auszubildende ihre Abschlussprüfung bei der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau (IHK) erfolgreich abgelegt. 69 von ihnen erzielten die Bestnote „sehr gut“, 34 davon mit Auszeichnung. Und auch unter den insgesamt 280 Fortbildungsabsolventinnen und -absolventen stachen 15 ganz besonders hervor und wurden Jahrgangsbeste. Die IHK ehrte bei der 29. Bestenehrung ihre Leistungen feierlich in der Georg-Friedrich-Händel-Halle in Halle (Saale).
Sascha Gläßer, Präsident der IHK Halle-Dessau, und Jan Riedel, Bildungsministerdes Landes Sachsen-Anhalt, gratulieren den Jahrgangsbesten persönlich und überbringen gemeinsam mit weiteren Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung ihre Glückwünsche.
IHK-Präsident Gläßer betont: „Sie alle sind heute der Beweis dafür, dass sich Leistung lohnt – und dass Engagement Türen öffnet. Sie haben Disziplin gezeigt, Verantwortung übernommen und Durchhaltevermögen bewiesen. Sie haben gelernt, mit Herausforderungen umzugehen – und dabei sind Sie gewachsen. Nehmen Sie das mit in Ihre berufliche Zukunft: Bleiben Sie neugierig, mutig, lernbereit. Sie sind Botschafterinnen und Botschafter der dualen Bildung – und Vorbilder für viele, die noch am Anfang stehen.“
Er ergänzt: „Wenn wir über Zukunft sprechen, kommen wir an einem Thema nicht vorbei: Künstliche Intelligenz. KI verändert unsere Berufswelt – und zwar nicht irgendwann, sondern jetzt. Sie ersetzt keine Menschen, aber sie verändert, wie Menschen arbeiten. Routineaufgaben werden automatisiert – aber kreative, soziale, handwerkliche und technische Kompetenzen werden wichtiger denn je. Deshalb brauchen wir eine neue MINT-Offensive: mehr Technikunterricht, mehr Digitalisierung, mehr Lehrkräfte, die diese Themen praxisnah vermitteln. Denn KI kann viel – aber sie kann nicht träumen, nicht fühlen, nicht Verantwortung übernehmen. Das können nur Menschen. Und die besten Voraussetzungen dafür haben Sie, liebe zu Ehrende: Neugier, Lernbereitschaft, Teamgeist und den Mut, Neues auszuprobieren.“
Gläßer würdigt auch das Engagement der Ausbildungsbetriebe, die mit ihrer Arbeit einen entscheidenden Beitrag zur Fachkräftesicherung leisten, die Zeit, Herzblut und Ressourcen investieren. Zudem dankt Gläßer den Berufsschulen und ihren Lehrkräften, die mit Engagement Wissen und Werte vermitteln.
Mit Blick auf bestehende Herausforderungen – mangelnde Unterrichtsversorgung, Corona-Versäumnisse oder das Imageproblem der dualen Berufsausbildung – unterstreicht Gläßer, dass die IHK gemeinsam mit Partnern aktiv an Lösungen arbeitet. „Die duale Berufsausbildung ist ein echtes Erfolgsmodell – Made in Germany, geschätzt in der ganzen Welt. Sie ist kein Plan B, sondern Plan A – für ein starkes, wirtschaftlich erfolgreiches Sachsen-Anhalt.“ Dennoch muss ihr Image weiter gestärkt werden. Dazu tragen auch Initiativen wie die bundesweite IHK-Ausbildungskampagne „Jetzt #könnenlernen“ oder die landesweite Praktikums- und Ausbildungsplatzsuchplattform „hallo-beruf.de“ bei. Ziel ist es, wieder mehr junge Menschen für die duale Berufsausbildung zu begeistern – und dies möglichst früh. Denn der Weg in die Ausbildung beginne, so Gläßer, bereits mit der Berufsorientierung an den Schulen. Diese müsse systematisch, verbindlich und gleichwertig an allen Schulformen, auch an Gymnasien, verankert werden. Hier, genauso wie beim Thema wohnortnahe Berufsschulen wisse er den Bildungsminister als Unterstützer an der Seite der Wirtschaft.
Bildungsminister Jan Riedel: „Unsere besten Absolventinnen und Absolventen zeigen eindrucksvoll, was mit Engagement, Können und Leidenschaft in der beruflichen Bildung möglich ist. Sie sind Vorbilder für viele junge Menschen in Sachsen-Anhalt und Beweis dafür, dass die duale Ausbildung exzellente Karrierechancen eröffnet und gesellschaftlichen Aufstieg ermöglicht. Wer hier heute ausgezeichnet wird, hat nicht nur Prüfungen bestanden, sondern Verantwortung übernommen – für sich selbst, für die Betriebe und für unsere gemeinsame Zukunft. Diese Erfolge machen deutlich: Die berufliche Bildung ist gleichwertig mit akademischen Wegen und verdient die Wertschätzung, die ihr zusteht. Gemeinsam müssen wir weiter daran arbeiten, ihr starkes Image in der Öffentlichkeit zu festigen und noch mehr junge Menschen für diesen Weg zu begeistern.“

Die Besten der Besten

Insgesamt wurden 34 Ausbildungsabsolventen aus 34 Unternehmen und 31 Berufen ausgezeichnet. Sie haben die besten Abschlussergebnisse von insgesamt 3.072 Prüflingen im IHK-Bezirk erzielt und dabei mindestens 91,5 von 100 möglichen Punkten erreicht.
„Bester der Besten“ über alle Berufe hinweg aus dem kaufmännischen Ausbildungsbereich ist in diesem Jahr der bei der denn’s Biomarkt GmbH ausgebildete Henning Gröbel. Der 24-jährige Kaufmann im Einzelhandel erreichte in der Abschlussprüfung 97 von 100 möglichen Punkten. Er erhält damit als Jahrgangsbester den mit 2.000 Euro dotierten Sonderpreis „Goldene Kathi“ der Kathi Rainer Thiele GmbH – dieses Jahr bereits zum 25. Mal gestiftet.

Henning Gröbel: „Die duale Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel war für mich der Schlüssel zu einem erfolgreichen Start ins Berufsleben. Mit harter Arbeit, aber auch der Unterstützung von meinem Ausbildungsbetrieb und einem hohen Praxisbezug habe ich meine Abschlussprüfung mit einer Eins bestanden. Ich kann jedem nur empfehlen, diesen Weg zu gehen – er öffnet Türen, stärkt das Selbstvertrauen und bringt dich direkt in den echten Joballtag.“
Als bester Absolvent der gewerblich-technischen Ausbildung wird Kevin Maximilian Schauer ausgezeichnet. Er ist Maschinen- und Anlagenführer, Schwerpunkt Druckweiter- und Papierverarbeitung, ausgebildet bei der Wepa Deutschland GmbH & Co.KG in Leuna. Der 18-Jährige erreichte 96 von 100 Punkten. Er erhält den mit 2.000 Euro dotierten Sonderpreis der Serumwerk Bernburg AG.


Bei den insgesamt 280 Fortbildungsabsolventen erhielten 15 die Auszeichnung als Jahrgangsbeste. Eine von ihnen war in der Vergangenheit bereits Ausbildungsbeste und hat nun ihre Fortbildung mit Bestnoten bestanden: Alexa Höltmann, Geprüfte Wirtschaftsfachwirtin, war 2022 Beste im Beruf Kauffrau für Büromanagement. Der von der Volksbank Halle (Saale) eG gestiftete Sonderpreis in Höhe von 2.000 Euro für die beste Fortbildungsabsolventin geht an die Geprüfte Berufsspezialistin für Chromatografie, Bianca Starosta. Sie erreichte eine Gesamtpunktzahl von 95 Punkten (Note 1,3).

Drei Bundesbeste aus Sachsen-Anhalt


Michel Müller Svenja Henrike Magerl Paul Koch
Verfahrensmechaniker in der Steine- und Erdenindustrie
Fachrichtung: Baustoffe
Ausbildungsbetrieb:
Knauf Integral KG, Schkopau
Holzmechanikerin
Fachrichtung: Montieren von Innenausbauten
und Bauelementen
Ausbildungsbetrieb:
KLEUSBERG GmbH & Co. KG, Kabelsketal
Hotelfachmann
Ausbildungsbetrieb:
Ella Hotel Betriebs GmbH, Merseburg
Warum haben Sie sich für diesen Ausbildungsberuf entschieden?
Ich habe Spaß an Technik, großen Maschinen und handwerklicher Arbeit. In meiner Region ist Knauf ein wichtiger Arbeitgeber und die Baustoffproduktion prägt die Umgebung. Somit lag der Beruf des Verfahrensmechanikers eigentlich auf der Hand. Er verbindet genau das, was mir liegt: Technik, Handwerk, selbstständiges Denken und auch ein Stück unternehmerisches Handeln. Alles in allem ein wirklich vielseitiger und spannender Beruf.
Ich hatte Interesse daran, einen Beruf im Handwerk zu erlernen und habe eine große Begeisterung für den Werkstoff Holz. Ich habe dann nach etwas Umschauen gesehen, dass KLEUSBERG mit dem Holzmechaniker eine passende Ausbildungsmöglichkeit hat. Dementsprechend war es dann eine relativ einfache Entscheidung für mich, den Beruf des Holzmechanikers zu lernen.
Ich habe ein Studium abgebrochen und währenddessen bei einer Aushilfstätigkeit in einem Restaurant gemerkt, dass mir strikte Arbeit besser liegt als auf einen akademischen Abschluss hinzuarbeiten. Hotelfachmann schien dabei naheliegend, als verwandter Beruf, der aber mehr Vielfalt bietet als Kellner/Restaurantfachmann.
Gab es Highlights in Ihrer Ausbildungszeit? Woran werden Sie sich gern erinnern?
Es gab viele schöne Momente, aber am meisten ist mir der Abschluss unserer Berufsschulzeit in Erinnerung geblieben. Gemeinsam mit unseren beiden Klassenlehrern vom BSZ in Eilenburg, haben wir zwei Tage im Feriendorf auf dem Auerberg verbracht. Das war ein richtig gelungener Abschluss und eine schöne Zeit mit der Klasse.
Ich erinnere mich gerne an viele unterschiedliche Teile der Ausbildung. In erster Linie hatte ich immer viel Spaß mit meinen Mit-Auszubildenden, sodass die Berufsschule immer eine schöne Zeit war und wir auch bei vielen anderen Aufgaben meist eine schöne Zeit hatten. Gerade die Zeit der Prüfungsvorbereitung hat sehr viel Spaß gemacht, sowie auch die Maschinenlehrgänge, bei denen wir gemeinsam schöne Stücke fertigten.
Die Teilnahme an der jährlich von der DEHOGA ausgeführten Meisterschaft. Ich denke, den Landesmeistertitel für Sachsen-Anhalt bekommen zu haben, kann als Highlight eingeordnet werden.
Was haben Sie während der Ausbildung über sich selbst gelernt?
Ich habe gelernt, dass ich ehrgeizig und zielstrebig sein kann, wenn mich etwas wirklich interessiert. Nach dem Abitur war mein Weg noch offen, aber die Ausbildung hat mir gezeigt, wie viel Freude mir Technik macht und wie sehr mich das Thema fesselt. Außerdem habe ich gelernt, dass Fehler dazugehören. Entscheidend ist, daraus zu lernen und sich weiterzuentwickeln.
In erster Linie habe ich gelernt, dass ich gerne etwas mache, bei dem man am Ende des Tages sieht, was man geleistet hat. Des Weiteren habe ich gelernt, dass man nicht immer alles so genau machen kann, wie man sich etwas vorgestellt hat und Flexibilität und Kompromissbereitschaft dementsprechend wichtige Kompetenzen sind.
Ich bin viel weniger stressresistent als mir lieb wäre, aber komme im Endeffekt trotzdem immer irgendwie durch. Ich mache sehr viel meines eigenen Wertes davon abhängig, besser als andere zu sein, selbst wenn es andere gar nicht interessiert.
Was glauben Sie, warum Sie so erfolgreich abgeschlossen haben?
Ich habe einfach mein Ding gemacht. Es gab natürlich auch schwere Tage, aber ich habe immer versucht, das Beste daraus zu machen. Einen großen Anteil an meinem Erfolg haben vor allem meine Kollegen, speziell in der Abteilung Drehofen / Mischerei in Rottleberode. Dort war ich super aufgehoben, wir hatten ein sehr gutes Miteinander auf Augenhöhe und ich konnte unglaublich viel lernen. Viele von ihnen haben mir Dinge gezeigt, die man so gar nicht aus den Büchern oder vom Unterricht kennt. Dieses praktische Wissen, die Geduld und der Zusammenhalt im Team haben mich fachlich und menschlich enorm weitergebracht. Und natürlich haben auch die Lehrer im BSZ Eilenburg einen wichtigen Teil dazu beigetragen, weil einfach das Gesamtpaket gepasst hat.
Ich hatte gute Ausbildungsbedingungen, sei es die Werkstatt bei KLEUSBERG oder auch unser Ausbilder Herr Krieger. Insgesamt hatten wir Azubis im Jahr auch einen sehr guten „Teamgeist“, sodass wir uns gegenseitig unterstützt haben und so jeder die Möglichkeit hatte gute Ergebnisse zu erzielen.
Im Vergleich haben sich die anderen keine Mühe gegeben. Die Prüfungen waren wirklich nicht schwer.
Gibt es ein Motto, das Sie durch die Ausbildung begleitet hat?
Nicht jeder Weg ist gerade. Wichtig ist, dass man seinen findet.“ Ich bin der Meinung, man darf auch mal scheitern oder etwas abbrechen, wenn man merkt, dass es nicht das Richtige ist. Wichtig ist am Ende, dass man seine Aufgabe findet und damit glücklich wird.
Es gab nicht ein konkretes Motto, aber prinzipiell habe ich gelernt, dass es besser ist, einmal mehr noch nachzumessen, anstatt am Ende von vorne anzufangen.
Durch meinen Studienabbruch war ich zum Teil 8 Jahre älter als die Jüngste in der Berufsschulklasse und als meine Mitazubis im Betrieb. In den Fällen, in dem mir die Sorge, im Leben um Jahre hinterherzuhinken besonders schwer auf der Seele lag, rief ich mir immer wieder die Beschwörung in den Sinn: Man ist nie zu alt, neue Wege zu gehen. Andere fangen noch später an, und das Leben ist mehr als nur ein Wettlauf ins Grab.
Welche Tipps können Sie neuen Azubis mit auf den Weg geben? Woran werden Sie sich gern erinnern?
Zeigt Interesse, stellt Fragen und habt Spaß an dem, was ihr tut. Ein Lächeln und ein zuvorkommende, höfliche Art öffnen oft mehr Türen als perfektes Wissen ohne Menschlichkeit.
Es ist wichtig, interessiert und offen für Neues zu bleiben. Ebenso ist es wichtig, gewissenhaft die gestellten Aufgaben zu absolvieren und immer sein Bestes zu geben, um über sich selbst hinaus zu wachsen.
An die Freude in den Augen meiner Room Devision Managerin, nachdem ich das erste Mal eine Schicht allein geführt habe. Sowie an das gute Essen unseres Küchenchefs.
Wie geht es nun beruflich für Sie weiter?
Ich studiere derzeit Lehramt in technischer Fachrichtung an der Universität Magdeburg. Mein Ziel ist es, später selbst junge Menschen für Technik zu begeistern, so wie es meine Ausbilder und Lehrer bei mir getan haben.
Ich studiere dual Bauingenieurswesen bei KLEUSBERG und schaue dann, wohin genau es mich beruflich führt.
Ich arbeite in einem Vier-Sterne-Hotel in der Schweiz, dem Hermitage Lake Lucerne am Vierwaldstättersee, dank der Vermittlung meines Hoteldirektors während der Ausbildung. Vorgesetzte, die gute Leistungen erkennen und wertschätzen, sind ein Segen.