Lage stabil positiv - Skepsis bleibt

Die konjunkturelle Entwicklung der Wirtschaft im Süden Sachsen-Anhalts verlief erneut recht stabil. Das Wiederaufflammen des Infektionsgeschehens am Ende des zweiten Pandemiejahres hat zwar einige Branchen erneut stark beeinträchtigt, einen allgemeinen konjunkturellen Rückschlag gab es aber nicht. Das Konjunkturklima im IHK-Bezirk Halle-Dessau bleibt daher zum Vorquartal weitgehend konstant.
Mit 8,3 Punkten bleibt der Index auf solidem positivem Niveau und über dem Vorjahreswert. Die Geschäftslage über alle Branchen hinweg ist ebenfalls zum Vorquartal kaum verändert. Der Saldo der Geschäftserwartungen über alle Branchenbereiche hinweg fällt gegenüber dem Vorquartal aber etwas ab, liegt aber noch über dem Vorjahresquartal. Die Beschäftigungsplanungen und die Investitionsabsichten bleiben kaum verändert auf per Saldo leicht positivem Niveau.
Getragen wird die Stabilität von den produzierenden Bereichen Industrie und Baugewerbe. Der Handel kann sich nach dem schlechten Vorquartal wieder etwas erholen, bei Dienstleistern und Verkehrsunternehmen dagegen ist die Aufholbewegung des Vorquartals vorbei und es kommt zu leichten Rücksetzern. Dahinter stehen aber nicht nur zyklische Gründe. Auch die neuerlichen Kontaktbeschränkungen durch die Corona-Welle der neuen Variante „Omikron“ treffen vor allem wieder personenbezogene Dienstleister, den Personenverkehr und natürlich das Gastgewerbe.
Aber auch die übrigen Branchen sind nicht frei von Sorgen: Nach wie vor gibt es große Schwierigkeiten bei der Verfügbarkeit von Rohstoffen und Vorprodukten. Da, wo sie noch zu beschaffen sind, steigen die Preise kontinuierlich an und belasten die Gewinne und die Auftragsgestaltung. Dazu kommen weiter steigende Energiepreise.
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Industrie: Pessimismus wächst

Das Geschäftsklima in der Industrie kann die Erholung auch im aktuellen Quartal nicht fortsetzen. Mit 16,1 Punkten liegt es aber zumindest weiter stabil im positiven Bereich und über dem Vorjahresquartal. Die Seitwärtsbewegung beim Klimawert resultiert aus einer gegenläufigen Entwicklung von Lage und Erwartungen in der Industrie.
Dabei verzeichnet die Geschäftslage aktuell mit 43,2 Prozentpunkten erneut einen sehr guten Wert, der zum Vorquartal saisonüblich leicht zulegen konnte. Besonders die weiter steigenden Umsätze bestätigen das solide Lagebild. Einer noch besseren Entwicklung der Geschäftslage stehen aber einzelne dämpfende Faktoren entgegen: Die Unternehmen berichten von Kostensteigerungen bei vielen Materialien (Rohstoffen, Halbzeugnissen, Vorprodukten) und vor allem bei den Energiepreisen.
Der Umstand, dass die Unternehmen bei diesen belastenden Faktoren in nächster Zeit nicht von einer Entspannung ausgehen, wirkt sich auch auf die Geschäftserwartungen aus. Diese trüben weiter ein und liegen mit -11,1 Prozentpunkten unterhalb der Nulllinie und auch unter dem Vorjahresquartal. Die Anspannung der Preissituation bei Energie und Materialien wirkt sich zudem auf die Preisgestaltung der Unternehmen aus: Rund zwei Drittel der Industriebetriebe planen mit steigenden Preisen in den nächsten Monaten – die angespannte Situation aus dem Vorquartal bleibt somit bestehen.
Die Vorleistungsgüterproduzenten verzeichnen aktuell ein kaum verändertes das Geschäftsklima im positiven Bereich. Bei den Investitionsgüterproduzenten gibt es nach dem Einbruch des Geschäftsklimas im Vorquartal eine leichte Gegenbewegung. Das Geschäftsklima steigt leicht an. Bei den Produzenten von Ver- und Gebrauchsgütern hingegen ergeben sich größere Rückgänge beim Geschäftsklima die Skepsis angesichts steigender Preise legt zu.
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Baugewerbe: Solide Auftragslage hellt die Stimmung auf

Im Baugewerbe bleibt das Geschäftsklima trotz Wintersaison zum Vorquartal nahezu unverändert. Mit 6,8 Punkten liegt es aktuell auch über dem Vorjahresquartal. Die Geschäftslage hält ihr sehr gutes Niveau. Insbesondere die solide Auftragslage hebt die Stimmung. Die saisonal üblichen Rückgänge bei den Auftragseingängen fallen auch eher moderat aus. Dementsprechend ist auch der Rückgang der Erwartungen eher moderat Dabei gibt es aber auch im Baugewerbe weiterhin Lieferschwierigkeiten und starke Preissteigerungen, die die Gewinne belasten. So berichten rund 90 Prozent von Materialengpässen und 96 Prozent von Preisanstiegen.
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Dienstleistungsgewerbe: Corona spaltet die Dienstleister

Aktuell sorgen die Einschränkungen infolge steigender Infektionszahlen durch das Coronavirus vor allem bei den personenbezogenen Dienstleistern für Probleme. Freizeit-, Bildungs- und auch Gesundheitsdienstleister müssen Einbußen hinnehmen. Das Geschäftsklima geht leicht auf 9,4 Punkte zurück, bleibt aber über dem Vorjahresniveau. Die Geschäftslage ist dabei konstant. Hier kompensiert die sehr gute Lage bei den unternehmensnahen Dienstleistern die pandemiebedingte negative Entwicklung bei den personenbezogenen. Die Geschäftserwartungen sinken aktuell saisonüblich etwas ab bleiben aber noch deutlich über dem schlechten Vorjahresquartal.
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Handel: Lage weiter angespannt – Ausblick hellt etwas auf

Im Handel sorgten Lieferengpässe und Aussicht auf ein verschärftes Infektionsgeschehen im vorigen Quartal für einen deutlichen Einbruch des Geschäftsklimas. Im aktuellen Quartal lässt der Pessimismus etwas nach und das Geschäftsklima erholt sich auf -0,8 Punkte. Die Geschäftslage entwickelte sich aufgrund der Einschränkungen für ein viertes Quartal unterdurchschnittlich. Die Erwartungen dagegen lösen sich von ihrem pessimistischen Niveau und liegen zumindest über Vor- und Vorjahresquartal. Der weiterhin negative Wert allerdings zeugt von anhaltenden Sorgen hinsichtlich der Umsatzentwicklung und Preissteigerungen.
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Verkehrsgewerbe: Wird ausgebremst

Das Geschäftsklima im Verkehrsgewerbe fällt nach der guten Entwicklung in den vergangenen beiden Quartalen aktuell deutlich ab. Mit -7,9 Punkten scheint die Erholung hier vorerst beendet. Dahinter stehen deutliche Eintrübungen von Lage und Erwartungen, vor allem im vom Pandemiegeschehen stark beeinflussten Personenverkehr. Die Geschäftslage geht auf das Vorjahresniveau zurück. Dabei bleibt die Gewinnlage weiterhin angespannt. Aktuell verschlechtert sich aber auch die bisher solide Auftrags- und Umsatzsituation. Bei den Erwartungen sinkt der Saldo auf einen negativen Wert. Dahinter stehen erwartete Umsatzrückgänge und die Sorge vor steigenden Arbeits- und Kraftstoffkosten.
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