Mercosur-Abkommen - Ein Meilenstein für die EU-Handelspolitik

Die Europäische Union und der MERCOSUR haben sich im Juni 2019 auf ein Freihandelsabkommen geeinigt. Am 9. Januar 2026 stimmten die Vertreter der 27 EU-Staaten mit der erforderlichen Mehrheit für das Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay. Nun muss noch das EU-Parlament zustimmen.
Mit dem EU-Mercosur-Abkommen entsteht eine der größten Freihandelszonen der Welt. Mehr als 715 Millionen Einwohner beiderseits des Atlantiks erwirtschaften ein Viertel der globalen Wirtschaftsleistung.
Der Gemeinsame Südamerikanische Markt (Mercado Común del Sur, MERCOSUR) ist ein regionaler Zusammenschluss der fünf südamerikanischen Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay und Venezuela. (Die Mitgliedschaft von Venezuela ist seit 2017 suspendiert.) Bolivien, Chile, Ecuador, Guyana, Kolumbien, Peru und Suriname sind assoziierte Mitglieder, Bolivien befindet sich in Beitrittsverhandlungen.

Was sind die nächsten Schritte?

  • 17.01.2026 – Unterzeichnung des Abkommens in Paraguay.
  • Kurz nach Unterzeichnung – Entscheidung über eine mögliche provisorische Anwendung handelspolitischer Teile (nur möglich für Bereiche in alleiniger EU-Kompetenz).
  • Wochen bis Monate nach UnterzeichnungZustimmung des Europäischen Parlaments (Consent-Verfahren):
    der handelspolitische Teil "iTA" (interim Trade Agreement) fällt in die exklusive Kompetenz der EU. Daher benötigt es nach Unterzeichnung – im Gegensatz zum vollständigen EMPA – nur die Zustimmung des Europäischen Parlaments (neben der gesetzlichen Veröffentlichung im EU-Amtsblatt). Eine nationale Ratifikation durch Mitgliedstaaten ist nicht erforderlich. Nach EP-Zustimmung folgt eine formelle Beschlussfassung im Rat (conclusion). Erst danach wird das iTA offiziell im EU-Amtsblatt veröffentlicht und tritt in Kraft (Hinweis: Je nach Branche können Übergangsregelungen gelten).
  • Kurzum: Das iTA tritt voraussichtlich im ersten Halbjahr 2026 in Kraft, sobald das Europäische Parlament zugestimmt und das formelle "conclusion"-Verfahren im Rat abgeschlossen ist.
  • AnschließendNationale Ratifizierungsverfahren in den EU-Mitgliedstaaten und in den Mercosur-Parlamenten für das EMPA (schrittweise; kann Monate bis Jahre dauern - überwiegend im Laufe von 2026 bis 2028).
  • Endgültiges Inkrafttreten – Sobald die vertraglich festgelegten Ratifizierungsbedingungen erfüllt sind; Teile des Abkommens treten gegebenenfalls gestaffelt in Kraft.
“Angesichts der gegenwärtigen Wirtschaftskrise ist die deutsche Wirtschaft darauf angewiesen, neue Märkte zu erschließen und langfristige strategische Partner zu finden: Das Abkommen bringt neue Absatzperspektiven für die Industrie, angrenzende Dienstleister und den Handel. Außerdem sichert es Lieferketten für die Energieversorgung und den Zugang zu Rohstoffen aus den Mercosur-Staaten. Mit dem Inkrafttreten wird die Region als Investitionsstandort für deutsche Unternehmen an Bedeutung gewinnen. Das Abkommen ist an unsere Wettbewerber aus den USA und insbesondere China ein wichtiges Signal. Europa sichert sich seinen Platz im globalen Handel – und zwar durch Marktöffnung, nicht durch Protektion," so DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier.
Weitere Informationen über das EU-Mercosur-Abkommen haben wir für Sie zusammengestellt:
Quellen: Germany Trade & Invest (GTAI), DIHK, Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, IHK Niederbayern