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IHK-Jahresbericht 2025
Nr. 6792124
8 minLesezeit
Wettbewerbsfähigkeit stärken: Bürokratieabbau
Der in den letzten Jahren drastische Anstieg der Komplexität von gesetzlichen Anforderungen an Unternehmen, sei es im Bereich Dokumentations-, Nachweis-, Genehmigungs- oder Förderverfahren, stellt eine massive Einschränkung für die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit dar. Neben der Bindung von personellen Kapazitäten entstehen hierdurch auch enorme Kosten, die nicht mehr für unternehmerische Aktivitäten zu Verfügung stehen. Daher ist ein zügiger, umfassender und kontinuierlicher Bürokratieabbau zwingend erforderlich. Wie kann Bürokratie abgebaut werden?
Zuerst muss dabei eine durchgreifende Aufgabenkritik erfolgen und mit Blick voraus ein begleitendes Bürokratiemoratorium, wie von Sachsen und Bayern bereits gefordert, eingerichtet werden. Was muss der Staat leisten, was kann stattdessen besser die private Hand übernehmen?
Erst im zweiten Schritt ist dann auf die Effizienz des staatlichen Handelns zu achten. Hier gilt es insbesondere durch eine ambitionierte Verwaltungsdigitalisierung, durch den Einsatz künstlicher Intelligenz und die Einführung eines transparenten, offen zugänglichen Bürokratiemelders mit einem handlungsbefugten Gremium zur Aufdeckung und Beseitigung von bislang unentdeckten Dysfunktionalitäten für Entlastung zu sorgen.
Schwerpunkt: Mehr Wettbewerbsfähigkeit braucht weniger Bürokratie
Umfang und Komplexität der Bürokratie gelten als eine der Hauptursachen für die aktuelle mangelnde Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Drei Aspekte stehen dabei besonders im Fokus:
In den vergangenen Jahren hat die Anzahl von Gesetzen, Paragraphen und Normen ebenso stetig zugenommen, wie die Komplexität von Antragsverfahren und Dokumentationspflichten. Das belastet vor allem Akteure in Wirtschaftsprozessen und wird zunehmend als übergriffig empfunden. Damit verbunden sind zunehmend aus dem Ruder laufende Kosten. 2024 betrug der Erfüllungsaufwand rund 27,1 Mrd. Euro, der jährliche Verlust an Wirtschaftskraft infolge Bürokratie wird auf 146 Mrd. Euro geschätzt.
Und: Obwohl alle großen Parteien in ihren Programmen zur Bundestagswahl einen Abbau der Bürokratie forderten, waren bisherige Bemühungen insgesamt wenig erfolgreich. Vor diesem Hintergrund wird die neue Bundesregierung auch daran gemessen, endlich effiziente Maßnahmen gegen die aufwachsende Bürokratie zu entwickeln, verbunden mit dem Mut, auf unnötige Regelungen zu verzichten und stärker auf marktwirtschaftliche Instrumente zu setzen.
Die IHK machte 2025 den Bürokratieabbau zu einem ihrer Schwerpunktthemen. Sie zeigte ihr Handeln und das der Gremien in diesem Politikfeld und begleitete damit auch verstärkte praktische Aktivitäten im Rahmen des Jahresthemas Wettbewerbsfähigkeit stärken.
Überbordende Bürokratie: Wo drückt den Unternehmen der Schuh? Welche Folgen das hat und was muss sich ändern?
Darüber diskutierten Anja Twietmeyer, Prokuristin der Saalemühle Alsleben GmbH und IHK-Vizepräsidentin und Michael Münch, CEO der Sonotec GmbH Halle und Mitglied im Ausschuss für Industrie, Agrar- und Baugewerbe, mit Sascha Gläßer in der Ausgabe 3 der “Mitteldeutschen Wirtschaft”.
Steffen Höhne und Sascha Gläßer beim Sommerinterview 2025
Der IHK-Präsident definierte klar, was die Unternehmerschaft von der neuen Bundesregierung erwarte. Aus seiner Sicht geht es hier vor allem um drei Punkte:
Belastungen müssen konkret benannt, quantifiziert und priorisiert werden. Dabei ist der Fokus auf betroffene Branchen und unterschiedliche Unternehmensgrößen zu legen.
Dafür brauchen wir einen sachlichen und vor allem lösungsorientierten Dialog zwischen Politik, Verwaltung und Wirtschaft. Als Unternehmer müssen wir das, was uns im Alltag an Bürokratie belastet, systematisch erfassen und bewerten. Je konkreter, umso anschaulicher werden die Folgen sichtbar.
Der daraus folgende Bürokratieabbau muss an klaren Zielen und messbaren Fortschritten überprüfbar sein. Das setzt eine starke Beteiligung der Wirtschaft an Gesetzesfolgeabschätzungen und Praxischecks von Vorschriften voraus. Im Land werden wir hier in der IHK selbst aktiv werden, im Bund über die DIHK.
Typisch Deutschland? Bauen muss wieder einfacher werden
Es wird zu wenig gebaut in Deutschland. Bauen ist zu kompliziert, zu teuer und zu reglementiert. Die Folge von überbordender Bürokratie.
Frank Ihle, Geschäftsführender Gesellschafter der Boy & Partner Ingenieurbüro für Bauwesen GmbH sowie IHK-Vizepräsident, und Architektin Sabine Sturm hoffen darauf, dass Bauen wieder einfacher wird.
Die Mitteldeutschen Wirtschaft ging in der Ausgabe 3 auf Spurensuche mit dem Naumburger Unternehmer Frank Ihle. Der Planungsingenieur für Bauwesen sagt “Es fehlen die Anreize.” Angesichts steigender Kosten werde Schnelligkeit ein immer wichtigeres Argument. Von dem sind viele Genehmigungsbehörden überfordert. Selbst Fördermittel kompensieren das immer weniger. Denn der Aufwand, sie zu beantragen übersteigt oft den Nutzen. Alles in allem werden Investitionen so immer unberechenbarer und unterbleiben. Der IHK-Vizepräsident plädiert dafür, sich auf drei Aspekte zu konzentrieren: Standardisieren, Vereinfachen und Digitalisieren. Mehr dazu in Ausgabe 3 der Mitteldeutschen Wirtschaft mit dem Schwerpunkt Bürokratieabbau (nicht barrierefrei, PDF-Datei · 5435 KB).
In Sachsen-Anhalt ist inzwischen Bewegung in das Bauthema gekommen: Anfang Juni 2025 brachte das Ministerium für Infrastruktur und Digitales eine Novelle der Landesbauordnung auf den Weg. Ziel ist es, Hürden im Wohnungsbau abzubauen, beispielsweise durch Erleichterungen beim Dachgeschossausbau und der Einführung des Gebäudetyps E für experimentelles Bauen. Die Gesetzesnovelle sei, sagte Ministerin Lydia Hüskens, vor allem auch das Ergebnis des intensiven Austauschs. Zudem betonte sie:
Aus dem Dialog mit 14 Kammern und Verbänden unseres Landes ist eine Vielzahl von Vorschlägen hervorgegangen, die mit Blick auf ihre Umsetzbarkeit alle genau unter die Lupe genommen wurden. Letztlich hätten gut 30 davon Eingang in das novellierte Baurecht gefunden. Unser gemeinsames Ziel bestand darin, das Regelwerk verantwortungsvoll zu entschlacken, bürokratische Hürden zu beseitigen und nicht zuletzt die Kosten zu senken.
IHK konkret: Mehr Sicherheit im Berichtsdschungel
Probleme nicht nur benennen, sondern aktiv Lösungen suchen. Etwa für Melde- und Berichtspflichten im Themenfeld “Energie und Klima”. Mitglieder aus dem Ausschuss für Industrie, Agrar- und Baugewerbe der IHK Halle-Dessau legten dafür im Frühsommer Empfehlungen vor, wie es für alle leichter werden kann.
Als wir das Thema Bürokratie im Ausschuss diskutierten, war das, als hätten wir eine lange Dominokette angestoßen,
erinnerte sich Franziska Böckelmann.
Ein Problem kam zum anderen. Auch in der täglichen Beratungspraxis am IHK-Servicetelefon mehrten sich zu dieser Zeit Anfragen zu neuen Regelungen und ihrer Umsetzung im Unternehmensalltag, so dass sich einige Ausschussmitglieder vor zwei Jahren entschlossen, einen kleinen Arbeitskreis mit Werkstattcharakter ins Leben zu rufen.
Jetzt liegen Ergebnisse vor, die einerseits bürokratische Belastungen der betroffenen Unternehmen im Bereich Energie und Umwelt sichtbar machen und andererseits Vorschläge für vereinfachte Meldeverfahren aufzeigen. Basis bildet eine Übersicht relevanter Berichtspflichten. Sie sind nach Rechtsgrundlage, Meldeinhalt, Adressat, Zyklus und Meldeform aufbereitet und um Verbesserungsvorschläge hinsichtlich organisatorischer Abläufe und Verfahren im Verständnis einer Vollzugskritik ergänzt.
Bewusst ausgeklammert wurde eine inhaltliche Bewertung. Ausführlich wird thematisiert, wie sich mit gestrafften Zuständigkeiten Aufwand reduzieren lässt und einheitliche Authentifizierungsmethoden Transparenz erhöhen können, ergänzt um Vorschläge, wie sich die Ineffizienz von Berichtssystemen beheben lässt und welche Probleme weiter wachsende Pflichten vor allem für klein- und mittelständische Betriebe auslösen.
Koalitionsvertrag: Bürokratieabbau jetzt! Wir nehmen Schwarz-Rot beim Wort
In ihrem Koalitionsvertrag sagt die neue Bundesregierung der ausufernden Bürokratie der letzten Jahre den Kampf an: mit umgedachter Aufgabenkritik und strukturellem Bürokratieabbau. Beides sind dringend benötigte Impulse für die deutsche Wirtschaft, wenn die Änderung nunmehr auch zeitnah, praxisorientiert und effizient angegangen werden. Im Fokus stehen folgende Aspekte:
KI kann auch dabei helfen, Verwaltungsprozesse zu beschleunigen und zu automatisieren.
Umfrage Standortzufriedenheit: Alarmsignal Attraktivität des Wirtschaftsstandortes sinkt
Zur Standortzufriedenheit befragen die vier gewerblichen Kammern im mitteldeutschen Kernraum Leipzig-Halle-Dessau ihre Mitgliedsunternehmen in den größeren Städten. Insgesamt 1.238 Unternehmen aus 26 Städten der Regionen Halle (Saale) und Leipzig hatten sich beteiligt.
Einen entscheidenden Grund dafür sah IHK-Präsident Sascha Gläßer in der Verschlechterung der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen, die mit einem Verlust an Wettbewerbsfähigkeit und einer großen Verunsicherung in der Unternehmerschaft einherging. Die neue Bundesregierung müsse hier schnell tätig werden. Auch unter dem Eindruck der internationalen Zollkonflikte gäbe es hier keine Schonfrist.
Die Herausforderungen bei Energiepreisen, Steuerbelastung, Arbeitskosten und Bürokratie sind bekannt,
so Gläßer.
Aktuell sei festzuhalten, dass die mitteldeutschen Unternehmen im Durchschnitt mit dem Großteil der Standortfaktoren (29) “eher unzufrieden” sind und nur noch mit 17 Faktoren “eher zufrieden”. Vor fünf Jahren sei das Verhältnis mit 16 zu 31 Faktoren noch umgekehrt gewesen.