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IHK-Jahresbericht 2025
Nr. 6826984
9 minLesezeit
IHK-Vollversammlungen zum Thema „Wettbewerbsfähigkeit stärken“
Wie sich die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft im südlichen Sachsen-Anhalt, aber auch deutschlandweit nach vorn bringen ließe, dieses Thema zog sich wie ein roter Faden durch alle vier Sitzungen der IHK-Vollversammlung im Jahr 2025. Zugleich wurde die neue Bundesregierung in ihrem Entstehen sowie ihrer Arbeit der ersten Wochen und Monate inhaltlich kritisch begleitet.
Aus Sicht der Unternehmen formulierte Positionspapiere und Handlungsempfehlungen wurden erfolgreich beschlossen – etwa zum Jahresthema, zu den Faktoren einer erfolgreichen Wirtschaftspolitik, zur Nutzung offener Fachkräftepotenziale, besseren Gestaltung von Förderbedingungen und -instrumenten, einem wirtschaftserhaltenden Klimaschutz, zur Stärkung der geschwächten Gastgewerbe- und Tourismusbranche sowie einer bedarfsgerechteren Berufs- und Studienorientierung. Sie prägten über das Jahr verteilt die Kernpfeiler der ehrenamtlichen Arbeit und wirtschaftlichen Interessenvertretung.
Wofür genau sich das Ehren- und Hauptamt Ihrer IHK Halle-Dessau stark machte, welche Ergebnisse sich zeigten und wie das Resümee am Ende des Jahres ausfiel, lesen Sie nachfolgend.
Positionspapier mit Forderungen an die neue Bundesregierung
Am 20. Januar 2025 beschloss die Vollversammlung der IHK Halle-Dessau bei einer Sondersitzung ihr Positionspapier zur Bundestagswahl (nicht barrierefrei, PDF-Datei · 1789 KB). Die Kernforderungen darin: stärkeres Fokussieren auf Investitionen und die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands, sowie eine Abkehr vom staatlichen Dirigismus.
Im Detail zielte das Positionspapier auf die Senkung von Lohnnebenkosten und Steuerabgaben, die Förderung von Eigenverantwortung und einen flexibleren Arbeitsmarkt. Auch das Bekämpfen des Bevölkerungsrückgangs mittels aktiver Familienpolitik und qualifizierter Zuwanderung betont das Papier.
Der Ausbau der dualen Ausbildung, mehr Wettbewerb im Schulsystem und die Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit deutscher Hochschulen sind weitere Prioritäten. Hinzu kommt ein umfangsreicher Forderungskatalog in den Bereichen Digitalisierung, Energie- sowie Umweltpolitik, Unternehmensfreundlichkeit/-akzeptanz und Bürokratieabbau.
Frühjahrssitzung: Schnelle Reformen und Lösungsvielfalt gefordert
Bürokratieabbau und Fachkräftesicherung im Fokus
Die gewerbliche Wirtschaft erwarte von den Koalitionsverhandlungen zwischen CDU und SPD im Bund schnelle Reformen. Dafür müssten beide Parteien ihre Mehrheit aus der gesellschaftlichen Mitte nutzen, so Sascha Gläßer auf der Frühjahrs-Vollversammlung der IHK Halle-Dessau am 19. März 2025 in Wittenberg.
Die Mitglieder der Vollversammlung während der Sitzung.
Zu diesen Reformen gehören unter anderem eine Senkung der Energiepreise, Steuererleichterungen für Unternehmen und ein nachhaltiger Bürokratieabbau. Aktuell habe die Industrie das Investieren nahezu eingestellt, was auch einzelne erfolgreiche Zukunftsinvestitionen wie die von Skeleton Materials und der Schwarz-Gruppe nur bedingt ausgleichen würden.
Gläßer lobte die ersten positiven Sondierungsgespräche, in denen einige wichtige wirtschaftliche Themen wie Energiepreissenkungen und eine Steuerreform angesprochen wurden. Positiv bewertete er auch die europäische Omnibus-Verordnung. Um eine erfolgreiche Interessenvertretung der IHK-Organisationen in Berlin und Brüssel zu gewährleisten, wurden gemeinsame wirtschaftspolitische Positionen verabschiedet.
Sie adressieren klare Erwartungen an die neue Bundesregierung, wie eine stärkere Wettbewerbsfähigkeit und nachhaltiges Wachstum in Deutschland erreicht werden können. Die zentralen sechs Forderungen daraus:
Mittelstand von Bürokratie entlasten und bessere Finanzierungsmöglichkeiten eröffnen!
Beschleunigte Genehmigungsverfahren und eine praxisorientierte Gesetzgebung ermöglichen!
Wettbewerbsfähige Steuerbelastung und vereinfachte Steuerverfahren zur Förderung von Investitionen etablieren!
Fachkräftesicherung mittels besserer Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie stärkerer Digitalisierung in der Bildung vorantreiben!
Digitale Infrastruktur ausbauen!
Klare rechtliche Rahmenbedingungen sowie vereinfachte Zugänge zu Fördermitteln für Forschung und Innovation schaffen!
Fachkräftemangel begegnen und Bildung praxisorientierter gestalten
Der Arbeits- und Fachkräftemangel wird für immer mehr Unternehmen zu einem zentralen Thema: 2023 gingen 360.000 Erwerbspersonen ohne Ersatz in den Ruhestand. Grund dafür ist unter anderem der Unterschied in der Größe der Bevölkerungsgruppe der 60- bis 65-Jährigen im Vergleich zu den 20- bis 25-Jährigen.
Die IHK setze deshalb auf eine Vielzahl von Maßnahmen, um dem Fachkräftemangel zu begegnen, so Kerstin Kühne, Vizepräsidentin der IHK Halle-Dessau. Sie wurden als Richtlinie für die IHK-Interessenvertretung im Positionspapier „Alle Potenziale heben“ (nicht barrierefrei, PDF-Datei · 4667 KB) verankert und von der IHK-Vollversammlung verabschiedet. Folgende sechs Forderungen werden beschrieben:
Arbeitslose stärker aktivieren!
Verbesserte Bedingungen für die Zuwanderung von Arbeits- und Fachkräften schaffen!
Die Arbeitsteilnahme älterer Menschen fördern!
Automatisierung und Digitalisierung zur Steigerung der Wirtschaftlichkeit von Prozessen nutzen!
Flexible Arbeitszeitmodelle für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf schaffen!
Bildungssystem und Programme zur Förderung von MINT-Fächern stärker am Arbeitsmarkt ausrichten!
Anlässlich ihrer Sommersitzung am 20. Juni 2025 berichtete IHK-Präsident Sascha Gläßer der Vollversammlung über Aktivitäten der IHK Halle-Dessau zur Weiterentwicklung des Förderinstruments. Denn bei seiner Umsetzung fielen immer wieder Verzögerungen und eine unklare Kommunikation zwischen Förderbank und Investoren auf.
Initiiert durch die IHK trafen sich alle Beteiligten an einem Tisch: Wirtschaftsministerium, Investitionsbank und betroffene Unternehmen.
Wir haben uns darauf verständigt, wie die Kommunikation verbessert werden kann. Einig waren wir uns auch, dass die Bindung von Investitionsförderungen an neu zu schaffende Arbeitsplätze ein in Zeiten des Fachkräftemangels längst überholtes Relikt ist. Hier müssen Land und Bund den Kriterienkatalog modernisieren,
so Sascha Gläßers Fazit.
Wenn wir Wertschöpfung trotz demografischen Wandels in der Region halten wollen, müssen wir die Unternehmen belohnen, die Wertschöpfung mit so wenig wie möglich Menschen schaffen – sich also auf Produktivitätssteigerungen konzentrieren.
In Folge wird die IHK das Thema gemeinsam mit Wirtschaftsminister Sven Schulze nun auch bundespolitisch adressieren.
Klimapolitische Grundsatzpositionen beschlossen
Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit in Einklang bringen
Klimapolitik sollte stets ökonomisch, ökologisch und sozial ausgewogen umgesetzt werden. Bei ihrer Sommersitzung bestätigte die Vollversammlung der IHK Halle-Dessau entsprechende klimapolitische Grundsatzpositionen (nicht barrierefrei, PDF-Datei · 1004 KB) zur Interessenvertretung ihrer Mitgliedsbetriebe gegenüber der Landes- und Bundespolitik.
In neun Kapiteln beschreibt die regionale Wirtschaft darin, wie Klimaschutz, -anpassung und Wettbewerbsfähigkeit miteinander in Einklang gebracht werden können:
Eine technologisch und sozial ergebnisoffene Debatte ist essenziell für eine erfolgreiche Klimapolitik!
Klimapolitik muss effektiv, effizient und nachhaltig sein!
Effektivität und Effizienz müssen ganzheitlich betrachtet werden!
Effektive und effiziente Vermeidung mit Marktinstrumenten realisieren!
Klimapolitik muss „arbeitsteilig“ ausgestaltet sein! Vermeidung ist eine gemeinsam-globale, Anpassung eine lokale Aufgabe
IHK-Präsident Sascha Gläßer lobte, dass das angekündigte Sofortprogramm zwar weitgehend umgesetzt sei, kritisierte jedoch zugleich den noch fehlenden Schwung sowie die anhaltende Energiekostenbelastung für die Industrie: Trotz einzelner positiver Maßnahmen wie einer Stromsteuersenkung oder dem Aus für die Gasspeicherumlage bleibe die Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich gefährdet.
Mit einem Verweis auf das IHK-Energiewendebarometer warnte er davor, dass Unternehmen in Anbetracht der Lage die Produktion in Deutschland kürzten, Standortverlagerungen prüften oder diese bereits vollzögen, „ein besorgniserregender Trend der Deindustrialisierung“, kommentierte der Präsident.
Lobende Worte sprach Gläßer den Bemühungen der IHK aus, inzwischen mittels vielfältiger und immer neuer Ansätze bei jungen Menschen für Ausbildung und Unternehmertum zu werben und sich anhaltend für die Qualität von Berufsbildung und praktischer Bildungsarbeit stark zu machen.
Touristische Grundsatzpositionen beschlossen
Motor für Innovation, Beschäftigung und regionale Wertschöpfung
Da vor dem Hintergrund der vergangenen Krisen und aktuellen Marktentwicklungen eine Stärkung der Tourismuspolitik nötig ist, um den Wirtschaftsfaktor zurück in die öffentliche Debatte und Sichtbarkeit zu rücken, wurden auf der Herbstsitzung der Vollversammlung entsprechende Grundsatzpositionen (PDF-Datei · 8110 KB) beschlossen.
Ausgehend von den gegenwärtig wichtigsten Herausforderungen wie Infrastrukturausbau, strategisches Standortmarketing und Fachkräftesicherung werden darin folgende sieben Forderungen beschrieben:
Touristische Infrastruktur sichern und ausbauen!
Bekanntheit steigern, Image verbessern, Standortmarketing gemeinsam betreiben!
Struktur- und Organisationsentwicklung fortsetzen, Kooperationen stärken!
Bestehenden Bürokratismus abbauen und neuen verhindern!
IHK-Präsident Sascha Gläßer erinnerte zunächst an den turbulenten Beginn im Bundestagswahlkampf voll großer Ankündigungen zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage. Das Ende des Jahres zeige dennoch keine Niveauverbesserung im Vergleich zum Jahr zuvor. Die gesamte wirtschaftliche Lage Deutschlands stagniere auf dem Niveau von 2019.
Mit einem bedeutenden Unterschied, so Gläßer: Die Schuldenaufnahme sei massiv angestiegen, Investitionsmittel einfach in Ausgaben verwandelt worden, schmerzhafte Einsparentscheidungen dadurch erneut vertagt. Strukturreformen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit – wie bei den Sozialausgaben – würden immer noch auf sich warten lassen, kommentierte der Präsident.
Der weltweit zu spürende Aufschwung ginge dadurch an Deutschland vorbei, mit absehbaren Folgen: einem weiter beschleunigten Verlust von Wettbewerbsfähigkeit aufseiten der Unternehmen. Positiv setzte Gläßer die Lage in Sachsen-Anhalt dagegen. Der Landesentwicklungsplan bringe Klarheit, Berechenbarkeit und Planbarkeit zurück auf die Tagesordnung. Die sich in Arbeit befindliche CCU- und CCS-Strategie zeige, dass bei wichtigen Rohstoffthemen auch vor Ort alle Lösungspotenziale ausgeschöpft würden.
Dass das Vergabegesetz so zügig und praxisnah reformiert werden konnte, dazu habe unter anderem das besondere Durchhaltevermögen von Wirtschaftsminister Sven Schulze einen wichtigen Beitrag geleistet. Daneben seine Offenheit für die eingebrachte wirtschaftsnahe Perspektive der IHK-Organisation, deren Jahresthema „Wettbewerbsfähigkeit stärken“ nun zudem auch in eine landesweite Standortkampagne überführt würde.
IHK-Leitbild und Handlungsempfehlungen beschlossen
Mehr Orientierung geben
Nach intensiven Debatten und Diskussionen lagen zur Wintersitzung klare Ergebnisse aus den IHK-Gremien vor. Abgestimmt wurde über ein neues IHK-Leitbild sowie über Handlungsempfehlungen zur Berufs- und Studienorientierung an Schulen.
Durch den erfolgreichen Beschluss des neuen Leitbilds erhielt die IHK Halle-Dessau am 3. Dezember 2025 einen neuen Orientierungsrahmen für die interne Zusammenarbeit von Ehren- und Hauptamt, der in Form eines lebendigen Arbeitskompasses die strategische Ausrichtung und Identität der IHK stärkt.
Verankert sind Grundsätze wie:
Eigenverantwortung
Leistungsbereitschaft
Offenheit
Dialogorientierung
Verlässlichkeit und
Dynamik
um eine moderne, serviceorientierte Haltung gegenüber den Mitgliedsunternehmen zu prägen und zu fördern, die auch als kommunikative Grundlage für den Auftritt der IHK dienen soll.
Das verabschiedete Maßnahmenpaket zur Stärkung der Berufs- und Studienorientierung an Schulen in Sachsen-Anhalt soll junge Menschen zukünftig früher, verlässlicher und praxisnäher bei ihrer Berufswahl unterstützen und damit helfen, Fehlentscheidungen, Ausbildungsabbrüche und wertvolle „verlorene Jahre“ zu vermeiden.
Die zehn Empfehlungen der IHK reichen von der verbindlichen Verankerung der Berufs- und Studienorientierung im Schulprogramm über praxisorientierte Lehrerfortbildungen und Coaching-Formate bis hin zur engeren Zusammenarbeit von Schulen, Unternehmen, Kammern und Hochschulen. Auch die Verstetigung der Schulsozialarbeit und eine bessere Sichtbarkeit bestehender Angebote gehören dazu.