IHK-Jahresbericht 2025
Nr. 6792132
8 min Lesezeit
Drei Personen der Stella Moses GmbH halten Snacks in die Kamera

Wettbewerbsfähigkeit stärken: Innovation & Technologie

Planungsunsicherheit, langwierige Genehmigungsverfahren und ineffiziente Förderstrukturen erschweren Forschungsvorhaben und den Transfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft erheblich. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, sind Innovationsfähigkeit und Technologieentwicklung jedoch unerlässlich. Beides muss technologie-, branchenoffen und unbürokratisch ermöglicht werden. Öffentliche Förderstrukturen müssen darauf Rücksicht nehmen, bei der Ausgestaltung der Regularien wie bei der Priorisierung der Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft. Woran und wie sich die regionale Wettbewerbsfähigkeit im Jahr 2025 zeigte.

Dynamischer Wettbewerb: Veränderung als Treiber für Innovationen

Wie veränderte Verbrauchergewohnheiten Innovationen in der Ernährungswirtschaft vorantreiben, neue Marktchancen eröffnen und die Wettbewerbsfähigkeit in einem umkämpften Markt stärken, stellte sich 2025 am Beispiel des Gründerteams der Stella Moses GmbH in Halle (Saale) heraus.
Drängende Themen wie Klimaschutz, Tierwohl und die eigene Gesundheit bringen 2025 immer mehr Verbraucher aus traditionellen Ernährungsmustern auf die Suche nach einem bewussten und gesünderen Lebensstil: 41 Prozent der Deutschen bezeichnen sich inzwischen als „Flexitarier“. Für Uwe Wilhelm und Christian Sommer öffnete sich durch diesen Trend die Tür zum eigenen Unternehmen.
Als sie auf Stefan Marquard, einen der innovativsten und bekanntesten Köche Deutschlands treffen, erhält das Vorhaben den entscheidenden Schub. Hinter der Stella Moses GmbH steckt seitdem die Mission: Gesunde, leckere und nachhaltige Ernährung massentauglich machen und damit eine Alternative zu klassischem Fastfood anbieten. Testfeld wird ein Pop-Up-Store im Hallenser Hauptbahnhof. Wie ihre Idee beim Verbraucher ankommt, soll das Interesse der dort täglich 45.000 frequentierenden Menschen zeigen.
Und die Chance, mit diesem Ansatz erfolgreich zu sein, ist gut. Denn der Markt für pflanzliche Alternativprodukte in Deutschland wuchs bis 2023 bereits auf ein Rekordvolumen von 2,2 Milliarden Euro mit jährlichen Wachstumsraten im konstant hohen Bereich. Die Stadt rollte dem Start-up zur Ansiedlung in Halle (Saale) förmlich den roten Teppich aus, das einschlägige unternehmerische Netzwerk in der Region überzeugte zudem durch eine qualitativ hochwertige Gründungsberatung sowie seine schiere Größe und Vielfalt.
Wir haben hier in Halle das perfekte Ökosystem für unsere Idee gefunden.
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Material-Rohdiamant wird zur Bausubstanz-Innovation: So simpel wie innovativ

Fünf bis 13 Millionen Tonnen Stroh werden jedes Jahr in Deutschland als Abfall kompostiert und entsorgt. Dabei eignet sich der Naturrohstoff durch seine wärmedämmenden und klimaresistenten Eigenschaften und weil es sich dabei um ein schnell wachsendes, regional verfüg- sowie recycelbares und damit kostengünstiges Material handelt, für weitere Anwendungsfelder wie den Bau.
Werner Ehrich „infiziert“ dieser Gedanke schon vor gut 20 Jahren. Er lässt ihn reifen und gründet schließlich in Weißenfels – als inzwischen erfolgreicher Architekt – sein innovatives Unternehmen „Strohelemente“. Die Strohkleinballen, die Ehrich zuvor bereits beim Bau von Einfamilienhäusern verwendete, will er zu raumhohen Strohmodulen entwickeln und in Masse herstellen. Denn dann wären sie für jedes Bauvorhaben geeignet und könnten von jedem Maurer eingesetzt werden.
Seine Idee überzeugt 2024 auch die Gäste des IHK-Gründerabends, wie die Auszeichnung als Publikumsliebling beweist. Ein Jahr später, 2025, blickt der Gründer nun stolz auf seine erste Produktionsanlage mit Showroom in Oschatz, in der er seinen Interessenten auch Anschauungsobjekte aus Stroh präsentieren kann.
Doch der Weg verlief bis dahin nicht reibungslos. Erst eine Fördermittelzusage aus dem Strukturtopf „Unternehmen Revier“ bringt den entscheidenden Hebel, einen Bauunternehmer in Oschatz zur Mitwirkung zu motivieren.
Ob Strohelemente sich als Baustoff am Markt weitreichender etablieren können, wird sich nun bald an ihrer Praxistauglichkeit und dem Skalierungspotenzial bei der Umsetzung der ersten Bauvorhaben zeigen.
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Innovationsstärke hat viele Gesichter: Nachhaltige Erneuerung als Unternehmensansatz

Manchmal verhilft auch ein passender Unternehmensnachfolger zu erneuerter Innovationsstärke, wie 2025 das Beispiel der Ziemer GmbH in Zorbau zeigt. Hier verbindet die IHK-Nachfolgebörse „nexxt-change“ erfolgreich zwei Suchende.
Die hochspezialisierten Holzbearbeitungsmaschinen der Maschinen & Service Ziemer GmbH bieten Unternehmen entlang der gesamten Prozesskette der Holzbearbeitung seit vielen Jahren intelligente und flexible Systemlösungen.
Doch Unternehmensgründer Karl-Heinz Ziemer sucht vergeblich einen Nachfolger, bis im April 2025 sogar die Firmenschließung droht.
Zur gleichen Zeit unweit entfernt im Altenburger Land: Jens Heger. Im Kopf des gelernten Konstruktionsmechanikers reift der Wunsch zur Veränderung. Seit etwa 20 Jahren arbeitet der Thüringer in verschiedenen Management-Positionen für Automobilzulieferer, bis er als Werksleiter in den Kontakt mit unternehmerischem Verantwortungsbewusstsein kommt – und auf dessen „Geschmack“.
Sich die damit verbundene Freiheit gänzlich zu erobern, reizt Heger und als seine berufliche Situation den Impuls zum Sprung gibt, macht er die ersten Schritte in Richtung Selbstständigkeit. Bei seiner Suche nach Optionen stößt er schließlich bei nexxt-change“ online auf Ziemers Anzeige.
Die deutschlandweit größte Unternehmensnachfolgebörse bringt Unternehmen und Nachfolgeunternehmer zusammen und bietet zudem eine qualifizierte Betreuung durch kompetente Regionalpartner, wie es die IHK ist.
Da Heger das Unternehmen bereits kennt, verläuft der weitere Weg bis zur Entscheidung dynamisch; die Investitionsbank Sachsen-Anhalt unterstützt bei der Finanzierung. Für die Ziemer GmbH die rettende Minute.
Innovationen bringen nun zukünftig nicht nur neue Maschinenkomponenten, sondern auch die frischen Ideen des motivierten Jens Heger, für den es jetzt heißt:
Grundauslastung sichern, auf Serviceorientierung fokussieren, Geschäft stabilisieren, Fachkenntnis ausbauen, die Arbeitsprozesse etwa mittels KI effizienter machen und dann moderat wachsen.
Auch seine eigene Unternehmensnachfolge plant Jens Heger dabei schon jetzt mit ein – und hat die passenden Unterstützer schon auf seinem Merkzettel.

Ideentreiber und fruchtbarer Boden für Projekte: Netzwerke verankern Innovationskraft

Innovation lebt von Bewegung und Austausch. Netzwerke sind dafür ein wichtiger Anker. Sie beschleunigen Dynamiken, die neue Ideen hervorbringen, begrenzen zugleich deren Umsetzungsrisiken und können ihnen beim Wachsen und Entwickeln helfen. Welche Netzwerke sich dabei 2025 hervorgetan haben.
Eine erfolgreiche Zukunft für die Pflege und Gesundheitsversorgung in Sachsen-Anhalt zu gestalten, ist das Ziel des Netzwerks TPG. Unternehmen mit innovativen Ideen und Projekten zu entsprechenden nutzerfreundlichen digitalen Technologien – sowie ihre Partner aus Wissenschaft und Praxis – werden bei der Entwicklung und Umsetzung gefördert. Ziel ist, den Strukturwandel im Mitteldeutschen Revier Sachsen-Anhalt in eine Innovationsregion für Telepflege, vernetzte Mobilität und assistive Robotik zu unterstützen sowie langfristig regionale Versorgungsfragen zu lösen.
Um die Transformation zu einer postfossilen Gesellschaft aktiv zu gestalten und voranzutreiben, denkt das Forum Rathenau Kohlenstoff neu und unterstützt Projekte zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und einer klimaneutralen Industrie mit dem Ziel einer klimaneutralen Wirtschaft. Dafür bringt der Verein Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur und Politik in Denk-, Experimentier- und Transferwerkstätten zusammen.
Der steigende Wasserbedarf in der Industrie, extreme Wetterlagen, demografische Entwicklungen sowie Belastungen der Wasserqualität durch Medikamentenrückstände und Spurenelemente stellen die Wasserwirtschaft der Region und all ihre Akteure vor vielfältige Herausforderungen. Um die lebensnotwendige Ressource sicherzustellen, werden im Kompetenzzentrum Wasserwirtschaft gemeinsam innovative, nachhaltige, ökologisch und ökonomisch ausgewogene Strategien entwickelt und erprobt.
Hier werden Unternehmen der Branche Maschinen- und Anlagenbau mit forschenden und politischen Akteuren vernetzt und dadurch in ihrer Entwicklung und Innovationskraft gestärkt. Das geschieht mittels Kooperation und Wissenstransfer, Fördermittelberatung und durch die Begleitung bei Strukturwandel, Digitalisierung sowie einer Unterstützung des globalen Marktzugangs.
Mit dem Ziel, alle Potenziale des 3D-Drucks für die Wirtschaft der Region auszuschöpfen, unterstützt enficos Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Hochschulen bei Projekten, Innovationen und Kooperationen rund um den 3D-Druck. Dazu gehört auch das Projekt „AddiQ – Qualitätssicherung in der additiven Fertigung", in dem entlang der Wertschöpfungskette der additiven Fertigung qualitätssichernde Maßnahmen und Standards entwickelt werden sollen.
Aufgabe des zentralen Branchen-, Wissenschafts-, und Innovationsverbandes für die Life-Science-Branche ist es, alle auf Life Sciences basierenden Wirtschaftszweige zu fördern und zu vernetzen. So soll eine international wettbewerbsfähige, sichtbare Life-Science-Region mit dem Fokus auf Biotechnologie, Pharmazie, Medizin und Gesundheitswirtschaft geschaffen und weiterentwickelt werden.

Neue Onlineplattform stärkt Wissenstransfer: Geballte Forschungskompetenz des Landes auf einen Klick

Eine nutzerfreundliche Onlineplattform bündelt die Kompetenzen für Forschung und Entwicklung in der Region, macht sie sichtbar und fördert so den Wissens- und Technologietransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft: das Innovationsportal Sachsen-Anhalt.
Alle Kompetenzen landesweiter Universitäten, Hochschulen und außeruniversitärer Forschungseinrichtungen werden hier übersichtlich zu einem umfassenden Einblick in das Innovationspotenzial Sachsen-Anhalts gebündelt: Für Unternehmen der kurze Weg zur Wissenschaft. Denn hier kann gezielt nach Projekten, Technologien und Experten oder gezielt nach Orten und Forschungspartnern gesucht werden, um zum Beispiel Kooperationen anzubahnen.
Ergebnis der Suche können aber auch Lösungsansätze, Serviceangebote, verfügbare Forschungstechnik Namen von hilfreichen Ansprechpartnern oder Inhaltsbeschreibungen sein. Die möglichen Themenbereiche erstrecken sich über alle Leitmärkte der Landesinnovationsstrategie: Energie und Ressourceneffizienz, Chemie und Bioökonomie, Mobilität und Logistik, Ernährung und Landwirtschaft, Maschinen- und Anlagenbau, Gesundheit und Medizin, Informations- und Kommunikationstechnologien sowie Medien- und Kreativwirtschaft.
Informationen über Patente und andere Schutzrechte, die aus der Forschung in Sachsen-Anhalt hervorgegangen sind, über Fördermöglichkeiten und Programme für Forschung und Entwicklung im Land, im Bund und der Europäischen Union sowie ein Newsroom und Veranstaltungskalender ergänzen das Angebot der neuen Plattform, deren Aufbau vom Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt gefördert wurde.