IHK-Konjunkturumfrage: Stimmung hellt sich auf
Die Stimmung in der Ostthüringer Wirtschaft verbessert sich, die Erholung bleibt jedoch fragil. Das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage der IHK Ostthüringen. Der IHK-Konjunkturklimaindikator steigt gegenüber der Vorumfrage um 5,8 auf 90,7 Punkte und erreicht damit den höchsten Stand seit Frühjahr 2023. Einen breit angelegten Aufschwung lassen die Ergebnisse jedoch nicht erkennen.
„Die bessere Stimmung ist ein positives Signal, aber noch keine Entwarnung. Hohe Energie- und Arbeitskosten sowie die schwache Nachfrage setzen viele Betriebe weiterhin unter Druck“, erklärt Almut Weinert, Geschäftsbereichsleiterin Wirtschaft und Technologie der IHK Ostthüringen. „Dass die Unternehmen bei Investitionen und Personal zurückhaltend bleiben, zeigt, wie anfällig die Erholung für Rückschläge ist.“
Die Geschäftslage der Unternehmen stabilisiert sich. Erstmals seit drei Jahren überwiegen die positiven Bewertungen wieder leicht. Dennoch berichten 27 Prozent der Betriebe von schlechten Geschäften. Schwache Nachfrage sowie hohe Energie- und Arbeitskosten belasten die Unternehmen weiterhin. Auch beim Blick auf die kommenden zwölf Monate bleibt die Skepsis größer als die Zuversicht: Zwölf Prozent erwarten bessere Geschäfte, 32 Prozent eine Verschlechterung. Mehr als die Hälfte der Befragten rechnet mit keiner Veränderung.
Hohe Kosten bremsen Investitionen und Beschäftigung
Als größtes Risiko für ihre wirtschaftliche Entwicklung nennen 72 Prozent der Unternehmen erneut die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Es folgen die Energiepreise mit 69 Prozent, die Arbeitskosten mit 63 Prozent und die schwache Inlandsnachfrage mit 54 Prozent.
Diese Unsicherheit zeigt sich in den Investitions- und Personalplänen. Insgesamt wollen 51 Prozent der Betriebe in den kommenden zwölf Monaten weniger oder gar nicht investieren. Bei den Investitionsmotiven dominiert mit 68 Prozent der Ersatzbedarf; Kapazitätserweiterungen spielen mit 20 Prozent eine deutlich geringere Rolle. Zusätzliche Beschäftigte erwarten lediglich acht Prozent der Unternehmen. Bei jedem fünften Betrieb ist dagegen ein Stellenabbau ein Thema.
Dienstleister stützen die Entwicklung, Industrie und Handel unter Druck
Getragen wird die Stimmungsaufhellung vor allem vom Dienstleistungssektor. Dort bewerten 86 Prozent der Unternehmen ihre wirtschaftliche Situation als befriedigend oder gut – zehn Prozentpunkte mehr als in der Vorumfrage. Auch die Erwartungen verbessern sich, bleiben aber vorsichtig.
In der Industrie kommen die Geschäfte hingegen bei vielen Unternehmen nicht in Schwung. 35 Prozent der Betriebe melden eine schlechte Geschäftslage. Bei 39 Prozent liegen die Auftragseingänge unter dem Vorjahresniveau. Einen Lichtblick bietet das Auslandsgeschäft: Hier verzeichnen wieder mehr Unternehmen ein Auftragsplus. Der Beschäftigungsrückgang dürfte sich dennoch fortsetzen. Bereits zwischen 2024 und 2025 sank die Zahl der Beschäftigten in der Ostthüringer Industrie um 1.500. Eine Trendwende zeichnet sich in den Personalplänen nicht ab.
Auch der Handel bleibt unter Druck. 43 Prozent der Unternehmen berichten von schlechten Geschäften, nur neun Prozent bewerten ihre Lage positiv. Fast die Hälfte der Befragten erwartet eine weitere Verschlechterung. In Tourismus und Gastgewerbe belasten sparsamere Gäste sowie hohe Energie-, Waren- und Personalkosten die Betriebe. Im Baugewerbe wirken Infrastrukturprojekte zwar stützend, hohe Kosten und bürokratische Hürden erschweren jedoch Investitionen.
Wie funktioniert der IHK-Konjunkturklimaindikator?
Der IHK-Konjunkturklimaindikator ist ein wichtiger Frühindikator, der die wirtschaftliche Verfassung und die Erwartungen von Unternehmen misst. Damit spiegelt er die Stimmung der Unternehmen wider, bevor sich dies in anderen Kennzahlen wie dem Bruttoinlandsprodukt zeigt. Er basiert auf Umfragen der Industrie- und Handelskammern und setzt sich aus der Einschätzung der aktuellen Geschäftslage sowie den Erwartungen zusammen. Er kann Werte zwischen Null und 200 annehmen. Werte über 100 signalisieren eine positive Entwicklung und Werte unter 100 eine negative Entwicklung. Die IHKs führen Konjunkturumfragen regelmäßig durch. Die Teilnahme ist freiwillig. An der Konjunkturumfrage der IHK Ostthüringen im Herbst 2026 haben sich 338 Unternehmen mit insgesamt 13.700 Beschäftigten beteiligt.