Phishing
Phishing bedeutet Täuschung mit dem Ziel, Zugangsdaten, Zahlungsfreigaben oder vertrauliche Informationen zu erlangen, häufig über Links zu gefälschten Login-Seiten oder über manipulierte Anhänge.
Die Masche
- Vorbereitung
Eine Phishing-Attacke beginnt meist damit, dass sich Angreifer eine Person bzw. Abteilung zufällig aussuchen und auskundschaften. Bei einer gezielten Auswahl handelt es sich um sogenanntes „Spear-Phishing“. Darauf aufbauend wird ein glaubwürdiges „Thema“ gewählt. Das kann breit gestreut sein, etwa eine angebliche Rechnung, Bewerbung oder Sicherheitswarnungen. Dazu werden Nachrichten so gestaltet, dass sie möglichst echt wirken, zum Beispiel mit einem vertrauten Absendernamen, einer täuschend ähnlichen Domain oder sogar über bereits kompromittierte echte Konten.
2. Phishing-Angriff
Anschließend wird der Köder per E-Mail zugestellt. Der Inhalt ist fast immer darauf ausgelegt, eine schnelle Reaktion auszulösen. Die Nachricht erzeugt Zeitdruck, Angst vor Konsequenzen oder Neugier. Typische Aufhänger sind ein ablaufendes Passwort, eine überfällige Rechnung oder ein Dokument, das mit Ihnen geteilt werden soll. Damit einher geht ein klarer Handlungsaufruf, etwa auf einen Link zu klicken, einen Anhang zu öffnen oder sich auf einer Seite anzumelden.
3. Datenklau
Wenn das Opfer reagiert, folgt die eigentliche „Erntephase“. Entweder führt der Link auf eine gefälschte Login-Seite, auf der Benutzername und Passwort abgegriffen werden. Häufig versuchen Angreifer dabei auch gleich, Mehrfaktor-Authentifizierung zu umgehen, etwa indem sie das Opfer zur Eingabe eines Codes verleiten. Oder die Aktion lädt Schadsoftware beispielsweise über einen Anhang oder einen Download nach, der als harmloses Dokument oder Update getarnt ist.
4. Zugriff
Mit den gewonnenen Daten oder dem eingeschleusten Schadcode nutzen die Angreifer den Zugriff aus. Bei gestohlenen Zugangsdaten übernehmen sie oft das Postfach, legen Weiterleitungs- oder Löschregeln an, lesen Kommunikation mit und versuchen, sich innerhalb der Organisation weiter zu bewegen. Dies geschieht, indem sie interne Kontakte anschreiben oder Zahlungsprozesse manipulieren. Bei Malware kann es zusätzlich zu einer Ausbreitung im Netzwerk kommen, bis hin zur Vorbereitung von Ransomware-Angriffen, bei denen die Angreifer Daten im Netzwerk sperren oder verschlüsseln und Lösegeld für die Freigabe fordern.
5. Tarnung
Zum Schluss versuchen Angreifer häufig, ihre Spuren zu verwischen und den Zugriff zu sichern. Das kann durch das Löschen von Benachrichtigungen, das Verstecken von Weiterleitungen, das Registrieren neuer Geräte oder Tokens oder den Missbrauch von autorisierten Apps geschehen, damit der Zugang auch dann bestehen bleibt, wenn einzelne Passwörter geändert werden.
Weitere Phishing-Methoden
Phishing findet nicht nur per E-Mail statt, sondern auch am Telefon. Dabei tarnen sich Betrüger als Mitarbeitende eines Kreditinstituts, eines technischen Support-Teams oder eines Callcenters und bringen die angerufene Person unter einem Vorwand dazu, vertrauliche Daten preiszugeben.
Außerdem können Phishing-Schreiben unter Verwendung von scheinbar offiziellen Logos, beispielsweise von Visa oder Mastercard, im Briefkasten landen. Unter Verweis auf „steigende Betrugszahlen“ wird zur Vergabe eines Sicherheitspassworts für Internetzahlungen aufgefordert und mit einer Kartensperre binnen 14 Tagen gedroht, wenn man seine Daten nicht online bestätigt.
Ergänzend treten solche Maschen auch per SMS/Messenger (Smishing) oder über QR-Codes (Quishing) auf, bei denen man durch Scannen auf gefälschte Seiten gelockt wird.
Mit den so abgegriffenen Daten ist anschließend ein Identitätsmissbrauch, sog. Identity Theft, möglich.
Die Schwachstelle
Beim Phishing nutzen Täter vor allem psychologische Schwachstellen aus. Vertrauen in bekannte Absender, Hilfsbereitschaft, Autorität und Zeitdruck, der zu schnellen Entscheidungen verleitet. Zusätzlich werden Routine und Ablenkung ausgenutzt, etwa wenn Links, Anhänge oder Login-Aufforderungen wie normale Arbeitsvorgänge wirken. Technisch zielen Angreifer auf Zugangsdaten und Identitäten ab, weil ein kompromittiertes E-Mail- oder Cloud-Konto oft der Schlüssel zu weiteren Systemen ist. Häufig werden auch schwache Prozesse ausgenutzt, zum Beispiel wenn ungewöhnliche Zahlungs- oder Kontowechselanweisungen ohne zweite Prüfung übernommen werden. Insgesamt kombiniert Phishing fast immer glaubwürdige Täuschung mit Situationen, in denen Menschen unter Stress oder im Autopilot handeln.
Vorbeugende Maßnahmen
1. Misstrauisch bei „Druck & Dringlichkeit“
Wenn eine Mail oder ein Anrufer zur Eile drängen, kurz stoppen. Phishing arbeitet fast immer mit Zeitdruck („sofort“, „letzte Warnung“, „Chef braucht das JETZT“).
2. Absender genau anschauen – nicht nur den Namen
Der sichtbare Name kann echt wirken, die Mailadresse dahinter aber nicht. Im Zweifel lieber nachfragen.
3. Links nicht blind anklicken
Mit der Maus über den Link fahren - ohne zu klicken - und prüfen, wohin er führt. Wenn die Adresse komisch aussieht oder nicht zur Firma passt nicht klicken.
4. Login immer über den bekannten Weg
Wenn die Angabe „Passwort abgelaufen“ o. ä. erscheint, nicht über den Link in der Mail einloggen, sondern die Seite bzw. Software wie gewohnt öffnen (Favorit, Intranet, eigener Login-Link).
5. Anhänge nur öffnen, wenn man sie erwartet
Rechnungen, Bewerbungen, Scans, Voicemails sind typische Köder. Wenn der Anhang unerwartet kommt oder die Mail seltsam wirkt, erst rückversichern.
6. „Inhalt aktivieren“ / „Bearbeitung aktivieren“ bei Office-Dateien nie blind anklicken
Wenn ein Word/Excel nach dem Öffnen dazu auffordert, etwas zu aktivieren, ist das ein Warnsignal. Im Zweifel schließen und melden.
7. Zahlungsänderungen immer doppelt prüfen (Vier-Augen-Prinzip + Rückruf)
Geänderten Bankverbindungen, neue IBANs, „Eilt“-Überweisungen sollten immer über einen zweiten Kanal geprüft werden, z.B. Rückruf über eine bekannte Nummer aus dem System, nicht aus der Mail.
8. Telefon-Phishing: Keine Daten herausgeben – zurückrufen
Machen Sie keine Angaben, wenn angeblich Bank, IT-Support oder Dienstleister anrufen und Zugangsdaten bzw. Codes wollen. Legen Sie auf und rufen über die offiziell bekannte Nummer zurück.
9. Mehrfaktor-Anmeldung nutzen
Wird Ihnen ein Code bzw. Bestätigungs-Popup angezeigt, obwohl Sie gar nicht eingeloggt sind, lehnen sie diese ab und melden den Vorfall sofort. Geben Sie Codes niemals am Telefon oder per Mail weiter.
10. Verdächtiges sofort melden – lieber einmal zu viel
Im Unternehmen zählt Tempo. Wenn versehentlich ein Link geklickt oder Daten eingegeben wurden, ist dies sofort zu melden.
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat weitere nützliche Hilfen in seiner Information Erkennen von Phishing E-Mails und Webseiten zusammengestellt.
Juristische Vorgehensweise
Sind Sie Opfer eines erfolgreichen Phishing-Angriffs geworden, gilt es schnell zu handeln.
- Checkliste für den Ernstfall – vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik
- Zentrale Ansprechstelle Cybercrime für Unternehmen – ZAC Thüringen
Weitere Hinweise und Unterstützung: Weitere Informationen
Stand: 6. Januar 2026