Roboter in einer Autofabrik
Nr. 7102304
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Roboter in einer Autofabrik
NEUE STUDIE

Warum Industriejobs in Ostthüringen schwinden

Die deutsche Industrie stellt so wenig ein wie lange nicht. Der alte Industriearbeitsplatz mit guter Bezahlung und langer Perspektive gerät unter Druck. In Ostthüringen trifft der Rückgang mehrere Kreise hart – nur Jena wächst gegen den Trend.
Jobs in der Industrie galten lange Zeit als sichere Bank: gut bezahlt, planbar und oft mit der Aussicht auf ein ganzes Erwerbsleben im selben Betrieb. Doch dieses Versprechen wird für immer weniger Menschen Realität. Zuletzt schrieb die deutsche Industrie so wenige Stellen aus wie seit der Jahrtausendwende nicht mehr. Das ergab eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Massenentlassungen bleiben zwar aus – sind sogar historisch niedrig – dennoch fielen zwischen 2019 und 2025 rund 420.000 Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe weg, so die Experten des IW. Die Unternehmen können kaum noch Menschen einstellen.

Ostthüringen: Die Krise ist spürbar

In Deutschland gibt es mittlerweile so wenig Industriearbeitsplätze wie zuletzt vor zehn Jahren. Nur noch 6,6 Millionen Beschäftigte zählte das verarbeitende Gewerbe im Jahr 2025, so die Bertelsmann Stiftung. Vor allem die Krisenjahre seit 2019 hätten zu starken Arbeitsplatzverlusten geführt, so die Studie. Auch in Ostthüringen ist das spürbar. Drei der sieben Landkreise verzeichnen einen großen Stellenabbau. Das Altenburger Land verlor im Zeitraum von 2019 bis 2024 über fünf Prozent der Industriejobs, Saalfeld-Rudolstadt mehr als acht Prozent und der Saale-Orla-Kreis sogar fast dreizehn Prozent. In Gera, dem Landkreis Greiz und im Saale-Holzland blieben die Beschäftigungszahlen auf einem konstanten Niveau. „Die Daten sprechen eine eindeutige Sprache. Bei den Industriebetrieben geht es an die Substanz. Und wo es Unternehmen schlecht geht, werden auch Arbeitsplätze in Mitleidenschaft gezogen“, sagt Almut Weinert, Geschäftsbereichsleiterin Wirtschaft und Technologie bei der IHK Ostthüringen.

Eine Trendwende ist nicht abzusehen. Laut der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage wollen nur sieben Prozent der Ostthüringer Unternehmen neue Stellen schaffen. Fast drei Viertel der Firmen sind momentan eher damit beschäftigt, Arbeitsplätze zu erhalten.
Almut Weinert sieht dringenden Handlungsbedarf, damit Unternehmen nicht noch weiter Vertrauen in den Standort verlieren. „Wir als IHK warnen seit Jahren vor dieser Entwicklung. Es wird Zeit, dass endlich Bürokratielasten, Energiepreise und Lohnnebenkosten gesenkt werden.“ Deutschland müsse als Industriestandort wieder attraktiver werden, damit Unternehmen investieren und die Arbeitsnachfrage wieder anzieht.
Fast alle Experten sind sich einig, was passieren muss. Allein die Politik wartet mit den notwendigen Strukturreformen.

Lichtblick: Jena

Entgegen dem allgemeinen Trend entwickelten sich die Jobzahlen in der Jenaer Industrie um satte 20 Prozent nach oben. Ein regionaler Sondereffekt, der vor allem durch den Universitätsstandort, eine lebendige Startup-Szene und Hochtechnologieunternehmen möglich wurde. „In Jena ist eine Art Clustereffekt zu beobachten. Hier gibt es viele Unternehmen in Optik und Photonik – Zukunftstechnologien, die weltweit gefragt sind“, erklärt IHK-Standortexperte Christoph Adler. Solche Cluster ließen sich jedoch nicht einfach auf andere Regionen übertragen: „Es braucht eine gewachsene industrielle Basis für die jeweilige Branche: Unternehmen, Fachkräfte, Zulieferketten, Forschungspartner, Flächen, Infrastruktur, Kundenbeziehungen und Vertrauen zwischen den Akteuren. Das muss erstmal über Jahrzehnte entstehen“, so Adler weiter. Ein Cluster, wie das in Jena, sei darüber hinaus kein ewiges Allheilmittel. Auch hier würden gesamtwirtschaftliche Entwicklungen früher oder später spürbare Auswirkungen auf die Beschäftigung haben, erklärt der IHK-Fachmann.
Eine Copy-Paste-Lösung für den Erfolg der deutschen Industrie gibt es also nicht. Breite Strukturreformen sind notwendig, auch damit Beschäftigte weiter in den Unternehmen arbeiten wollen. Der traditionelle Lohnvorsprung der Industrie gegenüber anderen Branchen hat sich nämlich in den vergangenen zehn Jahren nahezu halbiert. „Die Unternehmer wollen ihren Angestellten gute Löhne zahlen. Wenn der Staat allerdings übermäßig die Hände aufhält, dann sehen sich die Firmenchefs gezwungen, an anderer Stelle zu kürzen“, erklärt Almut Weinert. Ohne spürbare Entlastungen und verlässliche Rahmenbedingungen dürfte es für viele Industriebetriebe also schwer werden, ihren Beschäftigten dauerhaft attraktive Löhne und sichere Perspektiven zu bieten.
IHK-Konjunkturumfrage Frühjahr 2026

Die Folgen des seit Februar andauernden Iran-Krieges haben der Ostthüringer Konjunktur einen Rückschlag versetzt. Lieferkettenstörungen und erhebliche Preisanstiege bei Energie und anderen Rohstoffen sorgen für eine erneute Stimmungseintrübung bei den Unternehmen. Die Aussicht auf eine konjunkturelle Erholung rückt damit erneut in weite Ferne. Die gesamte Analyse finden Sie hier:

ihk.de/gera/wirtschaftsraum-ostthueringen
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