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„Pauschale Bürokratie nach dem Gießkannenprinzip“
Seit dem 12. August 2026 gelten die neuen EU-Verpackungsregeln. Beim Familienbetrieb Holz Neudeck in Zeulenroda wächst damit der Dokumentationsaufwand – und der Frust über Bürokratie. Was die Verordnung für den Familienbetrieb bedeutet.
Holz ist ihr Metier – in den Produktionshallen der Holz Neudeck GmbH wird gesägt, geschnitten und geschraubt. Alles, um die perfekte Holzverpackung optimiert nach den Wünschen der Kunden herzustellen. „Bei uns ist Handarbeit gefragt“, sagt der Geschäftsführer der Firma, Jörg Neudeck. Seit 120 Jahren besteht das Familienunternehmen. Gestartet als Säge- und Hobelwerk stellen die Zeulenrodaer heute Paletten, Kisten und Holzverpackungen für Industriekunden her. Know-how, das mittlerweile in fünfter Generation gelebt wird. „Holzverpackungen sind unser Tagesgeschäft. Darauf wollen wir uns voll und ganz konzentrieren“, erklärt die Tochter des Geschäftsführers, Anna-Karina Baumeister-Neudeck. Sie ist 2012 als kaufmännische Assistentin in den Betrieb eingestiegen. Doch der Fokus auf den Geschäftsalltag falle immer schwerer, berichtet sie. Der Grund seien etliche bürokratische Vorgaben aus den Amtsstuben von Politik und Verwaltung. Für Baumeister-Neudeck heißt es immer öfter Papierkram statt Holzverpackung. Die neueste Sorge ist die europäische Verpackungsverordnung, kurz PPWR.
Geschäftsführer Jörg Neudeck und seine Tochter Anna-Karina Baumeister-Neudeck führen den Familienbetrieb.
Brüsseler Bürokratiemonster
Verpackungen wiederverwenden, statt wegschmeißen – das ist das Ziel der Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) der Europäischen Union. Seit dem 12. August 2026 müssen Unternehmen die neuen Regeln umsetzen. Mehr Kreislaufwirtschaft – eigentlich ein hehres Ziel, doch die Umsetzung der PPWR stellt speziell kleine und mittlere Firmen vor große Herausforderungen. Aus der Verpackung wird zukünftig eine Akte: sechs Dokumentationsbereiche, eine Konformitätserklärung und bis zu zehn Jahre Aufbewahrung. „Wir haben 20 Mitarbeiter, sind ein kleiner Familienbetrieb, ohne Compliance-Abteilung. Neben unserem Tagesgeschäft müssen wir uns in jede neue Regelung einarbeiten. Genauso ist das bei der sehr umfangreichen Verpackungsverordnung“, sagt Anna-Karina Baumeister-Neudeck.
Die Holz-Spezialisten haben so bereits vor fünf Jahren angefangen, sich mit den komplizierten Verpackungsvorgaben auseinanderzusetzen. Ein enormer zeitlicher Aufwand. „Gerade in diesem Jahr habe ich mich eigentlich nur noch mit der PPWR beschäftigt. Kundenbesuche habe ich deshalb kaum geschafft“, beklagt die kaufmännische Assistentin.
Juristisches Glatteis?
60 Beratungen mit Ostthüringer Unternehmen hat Jörg Schulze als Umweltreferent der IHK allein im Juli und August zum PPWR durchgeführt.
Besonders heikel ist die Frage, welches Unternehmen künftig rechtlich welche Rolle für welche Verpackung einnimmt. Ist ein Betrieb im Einzelfall Erzeuger, Hersteller, Lieferant, Importeur oder Vertreiber? Welche Pflichten entstehen, wenn verpackte Waren weiterverkauft werden, und was gilt, wenn zusätzlich etwa Luftpolsterfolie in den Karton gelegt wird? „Es ist fast unmöglich, diese Fragen allgemeingültig zu beantworten“, sagt IHK-Umweltreferent Jörg Schulze. „Es kommt auf den Einzelfall an, deshalb ist es auch so kompliziert“, so der Experte weiter. Vor allem, weil nahezu alle Unternehmen von den neuen Verpackungsregeln betroffen sind.
Karton, Luftpolsterfolie, Palette, Big Packs, Papierbeutel, Getränkeflaschen, Joghurtbecher und so weiter. Egal, mit welcher Verpackung Unternehmen zu tun haben, es ist für die PPWR relevant.Jörg Schulze, Umweltreferent der IHK Ostthüringen
Holz Neudeck ist laut den Vorgaben der Verpackungsverordnung für einen Großteil der Geschäftsaktivitäten als Lieferant eingestuft. „Unsere Kunden bestimmen als ‚Erzeuger‘ das Design und die technischen Parameter der Verpackung und wir ‚liefern‘ es dann zu“, erklärt Baumeister-Neudeck. Die Zeulenrodaer Holzfirma muss dafür vor allem Informationen an die Erzeuger überstellen. „Stark vereinfacht gesagt müssen wir nachweisen, dass das Material der Verpackungen den PPWR-Standards entspricht und ob es wiederverwendet werden kann“, so die kaufmännische Assistentin weiter. Diese Materialinformationen muss Holz Neudeck einholen, dokumentieren, aufbereiten und den Erzeugern zur Verfügung stellen.
Recycling als Opfer?
Holz Neudeck ist vorbereitet auf die neuen Regelungen. Es war ein langer, schwieriger und teurer Prozess. „Die ganze Arbeitszeit, die Kontakte mit Lieferanten und Kunden, das bindet sehr viel Finanzkraft“, sagt Jörg Neudeck. Geld, das eigentlich in neue Maschinen, Hallen oder die Weiterentwicklung des Unternehmens fließen sollte, so der Geschäftsführer. Er befürchtet, dass durch die PPWR die Wettbewerbsfähigkeit Europas weiter abnimmt.
Die PPWR verfolgt sinnvolle Ziele, sorgt jedoch für pauschale Bürokratie nach dem Gießkannenprinzip.Jörg Neudeck, Geschäftsführer Holz Neudeck GmbH
Paletten von Holz Neudeck: Zertifiziert für den Versand in die ganze Welt.
Dabei sei der sparsame Umgang mit Ressourcen auch für die Holzexperten aus Zeulenroda ein wichtiges Anliegen. Dafür brauche es jedoch keine neue Regulierung, so der Chef von Holz Neudeck. „Wir fertigen unsere Verpackungen aus wirtschaftlichen Gründen ohnehin mit maximaler Materialeffizienz. Die Fracht unserer Kunden soll optimal geschützt werden, aber wir achten natürlich darauf, dass kein Holz verschwendet wird.“ Das Ganze sei gelebte Praxis, seit Jahren erfolgreich. Jetzt kommt die Politik, reguliert in Prozesse hinein und erreicht im Worst Case das Gegenteil: weniger Wiederverwendung. „Es ist nicht unrealistisch, dass einige Betriebe aufgrund der komplizierten Bürokratie die Wiederverwendung stark zurückfahren und Verpackungen lieber entsorgen“, warnt IHK-Experte Jörg Schulze.
Hausaufgaben für die Politik
Die IHK fordert deshalb, die EU-Verpackungsverordnung so schnell wie möglich auszusetzen, grundlegend zu überarbeiten und Bußgelder bei Verstößen nicht zu verhängen. Schon jetzt würden sich die negativen Auswirkungen für die Wirtschaft zeigen, berichtet Schulze. Viele Firmen seien gar nicht in der Lage, die Vorgaben umzusetzen. Andere würden sogar darüber nachdenken, Exporte ins EU-Ausland einzustellen. Die EU-Kommission hat reagiert, arbeitet im Moment an der Vereinfachung der Verordnung. Auf die konkrete Umsetzung warten die Unternehmen jedoch noch.
Holzverpackungen für Maschinen, wie zum Beispiel Schaltschränke.
Zurück in der Produktionshalle von Holz Neudeck. Hier wird gerade eine große Holztransportbox für einen Schaltschrank zusammengebaut. „Die Kiste muss exakt passen, um die Kippmomente beim Transport abzufangen“, erklärt Jörg Neudeck. Im Betrieb, so der Geschäftsführer, wüssten sie genau, woher das Holz stammt und wohin die Verpackung geht. Sorgfältig werde dies nach allen gültigen Standards geprüft. Viel Bürokratie gibt es also schon jetzt. Vom angekündigten Abbau der Berichtspflichten spüren sie bei Holz Neudeck nichts, ganz im Gegenteil. „Die nächsten Dokumentationsmonster, wie die Entwaldungsverordnung, stehen schon vor unserer Firmentür. Für unseren kleinen Betrieb ist das administrativ irgendwann nicht mehr zu leisten“, sagt Anna-Karina Baumeister-Neudeck. Sie fordert einen KMU-Praxischeck: Regelungen müssten auch für Betriebe mit unter 20 Mitarbeitern ohne Anwaltskanzlei umsetzbar sein. Daran sollte sich die Gesetzgebung orientieren, damit der Mittelstand nicht unter der Bürokratielast zusammenbricht.
Holz Neudeck GmbH
Alles aus Holz! Egal, ob Maschinen- und Industrieverpackungen, Kisten, Gestelle oder Paletten – die Holz Neudeck GmbH aus Zeulenroda-Triebes entwickelt Verpackungen aus Holz, ganz nach den Wünschen ihrer Kunden.
Weitere Infos finden Sie hier:
neudeck-holzverpackungen.de
IHK-Fokusthema: Verpackungsrecht
Die PPWR stellt Unternehmen vor neue Herausforderungen: Neue Registrierungs-, Nachweis- und Meldepflichten betreffen zahlreiche Marktakteure. Die IHK Ostthüringen berät Unternehmen umfassend zur neuen PPWR-Verordnung.
Alle Infos dazu finden Sie hier:
ihk.de/gera/fokus-verpackungsrecht
Alles aus Holz! Egal, ob Maschinen- und Industrieverpackungen, Kisten, Gestelle oder Paletten – die Holz Neudeck GmbH aus Zeulenroda-Triebes entwickelt Verpackungen aus Holz, ganz nach den Wünschen ihrer Kunden.
Weitere Infos finden Sie hier:
neudeck-holzverpackungen.de
IHK-Fokusthema: Verpackungsrecht
Die PPWR stellt Unternehmen vor neue Herausforderungen: Neue Registrierungs-, Nachweis- und Meldepflichten betreffen zahlreiche Marktakteure. Die IHK Ostthüringen berät Unternehmen umfassend zur neuen PPWR-Verordnung.
Alle Infos dazu finden Sie hier:
ihk.de/gera/fokus-verpackungsrecht
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