Umfrageergebnisse zum Energiewendebarometer 2026

Beim Energiewendebarometer folgen die Thüringer Unternehmen an vielen Stellen dem Bundestrend. So bewerten zwei Drittel der befragten Thüringer Unternehmen die Umsetzbarkeit von unternehmerischen Klimaschutzzielen als unrealistisch, während es bundesweit knapp die Hälfte ist. Trotz der durch den Irankrieg kurzfristig zusätzlich erhöhten Energiepreise bleiben übermäßige Bürokratie und das schwindende Vertrauen in die Energiepolitik die Hemmnisse für die Transformation zu einer klimaneutralen Wirtschaft. Das Energiewendebarometer zeichnet seit dem Jahr 2022 ein konstantes Bild und weist auf ein strukturelles Problem der Energiewende in Deutschland hin: Bürokratie und kurzfristige Energiepolitik konterkarieren die Ziele einer klimaneutralen und zugleich wettbewerbsfähigen Wirtschaft.

Bundesweite Einordnung

Mit Blick auf das Barometer dient eine Skala von minus 100 (sehr negativ) bis plus 100 (sehr positiv) als Indikator für die Bewertung der Auswirkungen der Energiewende auf die eigene Wettbewerbsfähigkeit. In Ost-, Süd- und Westdeutschland fällt der Barometerwert negativ aus. Lediglich in Norddeutschland schlägt der Barometerwert mit 3 positiv aus. Das bundesweite Ergebnis der Einschätzungen lag bei minus 11,5, unter den Thüringer Unternehmen fiel das Ergebnis mit minus 15,3 noch skeptischer aus. Die Sorgen der Thüringer Unternehmen waren deutlich stärker ausgeprägt als im Bundesvergleich. So bewerteten in Thüringen nahezu die Hälfte aller Befragten (41 Prozent im Vergleich zu 39 Prozent bundesweit) die Auswirkungen negativ bis sehr negativ, während nur etwa jeder sechste Befragte (16 Prozent im Vergleich zu 23 Prozent bundesweit) sie positiv bis sehr positiv bewertete.
Erklärung: Die Grafik weichen leicht von den Werten im Absatz ab, weil die Kategorie “keine Antwort” grafisch nicht dargestellt wird.

Mehrzahl der Unternehmen ohne Klimaziel

Eine große Mehrheit der befragten Thüringer Unternehmen sieht das Ziel der eigenen Klimaneutralität bis 2050 als nicht mehr erreichbar an. In der aktuellen Befragung teilen 62 Prozent das Ziel nicht mehr, deutschlandweit sind es 49 Prozent. Damit zeichnet sich gegenüber der Vorjahresbefragung eine deutliche Trendwende ab. Im Energiewendebarometer 2025 hatten noch 87 Prozent der befragten Thüringer Unternehmen das Ziel unterstützt, ihren Betrieb bis zum Jahr 2045 klimaneutral aufzustellen.

Energiepreise

Die hohen Energiepreise belasten die Betriebe erheblich. Mit 92 Prozent war die überwältigende Mehrheit der Unternehmen vor allem vom Preisanstieg fossiler Kraftstoffe wie Benzin und Diesel betroffen. 61 Prozent der Thüringer Betriebe berichten von gestiegenen Wärmepreisen und 36 Prozent von gestiegenen Strompreisen in den vergangenen zwölf Monaten. Schwankende Energiepreise hatten in den letzten zwölf Monaten einen zunehmend größeren Einfluss auf das Geschäft der befragten Unternehmen.
Die ohnehin schon hohen Energiepreise sind infolge des Kriegs im Nahen Osten deutlich gestiegen. 60 Prozent der Thüringer Unternehmen und 50 Prozent der Unternehmen in Deutschland erhoffen sich von einer politischen Intervention eine spürbare Entlastung bei den Preisen.
Hohe Energiepreise bremsen Investitionen und senken die Wettbewerbsfähigkeit: 45 Prozent der befragten Thüringer Unternehmen (bundesweit 43 Prozent) geben an, dass die hohen Energiepreise zu einem Verlust der Wettbewerbsfähigkeit führen. Besonders kritisch ist, dass auch Investitionen in Kernprozesse (36 Prozent), in Klimaschutzmaßnahmen (31 Prozent) sowie in Forschung und Innovationen (14 Prozent) zurückgestellt werden.
Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Konjunkturumfrage 2026 der IHK Erfurt wider: Innerhalb kurzer Zeit sind die Energie- und Rohstoffpreise zum größten Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung geworden.

Hindernisse der Transformation

Die größten Hindernisse bei den Transformationsbemühungen für mehr Klimaschutz sind laut dem Energiewendebarometer seit 2023 konstante Größen: überbordende Bürokratie (55 Prozent in Thüringen und 63 Prozent deutschlandweit) und fehlende Informationen sowie mangelnde Planbarkeit und Verlässlichkeit der Energiepolitik (63 Prozent in Thüringen und 61 Prozent bundesweit) für das Jahr 2026. Diese Hürden werden seither von über der Hälfte der befragten deutschen Unternehmen genannt. Rund ein Drittel der Thüringer Unternehmen nennt langsame Planungs- und Genehmigungsverfahren (bundesweit 47 Prozent) sowie hohe Energiepreise als Transformationshemmnisse.

Forderungen an die Politik

Eine Ausweitung des nationalen und europäischen Emissionshandels wird von über der Hälfte der Thüringer und von knapp der Hälfte der bundesweit befragten Unternehmen abgelehnt.
Die überwiegende Mehrheit von rund 80 Prozent der Unternehmen in Thüringen und Deutschland fordert eine Senkung der Steuern und Abgaben auf den Strompreis sowie Wirtschaftlichkeit, Freiwilligkeit und Technologieoffenheit als Leitprinzipien für Energieeffizienzmaßnahmen.
Für die Wettbewerbsfähigkeit und Dekarbonisierung spielt die Infrastruktur für rund 80 Prozent der Unternehmen eine zentrale Rolle. Einerseits muss der Ausbau der Energieinfrastruktur höher priorisiert und verlässlicher gestaltet werden, andererseits soll sich der Staat stärker am Aufbau zukunftsorientierter Infrastruktur finanziell beteiligen.
Rund 40 Prozent der Unternehmen in Thüringen und Deutschland befürworten einen flächendeckenden und branchenübergreifenden Zugang zu den Energieträgern Wasserstoff und Carbon Capture, Utilization and Storage (CCUS).

Hintergrundinfos Energiewendebarometer

Das IHK-Energiewende-Barometer basiert auf einer jährlichen Online-Unternehmensbefragung, die von der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) in Zusammenarbeit mit den 79 regionalen Industrie- und Handelskammern (IHKs) durchgeführt wird. In diesem Jahr haben sich bundesweit rund 3.800 Unternehmen aus allen Branchen und Regionen beteiligt. Auch 130 Unternehmen aus Thüringen haben sich daran beteiligt. Darunter Unternehmen aus den Branchen Dienstleistungen (46 Prozent), Industrie (28 Prozent), Handel (23 Prozent) und Bau (4 Prozent). Mit Blick auf die Betriebsgröße beteiligten sich Unternehmen mit 0-19 Mitarbeitern (38 Prozent), 20-249 Mitarbeitern (48 Prozent) und mit 250 und mehr Mitarbeitern (13 Prozent).
Die vollständigen Auswertungen des Energiewende-Barometers 2026 finden Sie auf der Website der DIHK.