14. IHK-Forum Personalentwicklung

14. IHK-Forum Personalentwicklung

Unternehmen sollten die Motivation und Energie von Quereinsteigern nicht unterschätzen, sondern gezielt einsetzen: Das ist eine der Kernbotschaften des diesjährigen Forums Personalentwicklung der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Dortmund am 6. März.
Schon allein der Titel des mittlerweile 14. Forums Personalentwicklung machte deutlich, dass Unternehmen in Zeiten des Fachkräftemangels nicht ohnmächtig sind, sondern gute Optionen haben, hier entgegenzuwirken: „Viele Wege führen zu Fachkräften – Anerkennung von Kompetenzen als Beitrag zur Gewinnung und Bindung von Fachkräften“. Im Fokus der Veranstaltung standen diesmal vor allem ungelernte Arbeitskräfte und Quereinsteiger.
Denn „noch immer haben wir ein Passungsproblem“, hob Maike Fritzsching eingangs hervor, bei der IHK zu Dortmund Geschäftsführerin für den Bereich Berufliche Bildung und Fachkräftesicherung: Unternehmen können Arbeitsplätze nicht besetzen, gleichzeitig finden junge Leute keinen für sie passenden Ausbildungsplatz. „Zwar hat unser Kammerbezirk das Vorjahresniveau gehalten. Aber seit der Pandemie werden im Bezirk jährlich etwa 1.000 Ausbildungsverträge weniger abgeschlossen als noch vorher.“ Im selben Atemzug unterstrich Fritzsching die breit aufgestellte Unterstützung durch die IHK: „Wenn Sie noch freie Ausbildungsplätze haben – wir haben die jungen Leute, die noch einen Platz suchen und vermitteln hier gerne.“
Rund 70 Führungskräfte, Personalleiterinnen und -leiter sowie Beschäftigte aus Unternehmen der Region verfolgten die von IHK-Referatsleiterin Sandra Schröder moderierten Diskussionsrunden und Vorträge im Großen Saal der IHK zu Dortmund. Beiträge, die aufzeigten, was Unternehmen konkret tun können, um solche Arbeitskräfte zu gewinnen und auch gezielt zu fördern.
Individuelle Gründe für Quereinstieg
In ihrem Impuls „Fachkräftesicherung durch Quereinstiege, Berufswechsel und Co: Umweg oder Erfolgsspur? Warum sich der Weg für KMU lohnt“ machte Dr. Regina Flake vom Institut der Deutschen Wirtschaft den Bedarf noch einmal deutlich. „Für 27 Prozent der offenen Stellen in unserer Region gibt es keine passende Fachkraft – mehr als jede vierte offene Stelle also!“ Ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer stärker anzusprechen, ebenso mehr Frauen sowie auch Arbeitskräfte aus dem Ausland, das sei bislang die Formel, um entgegenzuwirken. „Das sind auch alles gute Wege“, so Dr. Flake, „aber Unternehmen sollten auch das Potenzial von Quereinsteigern nutzen.“
Wichtig sei es, sich klarzumachen, dass es „den“ Quereinsteiger nicht gibt.
„Bei manchen ist eine abgebrochene Ausbildung oder ein Ausbildungswechsel der Grund, es gibt Langzeitarbeitslose, und andere wiederum kommen aus Branchen, die von der aktuell schwierigen wirtschaftlichen Lage im Land besonders betroffen sind und kurzfristig etwas Neues suchen.“
Natürlich müssten Unternehmen diese Arbeitskräfte gut einarbeiten, doch ihrer Erfahrung nach ziehen die meisten Betriebe ein positives Fazit, so Dr. Flake, denn „diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind sehr loyal.“ Ihr Rat: „Sprechen Sie Quereinsteiger direkt an! Überlegen Sie vorab, welche Kompetenzen oder Voraussetzungen zwingend vorhanden sein müssen, und was sich gegebenenfalls durch gezielte Fortbildungsmaßnahmen nachträglich gut aufbauen lässt. Kommunizieren Sie beides klar – auch in Stellenausschreibungen.“
Praxisbeispiel: Welser Profile Deutschland GmbH
Einen praxisnahen Einblick, wie das funktionieren kann und welchen Mehrwert vor allem auch gezielte Fortbildungsmaßnahmen mit sich bringen, gaben Henrike Klose und Carolin Pätsch von der Welser Profile Deutschland GmbH in Bönen. Das Unternehmen bietet seinen Beschäftigten beispielsweise auf freiwilliger Basis Persönlichkeitstrainings an. „Denn uns geht nicht nur um fachliche, sondern auch um persönliche Kompetenzen“, so Klose. Dazu gehöre, stets genau hinzuhören, was einzelne Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter benötigen. „Wir haben eigene Programme aufgebaut, um Quereinsteigern schnell Grundlagen zu vermitteln. Das stärkt auch Motivation und Bindung ans Unternehmen.“
Pätsch unterstrich den Nutzen von Validierungsverfahren, mit denen man auch bei Welser Profile gute Erfahrungen gemacht habe. Dabei geht es darum, die Berufserfahrung und das Können von Menschen anzuerkennen, die über keine abgeschlossene Ausbildung in ihrem Beruf verfügen. „Bei uns wurden so Fachlageristen erfolgreich validiert, die damit nun die Möglichkeit haben, sich entsprechend weiterzubilden.“
In Zeiten des Fachkräftemangels habe es bei Welser Profile Anfangs Bedenken gegeben, dass validierte Arbeitskräfte das Unternehmen womöglich verlassen. Pätsch: „Diese Ängste durften für uns aber nicht im Vordergrund stehen. Und im Gegenteil: Diese Mitarbeiter waren sehr begeistert, als sie es geschafft hatten! Dass wir es ihnen ermöglicht und sie dabei begleitet haben, bringt auch klar die Wertschätzung des Unternehmens zu Ausdruck. Und diese Wertschätzung wird gesehen.“
Berufserfahrung anerkennen und sichtbar machen
Wie vielfältig die Möglichkeiten sind, Berufserfahrung sichtbar zu machen und anzuerkennen, um so gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen, und wie auch die IHK Unternehmen dabei unterstützen kann, zeigte abschließend IHK-Fachberaterin Inga Gerschon.
Ob Validierungsverfahren für erfahrene Kräfte ohne entsprechenden Berufsabschluss oder nachträglich durchgeführte sogenannte Externenprüfungen, ob Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse oder auch Möglichkeiten zur Teilqualifikation, um schrittweise eine volle Qualifikation zu erlangen: „Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten“, sagte Gerschon. „Und wir als IHK stehen Ihnen dabei gern zur Seite und laden Sie ein, auf uns zuzukommen.“
10. März 2026