„Darmstadt muss der Anker für Deep Tech werden“
Robert Lippmann, Hauptgeschäftsführer der IHK Darmstadt, zu den Auswirkungen und Chancen der Start-up-Strategie 2030 des Landes.
IHK: In Hessen gibt es bereits viele Bausteine für ein starkes Gründungs-Ökosystem. Wozu braucht es jetzt noch die Start-up-Strategie des Landes?
Robert Lippmann: Es stimmt, die Voraussetzungen für Gründung und Innovation sind grundsätzlich gut in Hessen. Ich denke da an die exzellente Hochschullandschaft, an Frankfurt als international bedeutenden Finanzplatz, an die Hubs und Gründerzentren und an breite industrielle Kompetenz. Aber aus vielen guten Bausteinen entsteht nicht von allein ein international sichtbares Start-up-Ökosystem. Was wir noch mehr als bislang brauchen, ist ein Zusammenspiel der Faktoren. Aus den vielfältigen Aktivitäten müssen klare Pfade werden. Aus regionalen Stärken regionale Profile. Und aus diesen Profilen Orte, an denen Forschung, Gründung, Kapital und industrielle Anwendung tatsächlich zusammenkommen. Die neue Start-up-Strategie des Landes beschreibt diesen Weg schlüssig. Jetzt kommt es auf die Umsetzung an.
IHK: Frankfurt steht für Kapital und internationale Zugänge. Mittel- und Nordhessen bringen industrielle, anwendungsnahe Stärken ein. Welche Rolle sollte Darmstadt einnehmen?
Robert Lippmann: Darmstadt steht für technologische Tiefe. Die TU Darmstadt ist die einzige Technische Universität des Landes; die Dichte an wissenschaftlichen Instituten, an Technologie- und Gründungszentren ist hoch. Hinzu kommen Schwerpunkte in Raumfahrt, Robotik, Energie und Cybersicherheit. Ideale Voraussetzungen, um das Deep-Tech-Cluster in Darmstadt voranzutreiben. Dazu muss sich die Landesregierung trauen, diese regionale Stärke weiter zu stärken und ein Profil mit internationaler Sichtbarkeit aufzubauen. Kurz und knapp: Darmstadt muss der Anker für Deep Tech sein. Davon würde die Region, aber auch ganz Hessen im globalen Wettbewerb um Talente, Technologien und Kapital profitieren.
IHK: Welche Vorteile würden sich in Südhessen für Start-ups und Unternehmen ergeben?
Robert Lippmann: Gründungen im Bereich Deep Tech brauchen mehr Zeit, Infrastruktur und regulatorisches Wissen als Gründungen in anderen Bereichen. Häufig beginnt die kritische Phase nach dem Forschungsergebnis. Dann geht es um Prototyping, Testumgebungen, Pilotkunden, Kapitalzugang, IP-Fragen und industrielle Erprobung. Genau an diesem Punkt entscheidet sich, ob aus wissenschaftlicher Exzellenz wirtschaftliche Wertschöpfung wird. Ein Deep-Tech-Cluster Darmstadt würde Forschung, Prototyping, Pilotierung und Skalierung systematischer verbinden. Es würde Start-ups schneller in reale Anwendungskontexte bringen. Und es würde etablierten Unternehmen Zugang zu neuen Technologien, Talenten und Kooperationsmöglichkeiten eröffnen.
Weiterführende Infos
Mehr Infos und das Strategiepapier zum Download finden Sie auf der Website des hessischen Wirtschaftsministeriums.
Lesen Sie auch die gemeinsame Pressemeldung der IHK Darmstadt und der TU Darmstadt/HIGHEST vom 18. Juni 2026.
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Dieser Artikel ist erstmals erschienen im IHK-Magazin “Wirtschaftsdialoge”, Ausgabe 4/2026. Sie möchten das gesamte Heft lesen?
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