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Nr. 7200264
Porträt

„Wir haben einen Traktor geschrumpft“

Die beiden Bruder Sven und Nils Arnold aus Wald-Michelbach haben mit ihrem Unternehmen ODW Robotics einen autonomen Geräteträger entwickelt, der kehren, Schnee räumen und sogar Stalle ausmisten kann. Vor allem der Einsatz in Pferdestallen entpuppt sich als verheißungsvolles Geschäftsfeld. Sogar die Pferde zeigen neugieriges Interesse an dem fahrbaren Roboter.
Die Geschichte von ODW Robotics begann mit Schnee. Die Bruder Sven und Nils Arnold zogen als junge Unternehmer 2020 in ein ehemaliges Bankgebäude in Wald-Michelbach. Weil sie sich dort auch um die Winterraumpflicht kümmern mussten und ein Dienstleister Geld kostet, entwickelte Sven Arnold einfach selbst einen Schneeschieber, der autonom fährt.
„Als Hobby baue ich schon lange Roboter“, sagt er. „Außerdem wollte ich mir auf diesem Weg das Schweißen beibringen.“ Maschinenaffin sei er ohnehin schon immer gewesen. An der TU Darmstadt studierte er zunächst Informatik, sein Bruder Nils Medienmanagement und Kommunikation an der DHBW Mannheim. Bereits während des Studiums machten sich beide mit unterschiedlichen Projekten selbstständig. So entstand auch die Idee für eine Datenbrille zum Einsatz bei Wartung und Support von Maschinen, die sie über ihr Unternehmen Adtance vertreiben.
Für den Schneeschieber taten sich schnell neue Einsatzgebiete auf. Nils Arnold ist Reiter und kam mit einem Stallbesitzer ins Gespräch, der meinte: „Wenn du damit Schnee schieben kannst, können die doch auch den Mist bei uns schieben“, erinnert er sich. Der Versuch funktionierte. Ende 2024 beschlossen die Brüder, ihre Entwicklung auf der Reitmesse Equitana vorzustellen. „Das wurde sehr gut angenommen, und von da aus ging es dann stetig weiter“, sagt Nils Arnold.

Autonom und emissionsfrei

Heute steht hinter ODW Robotics ein autonomer elektrischer Geräteträger, der mit unterschiedlichen Anbaugeräten ausgestattet werden kann, beispielsweise auch zum Kehren oder zur Reitplatzpflege. „Zugespitzt gesagt: Wir haben einen Traktor geschrumpft“, sagt Nils Arnold. Der Vorteil: Niemand muss mehr Traktor fahren. Wenn der Roboter eingerichtet ist, erledigt er die Arbeit allein. Ein weiterer Vorteil: Während klassische Landmaschinen mit Diesel angetrieben werden, arbeitet er emissionsfrei. Und weil viele landwirtschaftliche Betriebe ohnehin über große Flächen für Photovoltaik verfügen, besteht hier ein großes Einsparpotenzial für die Anwender.
Das Grundgerät kostet netto knapp 29.000 Euro. Hinzu kommen etwaige Anbaugeräte. Das Bedienkonzept erinnert an einen Staubsauger- oder Mähroboter. Einmal werden die relevanten Flächen erfasst, anschließend kann der Nutzer per App oder Controller festlegen, wann und wo der Roboter arbeiten soll. GPS-, Laser- und Kameradaten werden zu Karten verarbeitet.
Das ODW im Firmennamen steht für Odenwald und signalisiert die regionale Verwurzelung. Technologisch setzt man weitgehend auf Eigenentwicklung. Die Brüder bauen eigene Motoren und Getriebe, entwickeln die Software und fertigen die Platinen. Zugekauft werden nur einzelne Komponenten wie die Ketten. Ein Zulieferer in rund 70 Kilometern Entfernung übernimmt das Laserschneiden und Biegen bestimmter Teile. „Der Rest entsteht hier im Haus“, sagt Sven Arnold.
Aktuell sind große Pferdebetriebe die Hauptzielgruppe. Mit einem Zulieferer für große Rinderställe ist man ebenfalls eine Partnerschaft eingegangen. Hinzu kommen Anfragen aus dem Garten- und Landschaftsbau sowie von Unternehmen, die große Flächen reinigen müssen. Für einen Pferdebetrieb ist der Roboter insbesondere dort interessant, wo Arbeitskräfte etwa für das Entmisten fehlen. Zudem arbeiten die Gründer bereits an weiteren Anwendungen. So soll ein System künftig Pferdemist analysieren, etwa im Hinblick auf Krankheiten. Damit könnte der Roboter perspektivisch auch Aufgaben übernehmen, die bislang Fachpersonal vorbehalten sind.

Da steht ein Pferd auf dem Roboter

Die Pferde selbst kommen mit dem ungewöhnlichen Helfer gut zurecht. „Die Tiere sind in der Regel neugierig. Sie kommen näher, erschrecken kurz, wenn sich der Roboter bewegt und gewöhnen sich dann daran“, sagt Nils Arnold. In vielen Ställen seien Maschinen ohnehin alltäglich. „Wenn das Ding dann dasteht, wird es auch mal angeknabbert oder die Pferde treten dagegen, um es auszutesten. Wir hatten es auch schon, dass sich Tiere auf den Roboter gestellt haben.“ Entsprechend haben die Entwickler nachgebessert, stärkeren Stahl verwendet und Verstrebungen eingebaut. „Die Konstruktion hält jetzt auch ein Pferd aus“, sagt Sven Arnold schmunzelnd.
Nun stehen die nächsten Entwicklungsschritte an. Das ehemalige Bankgebäude wird umgebaut, damit mehr Platz für die Produktion entsteht. Die Zahl der Beschäftigten – derzeit sind es fünf und überwiegend Familienmitglieder – soll weiter steigen. Gleichzeitig suchen die Gründer nach einem Testgelände und sprechen über einen weiteren Standort mit größerer Produktionshalle.
Auch neue Märkte haben die Odenwälder im Visier. Eine große Anfrage aus Südkorea zeigt das internationale Potenzial. Allerdings konzentriert sich ODW Robotics zunächst auf Deutschland, Österreich und die Schweiz. Der Grund sei vor allem die gut geklärte Rechtslage für autonom fahrende Maschinen bei möglichen Unfällen in der DACH-Region, wie Nils Arnold sagt. Doch auch so blicken die beiden Brüder mit viel Optimismus in die Zukunft.
Mehr Informationen: www.odw-robotics.com
Dieser Artikel ist erstmals erschienen im IHK-Magazin “Wirtschaftsdialoge”, Ausgabe 5/2026. Sie möchten das gesamte Heft lesen?
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Matthias Voigt
Bereich: Kommunikation und Marketing
Themen: IHK-Magazin, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit