Transformationsaufgabe

Erwartungen der Industrie in FrankfurtRheinMain

Die Wirtschaftsinitiative PERFORM hat gemeinsam mit Industrie- und Handelskammern in der Metropolregion in einer Umfrage Industrieunternehmen zu ihren Erwartungen an die nächste Bundesregierung befragt. Die Ergebnisse lesen Sie hier.

Gemeinsame Pressemeldung der IHK Darmstadt und der IHK Frankfurt am Main vom 2. Dezember 2021

Die deutsche Industrie steht im Hinblick auf die Themen Klimaschutz, Energiewende, Digitalisierung und Demografie vor einer enorm herausfordernden Transformationsaufgabe. Die Ampel-Koalition fokussiert stärker auf die politischen Ziele als auf die zur Erreichung dieser Ziele notwendigen Maßnahmen sowie die hierfür erforderlichen Rahmenbedingungen – insbesondere im Hinblick auf die Klimapolitik. Diese Einschätzungen ergeben sich aus der Bewertung einer Umfrage der Wirtschaftsinitiative PERFORM, die über die Industrie- und Handelskammern in der Metropolregion Industrieunternehmen zu ihren Erwartungen an die nächste Bundesregierung befragt hat. An der Online-Umfrage haben sich kurz vor der Bundestagswahl über 400 Industrieunternehmen mit Sitz in FrankfurtRheinMain beteiligt.
Jürgen Vormann, Vorsitzender des Industrieausschusses der IHK Frankfurt am Main und Vorsitzender der Geschäftsführung, Infraserv GmbH & Co. Höchst KG, folgerte aus den Umfrageergebnissen: „Klimapolitik ist Wettbewerbspolitik ist Energiepolitik ist Industriepolitik ist Wirtschaftspolitik ist Gesellschaftspolitik ist Sozialpolitik! Dieser Satz gilt auch in umgekehrter Reihenfolge. Bezogen auf die im Koalitionsvertrag formulierten Ziele waren und sind Industrie und Politik weitgehend einig; was jetzt dringend erforderlich ist, ist die Ableitung und Umsetzung konkreter Maßnahmen und Rahmenbedingungen zur Erreichung dieser Ziele. Darum gilt es in den kommenden vier Jahren konstruktiv zu streiten.“
Christian Jöst, Vorsitzender des Ausschusses für Industrie, Forschung und Innovation und Geschäftsführer von Jöst abrasives, sagte bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse: „Neben aktuellen Problemen wie den Engpässen bei dringend benötigten Vorprodukten und den hohen Energiepreisen gibt es ein Thema, das die Industrie seit vielen Jahren dauerhaft und intensiv beschäftigt. Jetzt wie in Zukunft werden wir uns um das Thema Fachkräfte und Berufsorientierung kümmern müssen. Das kann nur gemeinsam mit Politik und Gesellschaft funktionieren. Es darf kein Stigma sein, seine Karriere mit der dualen Ausbildung in der Industrie auf ein solides Fundament zu stellen, zumal heutzutage die Möglichkeiten der Weiterbildung, aufbauend auf einen erlernten Beruf, einem Studium in jeglicher Hinsicht gleichzusetzen sind.“
Jöst wies weiter darauf hin, dass die Industrie in der Metropolregion beim Thema Green Deal einen erheblichen Beitrag leisten werde bzw. dies ohnehin schon tue. „Klimaschutz und Digitalisierung gehören zu den drängendsten Herausforderungen. Durch Innovation in diesen Bereichen werden wir uns selbst und damit unsere Region im nationalen und internationalen Wettbewerb behaupten. Dafür benötigen die Industriebetriebe allerdings optimale Standortbedingungen.“
Aus Sicht der teilnehmenden Industrieunternehmen werden in der kommenden Legislaturperiode folgende Maßnahmen von deutlich mehr als der Hälfte der Unternehmen als „sehr wichtig“ angesehen:
  1. Ausbau der digitalen Infrastruktur (72 Prozent „sehr wichtig“, 24 Prozent „eher wichtig)
  2. Prüfung bestehender Gesetze und Verordnungen zum Abbau bürokratischer Hemmnisse (67 Prozent „sehr wichtig“, 28 Prozent „eher wichtig“)
  3. Keine Erhöhung der Steuerbelastung (63 Prozent „sehr wichtig“, 25 Prozent „eher wichtig“)
  4. Reform des deutschen Steuersystems im Sinne von mehr Einfachheit und Transparenz (61 Prozent „sehr wichtig“, 29 Prozent „eher wichtig“)
  5. Energiewende, die eine sichere und „bezahlbare“ Energieversorgung sichert (60 Prozent „sehr wichtig“, 31 Prozent „eher wichtig“)
  6. Technologieoffenheit für neue Energie- und Antriebsquellen (58 Prozent „sehr wichtig“, 35 Prozent „eher wichtig“)
  7. Beschleunigung von Planungsverfahren und Planungssicherheit (58 Prozent „sehr wichtig“, 35 Prozent „eher wichtig“)
  8. Stärkung von Eigeninitiative und Unternehmertum (57 Prozent „sehr wichtig“, 34 Prozent „eher wichtig“)

Unbenannt
Im Jahr 2020 waren bundesweit 8,18 Millionen Erwerbstätige im produzierenden Gewerbe (ohne Baugewerbe) beschäftigt, davon über eine halbe Million in der Metropolregion FrankfurtRheinMain. Rund ein Viertel der gesamten Bruttowertschöpfung wird in den Unternehmen des produzierenden Gewerbes erwirtschaftet. Der Stärkung des Industriestandortes Deutschland kommt daher für die Sicherung von Beschäftigung und Wohlstand eine zentrale Rolle in der Wirtschaftspolitik der nächsten Bundesregierung zu.
In den verabschiedeten „Industriepolitischen Positionen“ benennt die Vollversammlung der IHK Darmstadt, was sich ändern muss, damit der Industriestandort Südhessen zukunftssicher bleibt.

Kontakt

Dr.Daniel Theobald
Dr. Daniel Theobald
Geschäftsbereichsleiter
Bereich: Unternehmen und Standort