Frühsommer 2022

IHK-Konjunkturbericht: Wirtschaft kommt nicht vom Fleck

Situation in Deutschland

Die deutsche Wirtschaft geht schwierigen Zeiten entgegen. Noch ist die Geschäftslage gut, aber es läuft nicht rund, und es dominieren Unsicherheiten. Sprunghaft gestiegene Energiepreise treffen die deutsche Wirtschaft in der Breite, dazu kommt der Krieg in der Ukraine. Auch aus Asien kommen schlechte Nachrichten. Die dortige Null-Covid-Politik bremst die chinesische Konjunktur und damit den deutschen Export. Betroffen sind auch die Lieferketten nach Europa, die bereits seit geraumer Zeit unter Spannung stehen. Zu allem Überfluss betreten jetzt auch die Notenbanken das Spielfeld. Die Sorge vor einer Lohn-Preis-Spirale zwingt sie zum Handeln: Nach der amerikanischen Notenbank hat nun auch die britische Notenbank die Zinsen erhöht. In der Eurozone ist ab dem dritten Quartal mit einer schärferen Gangart der Inflationsbekämpfung zu rechnen. Ebenso wie die maßgeblichen Wirtschaftsforschungsinstitute hat auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) seine Prognose des Bruttoinlandsproduktes vor kurzem nach unten korrigiert. Trotz Nachholbedarfs infolge der Coronakrise sieht er für 2022 nur ein Wirtschaftswachstum von 3,0 Prozent.

Entwicklung in Südhessen

Zum zweiten Mal in Folge gibt der südhessische IHK-Konjunkturindex Punkte ab. War es zu Jahresbeginn 2022 die Omikronvariante des Coronavirus, so bereiten jetzt der Ukrainekrieg und die Energiepreise Sorgen. Aktuell bewerten 33 Prozent aller Unternehmen ihre aktuelle Lage als positiv, 50 Prozent als befriedigend, 17 Prozent als schlecht. Der Saldo aus positiven und negativen Lageeinschätzungen beträgt damit plus 16 Prozentpunkte. Im Vergleich zum Jahresbeginn ist das lediglich ein Rückgang um einen Punkt. Deutliche Veränderungen gibt es dagegen bei der Einschätzung der künftigen Entwicklung. 16 Prozent der befragten Unternehmen erwarten eine bessere Konjunktur, 33 Prozent sind pessimistisch. 51 Prozent rechnen mit einer gleich bleibenden Entwicklung. Der Saldo aus positiven und negativen Zukunftseinschätzungen verliert damit deutlich um 19 Punkte. Aktuell liegt er bei minus 17 Prozentpunkten.
Angesichts dieser Zukunftseinschätzung überrascht es nicht, dass die Unternehmen bei den Investitionen bremsen. So rutscht der Saldo der Investitionspläne in den negativen Bereich. 24 Prozent der Unternehmen wollen mehr investieren, knapp jedes dritte Unternehmen (31 Prozent) will kürzen. Der Saldo der Investitionspläne liegt damit bei minus sieben Prozentpunkten. Das sind zwölf Punkte weniger als noch zu Jahresbeginn.
Ausgewogen zeigen sich hingegen die Beschäftigungspläne der Unternehmen. 18 Prozent der Unternehmen suchen Personal, ebenso erwarten, sich von Mitarbeitern zu trennen. Damit gibt der Beschäftigungssaldo neun Punkte ab, verbleibt aber im neutralen Bereich (Saldo null Prozentpunkte). Bei der Einschätzung der Außenwirtschaft herrscht dagegen Enttäuschung. Nur sechs Prozent der Unternehmen beurteilen das Exportgeschäft positiv, vier von zehn Unternehmen sind skeptisch. 54 Prozent der Unternehmen glauben an eine gleichbleibende Entwicklung. Der Saldo aus optimistischen und pessimistischen Exporterwartungen beträgt minus 34 Prozentpunkte. Gegenüber dem Jahresauftakt ist das ein sehr deutlicher Verlust um 38 Punkte.
Der IHK-Geschäftsklimaindex bündelt Geschäftslage und Zukunftseinschätzungen der Unternehmen. Nach einem historischen Tief zur Coronapandemie im März 2020 hat sich der Index schrittweise stabilisiert. Der Krieg in der Ukraine, noch immer gestörte Lieferketten und erneute Lockdowns in China haben dieser Erholung ein vorläufiges Ende bereitet. Im Frühsommer 2022 gibt der IHK-Index 11 Punkte gegenüber der Vorumfrage zu Jahresbeginn ab. Mit 98 Punkten liegt er jetzt unter der Wachstumsschwelle von 100.