Geschäftsklimaindex, Erwartungen und die wirtschaftliche Lage der südhessischen Unternehmen: Die aktuelle Ausgabe und das Archiv der Konjunkturberichte seit 2012 finden Sie hier.
Nach zwei Jahren Rezession sendete das Wirtschaftswachstum im vierten Quartal 2025 ein Lebenszeichen. Am Ende lag das reale Bruttoinlandsprodukt für das Gesamtjahr 2025 um 0,2 Prozent höher als im Vorjahr. Für Wachstum sorgten gestiegene Staatsausgaben im Gesundheits- und Sozialbereich sowie die private Konsumnachfrage. Dagegen waren die Investitionsnachfrage der Unternehmen und die Exporte ohne Schwung.
Unter den Wirtschaftszweigen blieb das verarbeitende Gewerbe das dritte Jahr in Folge hinter den Vorjahreswerten zurück. Vor allem große Bereiche wie die Automobilindustrie und der Maschinenbau hatten Einbußen zu verzeichnen. Beide Branchen sahen sich starker Konkurrenz auf den Weltmärkten ausgesetzt. Gleichzeitig schreitet der tiefgreifende ökonomische und technologische Strukturwandel unvermindert fort.
Im internationalen Geschäft herrscht Gegenwind, insbesondere das transatlantische Verhältnis hat Schaden genommen. Die Zollpolitik der USA scheint unberechenbar. Zwar kommen die Verhandlungen zu neuen Freihandelszonen voran, aber ihre Umsetzung gestaltet sich schwieriger als geplant.
Die Effekte des Sondervermögens für Infrastruktur und Verteidigung sind noch nicht spürbar, und entscheidende Reformen stehen aus. Von einem selbsttragenden Aufschwung ist Deutschland weit entfernt. Für 2026 rechnet die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) mit einer Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts von lediglich 0,7 Prozent.
Regionale Wirtschaft: Jahresauftakt ohne Schwung
In Südhessen verlief der konjunkturelle Jahresauftakt holprig. 19 Prozent der südhessischen Unternehmen sind mit dem aktuellen Geschäft zufrieden, jedes vierte (26 Prozent) ist es überhaupt nicht. Mehr als jedes zweite Unternehmen (55 Prozent) beurteilt seine aktuelle Geschäftslage als durchwachsen. Gegenüber der Vorumfrage im Herbst legt der Saldo aus positiven und negativen Lageeinschätzungen drei Punkte zu. Mit minus sieben Prozentpunkten bleibt der Saldo weiter im roten Bereich. Beim Blick in die Zukunft sind die Unternehmen unverändert pessimistisch. Zwölf Prozent der Unternehmen erwarten bessere Geschäfte, sechs von zehn Unternehmen (62 Prozent) sehen eine konstante Entwicklung auf dem derzeitigen Niveau, 26 Prozent stellen sich auf schlechtere Zeiten ein. Damit beträgt der Saldo aus positiven und negativen Zukunftseinschätzungen aktuell minus 14 Prozentpunkte (plus ein Punkt gegenüber der Vorumfrage).
Bei den Investitionen sind die Unternehmer noch zurückhaltender als im Herbst. Der Investitionssaldo gibt vier Punkte ab, er liegt aktuell bei minus 15 Punkten. 21 Prozent der Unternehmen planen Mehrinvestitionen, 36 Prozent müssen dagegen Investitionen kürzen. Damit liegt der Saldo der Investitionspläne weit unter seinem langjährigen Durchschnitt. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Personalplänen der südhessischen Unternehmen. Fachkräftesicherung ist vorerst in den Hintergrund gerückt: Neun Prozent der Unternehmen wollen einstellen, 26 Prozent sehen sich gezwungen, Mitarbeitende zu entlassen oder ausscheidendes Personal nicht zu ersetzen. Zwei von drei Unternehmen (65 Prozent) wollen die Zahl der Mitarbeitenden konstant halten. Der Saldo der Beschäftigungspläne verliert vier Prozentpunkte. Mit minus 17 Prozentpunkten liegt er klar im roten Bereich. Das ist ebenfalls deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt des Beschäftigungssaldos. Aufhorchen lässt der Saldo der Exportpläne. Nach außerordentlich trüben Exportaussichten im letzten Herbst schöpfen die südhessischen Exporteure trotz des Zollchaos der US-Regierung etwas Mut.
So gewinnt der Saldo der Exporterwartungen 22 Punkte. Aufgrund des sehr niedrigen Ausgangswertes reicht es jedoch nicht für den Positivbereich. Mit einem Exportsaldo von minus acht Prozentpunkten sind die pessimistischen Exporteure weiter in der Mehrheit.
IHK-Geschäftsklimaindex
Der IHK-Geschäftsklimaindex bündelt die Bewertung der aktuellen wirtschaftlichen Lage und die Erwartungen der Unternehmen und trifft damit eine Aussage über den konjunkturellen Gesamtzustand der regionalen Wirtschaft. Seit rund zwei Jahren stagniert der Geschäftsklimaindex auf niedrigem Niveau. Gegenüber Herbst 2025 kann er nur zwei Punkte zulegen. Mit aktuell 90 Punkten liegt er weiterhin deutlich unter der Wachstumsschwelle von 100 Punkten.