Frühsommer 2026

IHK-Konjunkturbericht: Konjunkturelle Belebung bleibt aus

Geschäftsklimaindex, Erwartungen und die wirtschaftliche Lage der südhessischen Unternehmen: Die aktuelle Ausgabe und das Archiv der Konjunkturberichte seit 2012 finden Sie hier.

Situation in Deutschland

Die Lage der deutschen Wirtschaft bleibt angespannt. Eine Trendwende ist nicht erkennbar, das Gesamtbild ist fragil. Harte Konjunkturdaten wie Industrieproduktion und Auftragseingang zeigen sich weiterhin uneinheitlich. Vor allem der durch den Irankrieg ausgelöste Energiepreisschock belastet die Wirtschaft schwer. Energieintensive Wirtschaftszweige stehen besonders unter Druck, ihre Produktion anzupassen oder Kostensteigerungen weiterzugeben. Gleichzeitig wächst der Reformdruck auf die öffentliche Hand, weil steigende Zinslasten infolge der hohen Staatsverschuldung einen immer größeren Teil der Steuereinnahmen binden. Laut mittelfristiger Finanzplanung des Bundesfinanzministeriums werden sich die Zinsausgaben des Bundes von derzeit rund 30 Milliarden Euro auf 79 Milliarden Euro im Jahr 2030 mehr als verdoppeln. Verzögerungen bei zentralen wirtschaftspolitischen Vorhaben verstärken die Verunsicherung von Unternehmen. Dass die Bundesregierung ihren Gesetzentwurf zu einer steuer- und abgabenfreien Entlastungsprämie nicht durch den Bundesrat bringen konnte, wirft Fragen hinsichtlich der politischen Durchsetzungsfähigkeit auf. In der zweiten Jahreshälfte könnte der fiskalische Impuls durch das Infrastruktur-Zukunftsgesetz zwar Wachstumsimpulse setzen. Trotz dieser geplanten Maßnahmen hat selbst die Bundesregierung ihre Wachstumsprognose für das Jahr 2026 gesenkt. Dies verdeutlicht, dass eine nachhaltige Erholung der deutschen Wirtschaft derzeit nicht gesichert ist.

Die Konjunktur in Südhessen

Die südhessische Konjunktur kommt nicht in Gang – im Gegenteil, sie schwächt sich ab. 17 Prozent der Unternehmen sind mit dem aktuellen Geschäft zufrieden, knapp jedes dritte Unternehmen (31 Prozent) ist unzufrieden. Mehr als die Hälfte der Unternehmen (52 Prozent) berichten von einer durchwachsenen Geschäftslage. Gegenüber der Vorumfrage zu Jahresbeginn gibt der Saldo aus positiven und negativen Lageeinschätzungen sieben Prozentpunkte ab. Er beträgt jetzt minus 14 Prozentpunkte. Ihre Zukunftsperspektiven beurteilen die Unternehmen noch pessimistischer als zu Jahresbeginn. Zwölf Prozent der Unternehmen erwarten bessere Geschäfte, mehr als jedes zweite Unternehmen (54 Prozent) sieht eine gleichbleibende Entwicklung auf dem aktuellen Niveau. Jedes dritte Unternehmen (34 Prozent) rechnet mit schlechteren Geschäften. Damit verliert der Saldo aus positiven und negativen Zukunftseinschätzungen acht Prozentpunkte. Mit minus 22 Prozentpunkten liegt er aktuell tief im negativen Bereich.
Die Investitionstätigkeit der Unternehmen ist nach wie vor verhalten. Der Investitionssaldo gibt einen Punkt ab, er liegt aktuell bei minus 16 Punkten. 22 Prozent der Unternehmen wollen mehr investieren, 38 Prozent planen geringere Investitionsbudgets. Die Lücke zum langjährigen Durchschnitt der Investitionspläne ist offensichtlich. Von Zurückhaltung geprägt sind auch die Beschäftigungspläne der Unternehmen. Kaum jedes zehnte Unternehmen (acht Prozent) will einstellen, jedes vierte sieht sich gezwungen, Mitarbeitende zu entlassen, oder kann ausscheidendes Personal nicht ersetzen. Zwei von drei Unternehmen (68 Prozent) wollen die Zahl der Mitarbeitenden konstant halten. Der Saldo der Beschäftigungspläne bleibt konstant. Mit minus 17 Prozentpunkten bleibt er im roten Bereich. Die Achterbahnfahrt der Exportpläne setzt sich fort. Dieses Mal ist es der Irankonflikt, der die Exportpläne nach unten treibt. So verliert der Saldo der Exporterwartungen fünf Punkte. Mit einem Exportsaldo von minus 13 Prozentpunkten sind die pessimistischen Exporteure in der Mehrheit.
Der IHK-Geschäftsklimaindex bündelt die Bewertung der aktuellen wirtschaftlichen Lage und die Erwartungen der Unternehmen und trifft damit eine Aussage über den konjunkturellen Gesamtzustand der regionalen Wirtschaft. Gegenüber Jahresbeginn verliert er acht Punkte, er beträgt jetzt 82 Punkte. Damit liegt der Index seit vier Jahren unterhalb der Wachstumsschwelle von 100 Punkten. Für die südhessische Wirtschaft ist weiterhin keine Trendwende erkennbar.