Wasser wird zum Engpass - und die Zeit läuft davon
Die Lausitz diskutiert noch – während das Problem längst konkret wird. Wasser, lange als gesicherte Grundlage für Entwicklung betrachtet, entwickelt sich zur entscheidenden Engpassgröße für den Strukturwandel der Region.
„Die Verfügbarkeit von Wasser ist mittlerweile ein entscheidender Standortfaktor für die Wirtschaft geworden. Die Unternehmen erwarten zeitnah Lösungsvorschläge von Politik und Verwaltung, sagt Dorit Köhler, Leiterin Geschäftsbereich Innovation und Nachhaltigkeit der IHK Cottbus.
Mit dem Ende des Tagebaus entfällt ein künstlicher Stabilitätsanker für das Wassersystem. Gleichzeitig sinken die Grundwasserstände durch klimatische Veränderungen. Die Folge: weniger Wasser in der Spree – und damit weniger Spielraum für Trinkwasserversorgung, Industrie, Landwirtschaft und Tourismus. Studien zeigen bereits heute, dass sich diese Entwicklung zu einem strukturellen Defizit auswachsen wird. Was das konkret bedeutet, lässt sich inzwischen beziffern: Ein größerer Industriestandort benötigt mehrere Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr – in etwa so viel wie eine mittlere Stadt. 100.000 Einwohner verbrauchen jährlich rund 4,5 Millionen Kubikmeter Trinkwasser.
Neue Bedarfe durch Strukturwandel
Gleichzeitig entstehen neue Bedarfe. Vor allem die Wasserstoffwirtschaft braucht Wasser – messbar und in relevanten Größenordnungen. Hochgerechnet auf industrielle Anlagen ergibt sich schnell ein zusätzlicher Bedarf von bis zu einer Million Kubikmeter jährlich – pro Projekt. Die Konsequenz ist klar: Was neu in die Region kommt, verbraucht Wasser in der Größenordnung ganzer Städte – in einem System, in dem künftig weniger Wasser zur Verfügung steht.
Trinkwasser hat Vorrang – was folgt?
Hinzu kommt ein ungelöster Nutzungskonflikt. „Wir laufen in Nutzungskonkurrenzen – und es ist nicht geklärt, wer am Ende Priorität hat“, so Köhler.
Klar ist nur: Die Trinkwasserversorgung hat Vorrang. Was danach folgt – Industrie, Landwirtschaft, Energie – ist offen. In Trockenphasen verschärft sich diese Konkurrenz zusätzlich. Mehrere Großverbraucher treffen gleichzeitig auf ein knapper werdendes Angebot. Zwar entwickelt die Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) aktuell „Leitlinien zum Umgang mit Nutzungskonkurrenzen bei Wasserknappheit“. Ziel der Leitlinie ist eine bundesweit abgestimmte Orientierung für den wasserrechtlichen Vollzug in Situationen der Konkurrenz oder der Knappheit von Wasser. Dennoch bleiben ungesicherte Rahmenbedingen für die wirtschaftliche Entwicklung. Für Unternehmen ist das ein unkalkulierbares Risiko.
„Ein Investor wartet keine 15 Jahre auf ein Wasserrecht“, sagt Köhler. Doch genau diese Zeiträume sind Realität. Genehmigungen dauern zu lange, Planungen ziehen sich – und Investoren entscheiden sich im Zweifel für andere Standorte. Die Folgen sind bereits sichtbar: „Einige Industrieansiedlungen scheitern heute schon am fehlenden Wasser“, so Köhler.
Technische Lösungen sind bekannt. Ein regionales Verbundsystem könnte Engpässe ausgleichen und vorhandene Ressourcen besser verteilen. Doch auch das hat Grenzen: Was nicht vorhanden ist, kann nicht verteilt werden.
Viel Analyse, wenig Entscheidung
Die Region will Industriestandort bleiben und neue Zukunftstechnologien ansiedeln. Doch ohne gesicherte Wasserversorgung bleibt das ein Versprechen auf unsicherer Grundlage. Wie groß die Herausforderung ist und welche Lösungsansätze es gibt, zeigen die folgenden Gespräche. Und auch der Spreewald braucht eine klare Zukunftsperspektive.
Ohne Wasser keine erfolgreiche Transformation - Gespräch mit Karsten Horn (LWG Cottbus)
Warum die Lausitz kein Mengen-, sondern ein Strukturproblem hat und wie das bewältigt werden kann: Gespräch mit Karsten Horn, LWG Cottbus.
Karsten Horn, Projektleiter Strukturwandel bei der Lausitzer Wasser LWG GmbH & Co. KG in Cottbus.
Der Strukturwandel in der Lausitz steht vor einem Problem, über das bislang zu wenig gesprochen wird: Wasser könnte zum limitierenden Faktor werden. Nicht, weil es grundsätzlich fehlt – sondern weil es zur falschen Zeit am falschen Ort ist. Eine aktuelle Studie zum „Wasserverbund Niederlausitz“ kommt zu einem klaren Befund: Die vorhandenen Wasserressourcen reichen aus. Doch bei Aufbereitung, Verteilung und Vernetzung klafft eine wachsende Lücke. Gleichzeitig steigen die Anforderungen schneller, als die Infrastruktur hinterherkommt. Bis 2040 könnte sich der Wasserbedarf im Zuge neuer Industrieansiedlungen nahezu verdoppeln, die Spitzenlasten deutlich darüber hinauswachsen. Besonders betroffen sind genau jene Standorte, auf denen der wirtschaftliche Neustart der Region ruhen soll – etwa Schwarze Pumpe oder das geplante Green Areal Lausitz (GRAL) in Jänschwalde/Drewitz. Die Folge ist absehbar: Ohne rechtzeitigen Ausbau von Leitungen, Speichern und Aufbereitungskapazitäten drohen Engpässe – und damit ein handfester Standortnachteil. Denn Investoren entscheiden nicht auf Perspektive, sondern auf Verfügbarkeit. Wenn Wasser nicht gesichert ist, findet Wertschöpfung woanders statt.
Der geplante Wasserverbund soll genau das verhindern. Doch er kostet Zeit, Geld und vor allem politische Entscheidungen. Und genau daran entscheidet sich, ob die Lausitz beim Strukturwandel Tempo macht – oder ausgebremst wird.
Wo die größten Risiken liegen, warum das eigentliche Problem nicht das Wasser, sondern das System ist – und was jetzt passieren muss, erklärt Karsten Horn, Projektleiter Strukturwandel bei der Lausitzer Wasser LWG GMBH & CO. KG.
Wo die größten Risiken liegen, warum das eigentliche Problem nicht das Wasser, sondern das System ist – und was jetzt passieren muss, erklärt Karsten Horn, Projektleiter Strukturwandel bei der Lausitzer Wasser LWG GMBH & CO. KG.
FORUM: Steuert die Lausitz beim Thema Wasser auf ein strukturelles Problem zu?
KARSTEN HORN: Ja – allerdings nicht, weil grundsätzlich zu wenig Wasser da ist. Wir haben es mit drei Treibern zu tun: den Bergbaufolgen, dem Klimawandel und dem Strukturwandel selbst. Die Eingriffe durch den Tagebau wirken bis heute nach, etwa durch veränderte Grundwasserverhältnisse und Stoffeinträge. Gleichzeitig sehen wir erste Effekte des Klimawandels – vor allem in Form von längeren Trockenphasen. Und schließlich steigen durch mögliche Industrieansiedlungen punktuell die Bedarfe deutlich.
KARSTEN HORN: Ja – allerdings nicht, weil grundsätzlich zu wenig Wasser da ist. Wir haben es mit drei Treibern zu tun: den Bergbaufolgen, dem Klimawandel und dem Strukturwandel selbst. Die Eingriffe durch den Tagebau wirken bis heute nach, etwa durch veränderte Grundwasserverhältnisse und Stoffeinträge. Gleichzeitig sehen wir erste Effekte des Klimawandels – vor allem in Form von längeren Trockenphasen. Und schließlich steigen durch mögliche Industrieansiedlungen punktuell die Bedarfe deutlich.
FORUM: Was ist dabei der entscheidende Punkt – Menge oder Verteilung?
KARSTEN HORN: Die Infrastruktur. Wir haben in der Region überwiegend Grundwasser. Das ist vorhanden, aber es muss aufbereitet werden. Und genau dort liegt das Problem. Die Kapazitäten sind vielerorts auf den Durchschnitt ausgelegt – nicht auf die Spitzen. Gerade in den Sommermonaten sehen wir aber bereits heute, dass einzelne Systeme an ihre Grenzen kommen.
KARSTEN HORN: Die Infrastruktur. Wir haben in der Region überwiegend Grundwasser. Das ist vorhanden, aber es muss aufbereitet werden. Und genau dort liegt das Problem. Die Kapazitäten sind vielerorts auf den Durchschnitt ausgelegt – nicht auf die Spitzen. Gerade in den Sommermonaten sehen wir aber bereits heute, dass einzelne Systeme an ihre Grenzen kommen.
FORUM: Heißt das: Die Engpässe sind schon da?
KARSTEN HORN: Ja, punktuell schon. Es gibt Verbände, die in Spitzenzeiten Unterstützung brauchen. Das wird künftig eher zunehmen. Deshalb braucht man Reservekapazitäten – und die sind aktuell nicht überall ausreichend vorhanden.
KARSTEN HORN: Ja, punktuell schon. Es gibt Verbände, die in Spitzenzeiten Unterstützung brauchen. Das wird künftig eher zunehmen. Deshalb braucht man Reservekapazitäten – und die sind aktuell nicht überall ausreichend vorhanden.
FORUM: Welche Rolle spielt der Strukturwandel konkret für den Wasserbedarf?
KARSTEN HORN: Er wirkt sehr unterschiedlich. Projekte wie die Universitätsmedizin oder das Bahnwerk in Cottbus sind beim Wasser eher unkritisch. Anders sieht es bei industriellen Ansiedlungen aus – etwa in Schwarze Pumpe oder an neuen Gewerbestandorten. Dort können Bedarfe schnell sehr groß werden. Genau deshalb haben wir in der Studie vor allem diese Szenarien betrachtet.
KARSTEN HORN: Er wirkt sehr unterschiedlich. Projekte wie die Universitätsmedizin oder das Bahnwerk in Cottbus sind beim Wasser eher unkritisch. Anders sieht es bei industriellen Ansiedlungen aus – etwa in Schwarze Pumpe oder an neuen Gewerbestandorten. Dort können Bedarfe schnell sehr groß werden. Genau deshalb haben wir in der Studie vor allem diese Szenarien betrachtet.
FORUM: Ohne Wasser kein Investor – ist das zu hart formuliert?
KARSTEN HORN: Nein, das ist die Realität. Versorgungssicherheit ist eine Grundvoraussetzung. Wenn ich die nicht garantieren kann, entscheidet sich ein Investor für einen anderen Standort. Das Problem: Die Wasserverbände arbeiten traditionell nachfrageorientiert. Sie bauen also Kapazitäten erst dann aus, wenn der Bedarf da ist. Für den Strukturwandel brauchen wir aber das Gegenteil – eine angebotsorientierte Infrastruktur.
KARSTEN HORN: Nein, das ist die Realität. Versorgungssicherheit ist eine Grundvoraussetzung. Wenn ich die nicht garantieren kann, entscheidet sich ein Investor für einen anderen Standort. Das Problem: Die Wasserverbände arbeiten traditionell nachfrageorientiert. Sie bauen also Kapazitäten erst dann aus, wenn der Bedarf da ist. Für den Strukturwandel brauchen wir aber das Gegenteil – eine angebotsorientierte Infrastruktur.
FORUM: Und die lässt sich nicht einfach aufbauen?
KARSTEN HORN: Nein. Das ist gebührenrechtlich schwierig und finanziell kaum darstellbar. Deshalb sind wir auf Fördermittel angewiesen. Ohne diese Unterstützung wird es nicht gehen.
KARSTEN HORN: Nein. Das ist gebührenrechtlich schwierig und finanziell kaum darstellbar. Deshalb sind wir auf Fördermittel angewiesen. Ohne diese Unterstützung wird es nicht gehen.
FORUM: Die Studie schlägt einen Wasserverbund vor. Was ist die Idee dahinter?
KARSTEN HORN: Resilienz. Wir wollen Wasser dort verfügbar machen, wo es gebraucht wird – auch über größere Entfernungen hinweg. Die Region ist heute eher sternförmig organisiert, mit Cottbus im Zentrum. Ein Verbund würde die einzelnen Systeme stärker miteinander verknüpfen und damit Versorgungssicherheit schaffen – sowohl für die Daseinsvorsorge als auch für wirtschaftliche Entwicklung.
KARSTEN HORN: Resilienz. Wir wollen Wasser dort verfügbar machen, wo es gebraucht wird – auch über größere Entfernungen hinweg. Die Region ist heute eher sternförmig organisiert, mit Cottbus im Zentrum. Ein Verbund würde die einzelnen Systeme stärker miteinander verknüpfen und damit Versorgungssicherheit schaffen – sowohl für die Daseinsvorsorge als auch für wirtschaftliche Entwicklung.
FORUM: Wird Cottbus damit zum Wasserknoten der Lausitz?
KARSTEN HORN: Cottbus hat jedenfalls eine gute Ausgangslage. Wir liegen in einem leistungsfähigen Grundwasserleiter und verfügen über vergleichsweise stabile Verhältnisse. Das eröffnet Spielräume – auch für die Versorgung des Umlands. Gleichzeitig ist klar: Die großen Industrieansiedlungen werden eher in der Peripherie stattfinden. Und genau dort braucht es Lösungen.
KARSTEN HORN: Cottbus hat jedenfalls eine gute Ausgangslage. Wir liegen in einem leistungsfähigen Grundwasserleiter und verfügen über vergleichsweise stabile Verhältnisse. Das eröffnet Spielräume – auch für die Versorgung des Umlands. Gleichzeitig ist klar: Die großen Industrieansiedlungen werden eher in der Peripherie stattfinden. Und genau dort braucht es Lösungen.
FORUM: Was passiert, wenn der Ausbau zu langsam kommt?
KARSTEN HORN: Dann wird man Ansiedlungen verlieren. So einfach ist das. Wir haben lange Planungs- und Genehmigungszeiten, teilweise mehrere Jahre, bevor überhaupt gebaut werden kann. Wenn dann noch Fördermittel fehlen oder verzögert kommen, entsteht eine Lücke – und die kann man nicht kurzfristig schließen.
KARSTEN HORN: Dann wird man Ansiedlungen verlieren. So einfach ist das. Wir haben lange Planungs- und Genehmigungszeiten, teilweise mehrere Jahre, bevor überhaupt gebaut werden kann. Wenn dann noch Fördermittel fehlen oder verzögert kommen, entsteht eine Lücke – und die kann man nicht kurzfristig schließen.
FORUM: Gibt es einen Plan B, falls Fördermittel ausbleiben?
KARSTEN HORN: Nein. Man kann das Projekt in Teilabschnitte zerlegen, Übergangslösungen schaffen und zusätzliche Förderquellen prüfen. Aber große Investitionen lassen sich ohne Unterstützung nicht stemmen. Wenn das Geld nicht kommt, werden bestimmte Entwicklungen schlicht nicht stattfinden.
KARSTEN HORN: Nein. Man kann das Projekt in Teilabschnitte zerlegen, Übergangslösungen schaffen und zusätzliche Förderquellen prüfen. Aber große Investitionen lassen sich ohne Unterstützung nicht stemmen. Wenn das Geld nicht kommt, werden bestimmte Entwicklungen schlicht nicht stattfinden.
FORUM: Was ist aktuell der größte Unsicherheitsfaktor?
KARSTEN HORN: Die politischen Rahmenbedingungen. Finanzierung, Genehmigungen, Prioritäten – all das entscheidet am Ende darüber, wie schnell wir vorankommen. Dazu kommt eine veränderte wirtschaftliche Lage, die sich auch auf Ansiedlungsentscheidungen auswirkt.
KARSTEN HORN: Die politischen Rahmenbedingungen. Finanzierung, Genehmigungen, Prioritäten – all das entscheidet am Ende darüber, wie schnell wir vorankommen. Dazu kommt eine veränderte wirtschaftliche Lage, die sich auch auf Ansiedlungsentscheidungen auswirkt.
FORUM: Trotzdem wirken Sie nicht pessimistisch. Warum?
KARSTEN HORN: Weil das Wasser da ist. Wir müssen nur anders damit umgehen. Das heißt auch: Wir sollten stärker darauf achten, welche Industrien wir ansiedeln. Wasserintensive Branchen sind schwieriger. Gleichzeitig gibt es enorme Potenziale durch Kreislaufsysteme – gerade bei Kühlprozessen. Wenn man das konsequent nutzt, lassen sich Bedarfe massiv senken.
KARSTEN HORN: Weil das Wasser da ist. Wir müssen nur anders damit umgehen. Das heißt auch: Wir sollten stärker darauf achten, welche Industrien wir ansiedeln. Wasserintensive Branchen sind schwieriger. Gleichzeitig gibt es enorme Potenziale durch Kreislaufsysteme – gerade bei Kühlprozessen. Wenn man das konsequent nutzt, lassen sich Bedarfe massiv senken.
FORUM: Ist der Wasserverbund am Ende Voraussetzung für den Strukturwandel?
KARSTEN HORN: Nicht überall, aber an entscheidenden Standorten ja. In Cottbus selbst ist das Thema eher begleitend. In Bereichen wie Schwarze Pumpe oder bei neuen Industrieflächen wird die Wasserversorgung dagegen zur Schlüsselfrage. Ohne tragfähige Lösungen wird dort keine größere Entwicklung stattfinden.
Die Erarbeitung des Konzeptes für einen Wasserverbund im Raum Cottbus wurde über das Programm zur Stärkung der Transformationsdynamik und Aufbruch in den Revieren und an den Kohlekraftwerkstandorten (STARK) des Bundeswirtschaftsministeriums gefördert.
KARSTEN HORN: Nicht überall, aber an entscheidenden Standorten ja. In Cottbus selbst ist das Thema eher begleitend. In Bereichen wie Schwarze Pumpe oder bei neuen Industrieflächen wird die Wasserversorgung dagegen zur Schlüsselfrage. Ohne tragfähige Lösungen wird dort keine größere Entwicklung stattfinden.
Die Erarbeitung des Konzeptes für einen Wasserverbund im Raum Cottbus wurde über das Programm zur Stärkung der Transformationsdynamik und Aufbruch in den Revieren und an den Kohlekraftwerkstandorten (STARK) des Bundeswirtschaftsministeriums gefördert.
Der größte Unsicherheitsfaktor ist die Politik - Gespräch mit Christoph Maschek (Wasserverband Lausitz)
Im Gespräch mit Christoph Maschek, Verbandsvorsteher Wasserverband Lausitz, über das Projekt Trinkwasserverbund Lausitz.
Christoph Maschek, Verbandsvorsteher Wasserverband Lausitz, empfiehlt das Buch „Und dann fällt der Strom aus“ über die Flutkatastrophe im Ahrtal.
Die Lausitz hat ein Wasserproblem – noch nicht im Alltag der Menschen, aber in der Perspektive ihrer wirtschaftlichen Zukunft. Mit dem Kohleausstieg bis 2038 verschwindet eine zentrale Grundlage der bisherigen Wasserversorgung: die Sumpfungswässer aus den Tagebauen. Gleichzeitig wächst der Druck. Neue Industrieansiedlungen brauchen verlässliche Kapazitäten, bestehende Systeme stoßen regional an Grenzen, und erste Nutzungskonflikte – etwa im Umfeld des Industrieparks Schwarze Pumpe – sind längst Realität. Die Antwort darauf soll der „Trinkwasserverbund Lausitzer Revier“ sein: ein länderübergreifendes Großprojekt, in dem sechs Versorger ihre Systeme enger verzahnen und zu einem belastbaren Netz ausbauen. Neue Leitungen, modernisierte Anlagen und zusätzliche Kapazitäten sollen die Region künftig flexibler und widerstandsfähiger machen – technisch wie strukturell. Doch der Umbau ist komplex, teuer und politisch sensibel. Er entscheidet nicht nur über Versorgungssicherheit, sondern auch darüber, ob die Lausitz im Strukturwandel tatsächlich neue Industrie aufnehmen kann – oder an genau dieser Frage ausgebremst wird.
FORUM: Wir reden hier über ein Zukunftsprojekt – oder ist das Problem längst da und wird jetzt nur sichtbarer?
CHRISTOPH MASCHEK: Die Trinkwasserversorgung ist in der Lausitz kein neues Thema. Sie begleitet die Region seit Beginn des industriellen Kohlebergbaus Anfang des 20. Jahrhunderts. Durch die Tagebaue wurden viele lokale Wasservorkommen massiv beeinflusst oder ganz trockengelegt.
CHRISTOPH MASCHEK: Die Trinkwasserversorgung ist in der Lausitz kein neues Thema. Sie begleitet die Region seit Beginn des industriellen Kohlebergbaus Anfang des 20. Jahrhunderts. Durch die Tagebaue wurden viele lokale Wasservorkommen massiv beeinflusst oder ganz trockengelegt.
Schon in den 50er Jahren hat man darauf reagiert und ein großräumiges Versorgungssystem aufgebaut. Grundlage waren zwei zentrale Ressourcen: die Sümpfungswässer aus dem Tagebau – damals noch in einer Qualität, die sich zur Aufbereitung eignete – und große Grundwasservorkommen im Lausitzer Urstromtal, etwa im Raum Tettau.
Heute stehen wir erneut vor einem Strukturwandel. Mit dem Kohleausstieg bis 2038 fällt eine dieser tragenden Säulen perspektivisch weg. Genau daraus entsteht der aktuelle Handlungsdruck.
Heute stehen wir erneut vor einem Strukturwandel. Mit dem Kohleausstieg bis 2038 fällt eine dieser tragenden Säulen perspektivisch weg. Genau daraus entsteht der aktuelle Handlungsdruck.
FORUM: Was passiert konkret, wenn das geplante Verbundsystem nicht umgesetzt wird?
CHRISTOPH MASCHEK: Die Versorgung der Bevölkerung ist grundsätzlich gesichert. Das ist die entscheidende Botschaft. Das Verbundsystem richtet sich vor allem auf zusätzliche Bedarfe – insbesondere durch neue Industrieansiedlungen. Ohne diese Vernetzung stoßen wir perspektivisch an Grenzen. Nicht im Alltag der Menschen, aber bei der wirtschaftlichen Entwicklung der Region.
CHRISTOPH MASCHEK: Die Versorgung der Bevölkerung ist grundsätzlich gesichert. Das ist die entscheidende Botschaft. Das Verbundsystem richtet sich vor allem auf zusätzliche Bedarfe – insbesondere durch neue Industrieansiedlungen. Ohne diese Vernetzung stoßen wir perspektivisch an Grenzen. Nicht im Alltag der Menschen, aber bei der wirtschaftlichen Entwicklung der Region.
FORUM: Wie stabil ist die Trinkwasserversorgung heute – real betrachtet?
CHRISTOPH MASCHEK: Stand heute ist sie stabil. Wenn von „trockenem Brandenburg“ die Rede ist, betrifft das vor allem Oberflächengewässer. Für die Trinkwasserversorgung spielt das eine untergeordnete Rolle. Akute Engpässe gibt es derzeit nicht.
CHRISTOPH MASCHEK: Stand heute ist sie stabil. Wenn von „trockenem Brandenburg“ die Rede ist, betrifft das vor allem Oberflächengewässer. Für die Trinkwasserversorgung spielt das eine untergeordnete Rolle. Akute Engpässe gibt es derzeit nicht.
FORUM: Wo entstehen dann die Konflikte?
CHRISTOPH MASCHEK: Vor allem dort, wo industrielle Nachfrage auf bestehende Ressourcen trifft. Auch Brauchwasser für Industrie stammt letztlich aus denselben Grundwasserleitern wie Trinkwasser. Das führt zu Nutzungskonflikten – etwa im Industriepark Schwarze Pumpe. Dort wird bereits intensiv über verfügbare Mengen diskutiert. Wir können aus dem bestehenden System heraus unterstützen. Aber bei größeren, wasserintensiven Ansiedlungen reicht das nicht mehr.
CHRISTOPH MASCHEK: Vor allem dort, wo industrielle Nachfrage auf bestehende Ressourcen trifft. Auch Brauchwasser für Industrie stammt letztlich aus denselben Grundwasserleitern wie Trinkwasser. Das führt zu Nutzungskonflikten – etwa im Industriepark Schwarze Pumpe. Dort wird bereits intensiv über verfügbare Mengen diskutiert. Wir können aus dem bestehenden System heraus unterstützen. Aber bei größeren, wasserintensiven Ansiedlungen reicht das nicht mehr.
FORUM: Warum versucht man vor Ort teilweise, eigene Lösungen zu entwickeln?
CHRISTOPH MASCHEK: Das hat wirtschaftliche Gründe. Betreiber von Industrieparks wollen unabhängig sein und eigene Strukturen aufbauen. Das Problem entsteht, wenn dadurch Konkurrenz um dieselben Grundwasserressourcen entsteht. Deshalb braucht es eine klare politische Festlegung: Wer ist der verantwortliche Versorger?
Aus unserer Sicht muss der kommunale Versorger diese Rolle übernehmen – im Sinne der Solidargemeinschaft. Eigene Systeme können ergänzen, aber nicht das Gesamtsystem unterlaufen.
CHRISTOPH MASCHEK: Das hat wirtschaftliche Gründe. Betreiber von Industrieparks wollen unabhängig sein und eigene Strukturen aufbauen. Das Problem entsteht, wenn dadurch Konkurrenz um dieselben Grundwasserressourcen entsteht. Deshalb braucht es eine klare politische Festlegung: Wer ist der verantwortliche Versorger?
Aus unserer Sicht muss der kommunale Versorger diese Rolle übernehmen – im Sinne der Solidargemeinschaft. Eigene Systeme können ergänzen, aber nicht das Gesamtsystem unterlaufen.
FORUM: Wie ist das geplante System technisch gedacht – als echtes Ringnetz?
CHRISTOPH MASCHEK: Ja. Ziel ist ein System, das in beide Richtungen funktioniert. Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Viele bestehende Leitungen sind historisch nur für eine Fließrichtung ausgelegt. Diese müssen ertüchtigt werden, damit ein echter Verbund entsteht. Das erhöht die Versorgungssicherheit erheblich – bis hin zu einer sehr hohen Ausfallsicherheit, solange kein extremer Katastrophenfall eintritt.
CHRISTOPH MASCHEK: Ja. Ziel ist ein System, das in beide Richtungen funktioniert. Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Viele bestehende Leitungen sind historisch nur für eine Fließrichtung ausgelegt. Diese müssen ertüchtigt werden, damit ein echter Verbund entsteht. Das erhöht die Versorgungssicherheit erheblich – bis hin zu einer sehr hohen Ausfallsicherheit, solange kein extremer Katastrophenfall eintritt.
FORUM: Über welche Größenordnung sprechen wir bei dem Projekt?
CHRISTOPH MASCHEK: Der Trinkwasserverbund umfasst 67 Einzelmaßnahmen mit einem Gesamtvolumen von rund 280 Millionen Euro.
CHRISTOPH MASCHEK: Der Trinkwasserverbund umfasst 67 Einzelmaßnahmen mit einem Gesamtvolumen von rund 280 Millionen Euro.
FORUM: Wird der Verbraucher das über steigende Preise spüren?
CHRISTOPH MASCHEK: Nur in sehr geringem Umfang. Die Finanzierung ist so angelegt, dass Fördermittel die Investitionskosten weitgehend ausgleichen. Die Abschreibungen werden über den Förderzeitraum neutralisiert. Das entlastet die Gebührenstruktur deutlich.
CHRISTOPH MASCHEK: Nur in sehr geringem Umfang. Die Finanzierung ist so angelegt, dass Fördermittel die Investitionskosten weitgehend ausgleichen. Die Abschreibungen werden über den Förderzeitraum neutralisiert. Das entlastet die Gebührenstruktur deutlich.
FORUM: Die Umsetzung zieht sich teilweise bis 2032 oder 2038. Ist das angesichts des Strukturwandels nicht zu langsam?
CHRISTOPH MASCHEK: Die Geschwindigkeit ist ein Thema, ja. Aber die Maßnahmen bauen aufeinander auf. Man kann ein solches System nicht parallel komplett errichten. Gleichzeitig bleibt so die Möglichkeit, flexibel auf neue Entwicklungen zu reagieren. Die größte Herausforderung liegt nicht in der Technik, sondern in den Verfahren.
CHRISTOPH MASCHEK: Die Geschwindigkeit ist ein Thema, ja. Aber die Maßnahmen bauen aufeinander auf. Man kann ein solches System nicht parallel komplett errichten. Gleichzeitig bleibt so die Möglichkeit, flexibel auf neue Entwicklungen zu reagieren. Die größte Herausforderung liegt nicht in der Technik, sondern in den Verfahren.
FORUM: Was sind die größten Risiken für Verzögerungen?
CHRISTOPH MASCHEK: Ganz klar: Bürokratie. Genehmigungsprozesse dauern zu lange. Hier braucht es eine Priorisierung – vergleichbar mit dem Ausbau erneuerbarer Energien. Wenn der Strukturwandel schnell gehen soll, muss auch die Infrastruktur entsprechend beschleunigt werden.
CHRISTOPH MASCHEK: Ganz klar: Bürokratie. Genehmigungsprozesse dauern zu lange. Hier braucht es eine Priorisierung – vergleichbar mit dem Ausbau erneuerbarer Energien. Wenn der Strukturwandel schnell gehen soll, muss auch die Infrastruktur entsprechend beschleunigt werden.
FORUM: Wie abhängig ist das Projekt von Fördermitteln?
CHRISTOPH MASCHEK: Im Brandenburger Teil gibt es Planungssicherheit, weil die Projekte gebündelt bewilligt wurden. Anders sieht es in Sachsen aus. Dort wird jedes Vorhaben einzeln entschieden – bei gleichzeitig knappen Mitteln. Das ist ein Risiko. Grundsätzlich gilt: Diese Investitionen werden für den Strukturwandel getätigt. Die reine Daseinsvorsorge könnten die Versorger auch allein leisten.
CHRISTOPH MASCHEK: Im Brandenburger Teil gibt es Planungssicherheit, weil die Projekte gebündelt bewilligt wurden. Anders sieht es in Sachsen aus. Dort wird jedes Vorhaben einzeln entschieden – bei gleichzeitig knappen Mitteln. Das ist ein Risiko. Grundsätzlich gilt: Diese Investitionen werden für den Strukturwandel getätigt. Die reine Daseinsvorsorge könnten die Versorger auch allein leisten.
FORUM: Was bedeutet das für länderübergreifende Standorte wie Schwarze Pumpe?
CHRISTOPH MASCHEK: Ein Alleingang macht dort keinen Sinn. Die Landesgrenze verläuft mitten durch den Industriepark. Wenn ein Partner ausfällt, hätte das fatale Signalwirkung für Investoren. Deshalb ist klar: Brandenburg und Sachsen müssen gemeinsam handeln.
CHRISTOPH MASCHEK: Ein Alleingang macht dort keinen Sinn. Die Landesgrenze verläuft mitten durch den Industriepark. Wenn ein Partner ausfällt, hätte das fatale Signalwirkung für Investoren. Deshalb ist klar: Brandenburg und Sachsen müssen gemeinsam handeln.
FORUM: Wer steuert ein so komplexes Projekt eigentlich?
CHRISTOPH MASCHEK: Es ist eine Kooperation mehrerer Wasserversorger. In der Arbeitsgemeinschaft gibt es Sprecher für Brandenburg und Sachsen, die die Anforderungen bündeln und gegenüber der Politik vertreten. Gleichzeitig bleibt jeder Versorger für seine Projekte verantwortlich. Das bedeutet: viel Abstimmung, viel Koordination – und oft auch diplomatisches Geschick, um unterschiedliche Interessen zusammenzubringen.
CHRISTOPH MASCHEK: Es ist eine Kooperation mehrerer Wasserversorger. In der Arbeitsgemeinschaft gibt es Sprecher für Brandenburg und Sachsen, die die Anforderungen bündeln und gegenüber der Politik vertreten. Gleichzeitig bleibt jeder Versorger für seine Projekte verantwortlich. Das bedeutet: viel Abstimmung, viel Koordination – und oft auch diplomatisches Geschick, um unterschiedliche Interessen zusammenzubringen.
FORUM: Welche Rolle spielt der Klimawandel in der Planung?
CHRISTOPH MASCHEK: EINE GROSSE. WASSERWIRT-schaft denkt in langen Zeiträumen – oft 50 Jahre und mehr. Das System wird so ausgelegt, dass es auch mit zunehmenden Trockenperioden umgehen kann. Ein Grundprinzip dabei ist: Starke Ressourcen stützen schwächere. Der Verbund schafft genau diese Balance.
CHRISTOPH MASCHEK: EINE GROSSE. WASSERWIRT-schaft denkt in langen Zeiträumen – oft 50 Jahre und mehr. Das System wird so ausgelegt, dass es auch mit zunehmenden Trockenperioden umgehen kann. Ein Grundprinzip dabei ist: Starke Ressourcen stützen schwächere. Der Verbund schafft genau diese Balance.
FORUM: Wenn Sie heute den größten Unsicherheitsfaktor benennen müssten – welcher wäre das?
CHRISTOPH MASCHEK: Die Politik. Nicht auf Landesebene – dort wird umgesetzt, was möglich ist. Aber auf Bundes- und europäischer Ebene fehlt oft die Verlässlichkeit. Unklare energiepolitische Linien, wechselnde Prioritäten, fehlende Planungssicherheit – das alles wirkt direkt auf Infrastrukturprojekte wie dieses. Oder anders gesagt: Wer A sagt beim Strukturwandel, muss auch B liefern.
CHRISTOPH MASCHEK: Die Politik. Nicht auf Landesebene – dort wird umgesetzt, was möglich ist. Aber auf Bundes- und europäischer Ebene fehlt oft die Verlässlichkeit. Unklare energiepolitische Linien, wechselnde Prioritäten, fehlende Planungssicherheit – das alles wirkt direkt auf Infrastrukturprojekte wie dieses. Oder anders gesagt: Wer A sagt beim Strukturwandel, muss auch B liefern.
Zahlen und Fakten
- Große Industriestandorte benötigen oft mehrere Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr.
- Große Einzelansiedlungen liegen typischerweise bei 0,5 bis 3 Millionen Kubikmetern pro Jahr.
- Wasserstoffproduktion braucht für die Elektrolyse rund 9 bis 15 Liter Wasser je Kilogramm Wasserstoff.
- 100.000 Tonnen Wasserstoff pro Jahr entsprechen damit grob 0,9 bis 1,5 Millionen Kubikmetern Wasser pro Jahr (ohne zusätzliche Kühlung und Aufbereitung).
- 100.000 Einwohner verbrauchen im Trinkwasserbereich jährlich etwa 4,4 bis 4,6 Millionen Kubikmeter.
- Kühlwasser und Aufbereitung erhöhen den tatsächlichen Bedarf industrieller Anlagen teilweise deutlich.
- Landwirtschaft wird in Trockenjahren zum zusätzlichen Wettbewerber um Wasser.
- In der Lausitz trifft dieser Mehrbedarf auf ein System, in dem das Wasserdargebot durch den Kohleausstieg und geringere Niederschläge sinkt.
Einordnung: Ein großer Industriestandort kann so viel Wasser benötigen wie eine mittlere Stadt. Mehrere neue Projekte gleichzeitig bringen das System schnell an seine Grenzen. Deshalb ist die Wasserlücke in der Lausitz ist nicht abstrakt – sie entsteht rechnerisch bereits, wenn steigender Bedarf auf sinkende Verfügbarkeit trifft. Ohne Wasser kein Wandel. So einfach ist die Gleichung.
Wasserkongress in Dresden am 1. Juli
Mit dem länderübergreifenden Wasserkongress am 1. Juli in Dresden setzen die Industrie- und Handelskammern aus Berlin, Brandenburg und Sachsen gemeinsam mit dem Verband kommunaler Unternehmen e.V. und dem Verein Berliner Kaufleute und Industrieller e.V. ein Zeichen. Ziel ist es, Herausforderungen einzuordnen und konkrete Lösungsansätze für eine zukunftsfähige Wasserwirtschaft zu entwickeln.
Der Beitrag und die Interviews von Jörg Tudyka erschienen im FORUM 6|2026