Digitaler Produktpass

Was ist der Digitale Produktpass?

Eintrittskarte zur Kreislaufwirtschaft, Digitaler Lebenslauf, Zukunft der Produktinformationen, Digitales Ausweisdokument, Produkt-Avatar, Lebenszyklus-Datensatz … es gibt viele Beschreibungen für den Digitalen Produktpass (DPP), der 2027 EU-weit schrittweise eingeführt werden soll. Wie bei so vielen Verordnungen aus Brüssel stehen aber zugleich Fragen im Raum: Was steckt im DPP? Welche Informationen werden künftig relevant? Welche Produkte sind betroffen? Welche Chancen ergeben sich für Effizienz, Innovation und Marktpositionierung?
Antworten von drei Experten und Raum für den Meinungsaustausch bot ein Webinar, zu dem die IHK Cottbus und Ulm eingeladen hatten. Über 400 Mitglieder – davon rund die Hälfte aus Industriebetrieben – nutzten die Chance, einen praxisnahen Überblick zu bekommen. Ein gemeinsames Grundverständnis für diese neue europäische Verordnung schuf Thomas L. Rödding, Pionier des Digitalen Produktpasses und CEO von Narravero, einem interdisziplinären Team aus Technologie-, Produkt- und Regulierungsfachleuten. Digitalexperte Rödding richtete einen kurzen Blick in die Geschichte des DPP, der zeigte, wie komplex und anspruchsvoll der Weg zu EU-einheitlichen Normen und Standards war.

Transparente Produktdaten entlang des gesamten Lebenszyklus

Nun wird der DPP als vertrauenswürdige Datenquelle, die die komplette Lebensgeschichte eines Produktes digital offenbart, Schritt für Schritt EU-weite Praxis. Die „lebendige Dokumentation“ enthält vielschichtige Informationen, so Materialien, Hersteller, Lieferkette, Gebrauchsanweisung, Pflege, Wartung, Risiken, CO₂-Bilanz, eingesetzte Chemikalien, Reparierbarkeit, Wiederverwertung … Träger der Dokumentation ist ein QR-Code, der auch Zugriffsrechte, Informationssicherheit und Vertraulichkeit disponiert.

Mehr als eine Pflicht: Chancen für Unternehmen

Ein Scan genügt – und schon liegen die Informationen differenziert für Unternehmen, Geschäftspartner, Verbraucher und Behörden vor. Prospekte, Formularflut, Gebrauchsanweisungen, verschiedene Webseiteninhalte werden unnötig. Der Tipp des Experten: Verstehen Sie den DPP nicht als weitere Rechtsvorschrift, sondern als strategische Infrastruktur. Er liefert verpflichtende, standardisierte Informationen, die Vergleichbarkeit schaffen, Vertrauen aufbauen, und bietet zugleich vielfältige Mehrwertinhalte.
Den „DPP als strategisches Werkzeug“ beleuchtete Dr. Justus von Geibler, Co-Leiter des Forschungsbereichs Innovationslabore am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. Der Wissenschaftler legte in seinen Ausführungen den Schwerpunkt auf den Digitalen Produktpass als ein zentrales Instrument der europäischen Nachhaltigkeits- und Kreislaufwirtschaftspolitik. „Ziel ist, entlang des gesamten Lebenszyklus von Produkten transparente Informationen bereitzustellen – von der Herstellung über Nutzung und Reparatur bis hin zum Recycling“, so Dr. Justus von Geibler. Der digitale Datensatz als Container für produktspezifische Informationen bietet Unternehmen ganz neue Chancen. Er weist die digitale Identität des Produktes aus, speichert gesetzliche und ökologische Daten direkt am physischen Erzeugnis (Stichwort Produkt-Compliance), sorgt für Lieferketten-Transparenz, erweitert die Serviceangebote, dämmt Plagiate und Greenwashing ein. Der Tipp des Experten: „Organisieren Sie Ihre Daten frühzeitig. Es lohnt sich.“

Ein Praxisbeispiel aus der Industrie

Der DPP wird schrittweise und EU-weit Standard für sämtliche physischen Produkte von Baustoffen über elektronische Erzeugnisse bis zur Kleidung. Das Unternehmensbeispiel direkt aus der Praxis kam von Annika März, Head of Communications der Speira GmbH, einem der führenden europäischen Aluminiumwalz- und Recyclingunternehmen mit 5.000 Mitarbeitern an elf Standorten. Anschaulich erklärte sie am Beispiel der Red-Bull-Aluminiumdose, wie die speira.ID, der digitale Produktpass des Unternehmens, im Team erarbeitet wurde und bereits gängige Praxis ist. Die Datenkette von der Gießerei bis zum Kundenportal ist allzeit verfüg-, verifizier- und aktualisierbar, liefert alle Informationen des Produkts und sorgt für maximale Transparenz entlang der Wertschöpfungskette. Der Tipp der Expertin: Nutzen Sie den DPP, um Ihre Produkte nachhaltig zu positionieren.

Brandenburg Media / Brigitta Sonntag