PM 75 | 07.10.2026
Sächsische Unternehmen fordern Fairness im Wettbewerb mit China
Chinesische Wettbewerber setzen deutsche Unternehmen zunehmend unter Druck. Das zeigt eine aktuelle Sonderumfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), an der sich bundesweit 1.325 Unternehmen beteiligt haben.
Zwei Drittel der Unternehmen berichten von einer wachsenden Konkurrenz durch chinesische Anbieter. Besonders stark betroffen ist die Industrie.
Die Rückmeldungen aus Sachsen bestätigen diesen Trend. Mit rund 85 Prozent berichtet hier sogar ein deutlich größerer Anteil der befragten Unternehmen von einer zunehmenden Konkurrenz aus China. Der Wettbewerbsdruck wird dabei nicht nur auf dem chinesischen Markt wahrgenommen, sondern vor allem im Inland, im europäischen Binnenmarkt und zunehmend auch auf Drittmärkten.
„Der Wettbewerb mit chinesischen Unternehmen hat eine neue Dimension erreicht. Viele Unternehmen aus Sachsen stehen längst nicht mehr nur auf internationalen Märkten im Wettbewerb mit chinesischen Anbietern, sondern zunehmend auch vor ihrer eigenen Haustür. Ursächlich dafür sind meist massive Preisunterschiede, aber zunehmend auch bessere und digitale Produkte aus der Volksrepublik“,
sagt Martin Witschaß, Geschäftsführer Standortpolitik der IHK Chemnitz.
Bundesweit reagieren die Unternehmen vor allem mit Produktinnovationen, Kostensenkungen und der Erschließung neuer Absatzmärkte auf den steigenden Wettbewerbsdruck. Die sächsischen Unternehmen verfolgen ähnliche Strategien. Gleichzeitig machen die Rückmeldungen deutlich, dass die Handlungsspielräume vieler Betriebe durch hohe Standortkosten eingeschränkt werden.
Besonders häufig kritisieren die Unternehmen Wettbewerbsverzerrungen. Sie berichten von Dumpingpreisen, staatlich unterstützten Wettbewerbern, hohen Energie- und Arbeitskosten in Deutschland sowie wachsenden bürokratischen Anforderungen. Ein Unternehmen aus Sachsen schildert Preisunterschiede von bis zu 80 Prozent gegenüber chinesischen Wettbewerbern. Andere berichten von Schwierigkeiten durch Online-Plattformen, über die chinesische Produkte zu Preisen angeboten werden, mit denen heimische Anbieter kaum konkurrieren können.
„Viele Unternehmen haben nicht den Eindruck, unter gleichen Bedingungen zu konkurrieren. Deshalb braucht es einerseits ein geschlossenes und entschlossenes europäisches Auftreten gegenüber China. Andererseits müssen wir die Wettbewerbsfähigkeit unseres eigenen Standorts stärken. Hohe Energiepreise, steigende Lohnnebenkosten und überbordende Bürokratie schwächen unsere Unternehmen zusätzlich“,
so Witschaß.
Von der Europäischen Union erwarten die Unternehmen vor allem ein gemeinsames außenwirtschaftliches Auftreten sowie den Abbau strategischer Abhängigkeiten von China. Gleichzeitig spricht sich eine Mehrheit für Maßnahmen aus, die europäische Interessen und kritische Infrastruktur besser schützen.
Interessant ist dabei der Blick nach Sachsen: Während bundesweit 55 Prozent der Unternehmen stärkere handelspolitische Maßnahmen gegenüber China unterstützen würden, auch wenn dies Nachteile für das eigene Unternehmen mit sich bringen könnte, fällt das Meinungsbild im Freistaat deutlich differenzierter aus. Viele Unternehmen sehen China nicht nur als Wettbewerber, sondern zugleich als wichtigen Absatzmarkt, Beschaffungsmarkt und Innovationspartner. Entsprechend werben sie für Augenmaß und die Vermeidung neuer Handelshemmnisse.
Die Umfrage verdeutlicht damit: Der Wettbewerbsdruck durch chinesische Anbieter nimmt weiter zu. Für die Unternehmen steht jedoch nicht allein die Forderung nach Schutzmaßnahmen im Vordergrund. Ebenso wichtig sind faire Wettbewerbsbedingungen und eine wirtschaftspolitische Stärkung des Standorts Deutschland und Europas.
Hintergrund
Für die DIHK-Sonderumfrage „Deutsche Wirtschaft im Wettbewerb mit China“ wurden im Juli und August 2026 bundesweit 1.325 Unternehmen befragt. Aus Sachsen beteiligten sich 40 Unternehmen verschiedener Branchen und Größenklassen.
Für die DIHK-Sonderumfrage „Deutsche Wirtschaft im Wettbewerb mit China“ wurden im Juli und August 2026 bundesweit 1.325 Unternehmen befragt. Aus Sachsen beteiligten sich 40 Unternehmen verschiedener Branchen und Größenklassen.