PM 17 | 06.03.2026

IHK begrüßt vorläufige Anwendung des Mercosur-Abkommens

Die Industrie- und Handelskammer Chemnitz begrüßt die Fortschritte beim Partnerschaftsabkommen zwischen der Europäischen Union und den Mercosur-Staaten ausdrücklich.
Mit mehr als 700 Millionen Konsumentinnen und Konsumenten entsteht die größte Freihandelszone der Welt. Für die exportorientierte deutsche und europäische Wirtschaft eröffnet dies erhebliche Chancen.
Nachdem einzelne Mercosur-Staaten – darunter Argentinien und Uruguay – das Abkommen bereits ratifiziert haben, hat die Europäische Union beschlossen, das Abkommen mit diesen Ländern vorläufig anzuwenden. Dieser Schritt ist ein wichtiges politisches Signal für offene Märkte und regelbasierten Handel. In Kraft treten kann das Abkommen erst, wenn es vom Europäischen Parlament verabschiedet und von allen EU-Mitgliedsstaaten ratifiziert wurde. Ein vom Europäischen Parlament zu Jahresbeginn beim Europäischen Gerichtshof eingereichtes Rechtsgutachten kann die endgültige Entscheidung verzögern.
„Die vorläufige Anwendung ist ein klares Signal, dass die EU auf Freihandel setzt. Der lateinamerikanische Wirtschaftsraum ist für uns sowohl ökonomisch als auch geostrategisch von herausragender Bedeutung. Auch für die Wirtschaft in Südwestsachsen tun sich Chancen auf. Das EU-Mercosur-Abkommen stärkt unsere Rohstoff- und Energiepartnerschaften mit den Mercosur-Staaten und trägt entscheidend dazu bei, Lieferketten breiter aufzustellen und damit deutlich krisenfester zu machen“,
erklärt Christoph Neuberg, Hauptgeschäftsführer der IHK Chemnitz.
Das Abkommen sieht vor, dass Zölle für rund 91 Prozent der Einfuhren in die Mercosur-Staaten abgeschafft werden. Nach Einschätzungen der Europäischen Kommission könnten die europäischen Exporte in die Region dadurch um bis zu 39 Prozent steigen. Besonders große Potenziale bestehen in Branchen wie Kraftfahrzeugbau, Maschinenbau und der chemischen Industrie – also genau in den Bereichen, in denen viele Unternehmen unserer Region international wettbewerbsfähig sind.
„Aus Sicht der Wirtschaft ist es nun wichtig, die Klärung einzelner Rahmenbedingungen zügig voranzubringen und den Unternehmen Planungssicherheit zu geben. Ein modernes Handelsabkommen mit den Mercosur-Staaten kann einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die internationale Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen zu stärken, neue Märkte zu erschließen und wirtschaftliche Partnerschaften zu vertiefen“,
erklärt Neuberg.
„Nicht zuletzt wird durch das Abkommen auch der Rohstoffbezug aus Südamerika attraktiver, was zur Diversifizierung von Abhängigkeiten beitragen kann.“
Die Mercosur-Staaten:
Zum Gemeinsamen Südamerikanischen Markt (Mercosur) gehören Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay. Auch Venezuela trat der Wirtschaftsgemeinschaft 2012 bei, wurde jedoch im Jahr 2016 aufgrund politischer Entwicklungen im Land suspendiert. Hinzu kommen Bolivien, Chile, Ecuador, Guyana, Kolumbien, Peru und Suriname als assoziierte Mitglieder ohne Stimmrecht. Mexiko und Neuseeland haben einen Beobachterstatus.