PM 12 | 10.02.2026
Über die Umfrage
Regionale Wirtschaft bleibt unter Druck
Die wirtschaftliche Lage im Kammerbezirk Chemnitz bleibt auch Anfang 2026 angespannt. Zwar zeigt der IHK-Geschäftsklimaindex eine leichte Erholung auf 91 Punkte, jedoch verharren sowohl Lage als auch Erwartungen weiterhin auf einem niedrigen Niveau.
Die Unternehmen kämpfen vor allem mit schwacher Inlands- und Auslandsnachfrage, steigenden Kosten und unsicheren wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Besonders belastend wirkt sich der hohe Kostendruck aus, allen voran die Arbeitskosten, die im Risikoradar der IHK seit zwei Jahren das am häufigsten genannte Geschäftsrisiko darstellen.
Laut Umfrage geben 72 Prozent der Unternehmen an, dass die gestiegenen Arbeitskosten ihr Geschäft belasten – mehr als Inlandsnachfrage, Energiepreise oder wirtschaftspolitische Unsicherheiten. Besonders betroffen sind arbeitsintensive Branchen wie Einzelhandel, Verkehr und Dienstleistungen.
Auch im Baugewerbe, der Industrie sowie im Gastgewerbe gehören Arbeitskosten inzwischen zu den dominierenden Risikofaktoren. Dies führt vielfach zu Personalabbau, verzögerten Neueinstellungen und einer starken Zurückhaltung bei Investitionen und Innovationen.
„Die Politik muss handeln – Arbeitskosten dürfen nicht zur Wachstumsbremse werden“
IHK-Hauptgeschäftsführer Christoph Neuberg mahnt daher strukturelle Reformen an:
„Die steigenden Arbeitskosten entwickeln sich zum zentralen Geschäftsrisiko für die regionale Wirtschaft. Unsere Unternehmen brauchen dringend Entlastung – und zwar unverzüglich! Wir brauchen ein Rentenmodell, das sich der demografischen Realität anpasst, eine klare Finanzierung staatlicher Aufgaben außerhalb der Sozialversicherungen sowie mehr Flexibilität am Arbeitsmarkt. Andere Länder wie Dänemark machen vor, wie ein modernes Flexicurity-System funktionieren kann.
Ebenso müssen die Krankenversicherungsstrukturen so weiterentwickelt werden, dass sie stärker auf Anreize setzen und effizienter werden. Wenn wir diese Hebel nicht nutzen, gefährden wir Wettbewerbsfähigkeit, Beschäftigung und Wohlstand deutschlandweit.“
Unternehmen reagieren mit Vorsicht – Beschäftigung und Investitionen rückläufig
Die Arbeitskostenbelastung zeigt unmittelbare Auswirkungen auf betriebliche Entscheidungen:
- Beschäftigungssaldo: –19 Punkte – viele Unternehmen bauen Personal ab oder stellen nur noch sehr zurückhaltend ein.
- Investitionen: Fokus auf Substanzerhalt und Effizienz, Innovationsprojekte werden häufig verschoben.
- Finanzierung: 81 % setzen auf Eigenmittel – ein Zeichen für Risikoaversion.
IHK fordert verlässliche und wachstumsorientierte wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen
Die IHK Chemnitz empfiehlt angesichts der wachsenden Arbeitskosten:
- Koppelung des Renteneintrittsalters an die demografische Entwicklung – Stabilisierung der Sozialversicherungsbeiträge und Entlastung der Unternehmen.
- Finanzierung versicherungsfremder Leistungen durch den Staat – klare Trennung staatlicher und beitragsfinanzierter Aufgaben.
- Mehr Flexibilität am Arbeitsmarkt – Kombination aus hoher Beschäftigungsdynamik und sozialer Absicherung.
- Weiterentwicklung der Krankenversicherung hin zu mehr Anreizkompatibilität – effizientere Versorgung und langfristige Stabilisierung der Beiträge.
Über die Umfrage
An der IHK-Konjunkturumfrage zum Jahresbeginn 2026 beteiligten sich 599 Unternehmen mit 25.909 Beschäftigten aus Industrie, Bau, Dienstleistungen, Handel, Verkehr sowie Gastgewerbe. Die Befragung fand vom 15.12.2025 bis 16.01.2026 statt.
Der vollständige Bericht sowie der Konjunkturbericht der sächsischen Wirtschaft finden sich auf unserer Informationsseite zur Konjunktur.