Produktbezeichnungen zwischen Tradition und Innovation / IHK Nord warnt vor den Folgen eines EU-Benennungs-Verbots für pflanzenbasierte Fleischersatzprodukte

(PM 47-2025, 18.11.2025) Gemeinsame Pressemitteilung der Handelskammer Bremen – IHK für Bremen und Bremerhaven und der IHK Nord e.V.:

Die IHK Nord kritisiert die Entscheidung des Europäischen Parlaments, Bezeichnungen wie „Wurst“, „Schnitzel“ oder „Burger“ künftig ausschließlich für tierische Erzeugnisse zuzulassen. Das geplante Verbot der Verwendung der Bezeichnungen für pflanzenbasierte Alternativen gefährde nach Auffassung der IHK Nord Innovation, verursache erhebliche Kosten und gehe an der Realität moderner Verbraucherinnen und Verbraucher vorbei.

„Norddeutschlands Ernährungswirtschaft steht für Vielfalt, Qualität und Fortschritt – von der traditionellen Fleischproduktion bis zur pflanzenbasierten Innovation“, betont Thomas Buhck, Vorsitzender der IHK Nord. „Europa sollte diese Entwicklung fördern, nicht ausbremsen. Ein Verbot von Produktbezeichnungen ist Symbolpolitik, die niemandem hilft – weder Erzeugern noch Verbrauchern noch den Unternehmen.“
Mit rund 100.000 Beschäftigten gehört die Ernährungswirtschaft zu den stärksten Industriezweigen Norddeutschlands. Sie vereint Tradition mit Forschung, Technologie und internationaler Wettbewerbsfähigkeit. Beide Segmente – klassische Erzeugung und pflanzenbasierte Alternativen – sichern Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Exportkraft. Sollten die geplanten EU-Vorgaben in Kraft treten, müssten Hersteller ihre Markenauftritte, Verpackungen und Produktnamen umfassend anpassen – mit Folgekosten in Millionenhöhe.

„Der Norden zeigt, dass Tradition und Innovation keine Gegensätze sind“, so Buhck weiter. „Unsere Betriebe brauchen faire Marktbedingungen – keine Vorschriften, die Millionen Euro für neue Verpackungen, Rebranding und Umetikettierungen kosten, ohne einen Mehrwert zu schaffen.“

Die IHK Nord plädiert dafür, Verbraucherinnen und Verbrauchern durch klare und sachliche Kennzeichnung Orientierung zu bieten – nicht durch zusätzliche Verbote. Begriffe wie „pflanzlich“ oder „auf Basis von Erbsenprotein“ seien eindeutig, praktikabel und längst im Sprachgebrauch etabliert. „Die Menschen wissen sehr genau, was sie kaufen“, sagt Buhck. „Wir brauchen Klarheit durch Information, nicht Bevormundung durch Regulierung.“

Norddeutschland ist ein Kernstandort der deutschen Ernährungswirtschaft und zunehmend auch ein Zentrum für alternative Proteinproduktion. Eine innovationsfreundliche Regulierung ist daher entscheidend, um die Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Sektors zu sichern. „Wenn Europa Innovation ernst meint, muss es auch den Mut haben, neue Wege zuzulassen“, fordert Thomas Buhck. „Verbote bremsen Märkte, in denen wir eigentlich Investitionen und Gründergeist brauchen.“

Die IHK Nord appelliert an die EU-Institutionen und den nationalen Gesetzgeber, die Entscheidung zu überdenken und Rahmenbedingungen zu schaffen, die Marktneutralität, Verbrauchertransparenz und Innovationsförderung miteinander verbinden. „Wir brauchen eine Politik, die Vielfalt als Stärke versteht – nicht als Risiko“, so Buhck abschließend. „Norddeutschland kann Vorreiter einer modernen, nachhaltigen Ernährungswirtschaft sein, wenn Brüssel den Mut hat, Fairness über Formalismus zu stellen.“