Handelskammer-Konjunkturreport zum Frühjahr: Geschäftsklima im Land Bremen leicht verbessert / Große Unterschiede in den einzelnen Branchen

(PM 18-2023, 28.04.2023) Zum zweiten Mal in Folge hat sich nach dem Einbruch im Herbst 2022 der Geschäftsklimaindex der bremischen Wirtschaft verbessert. Zwar hat die aktuelle Geschäftslage seit Jahresbeginn leicht nachgelassen, generell überwiegen aber die positiven Rückmeldungen aus den Unternehmen in Bremen und Bremerhaven. Die Geschäftsaussichten zeigen sich zudem insgesamt weniger negativ als zuletzt, jedoch mit großen Unterschieden in den einzelnen Branchen. Dies ergab der Konjunkturreport der Handelskammer Bremen – IHK für Bremen und Bremerhaven zum Frühjahr 2023. An der Quartalsumfrage haben sich 303 Unternehmen aus dem produzierenden Gewerbe, aus Handel und Dienstleistungen im Land Bremen beteiligt.
Vor allem von Hotellerie und Gastronomie, vom Kreditgewerbe und von den Sonstigen Dienstleistungen wird die aktuelle Geschäftslage als vergleichsweise gut beurteilt. Noch leicht negativ sieht die Industrie ihre aktuelle Geschäftssituation, allerdings melden die Industriebetriebe zugleich einen gestiegenen Auftragseingang. Ein im Vergleich zum vorherigen Quartal verschlechtertes Geschäft melden der Groß- und Außenhandel sowie die Verkehrs- und Logistikdienstleistungen.
Vor allem die Industrie schätzt die Geschäftsaussichten für die kommenden Monate zuversichtlich ein. Hierbei spiele insbesondere ein sich verbesserndes Exportgeschäft eine wichtige Rolle. Auch in den anderen Geschäftsbereichen fallen die Erwartungen für die kommenden Monate besser aus als es noch zum Jahreswechsel der Fall war. Als Risiken werden wie bisher der Fachkräftemangel, die Energie- und Rohstoffpreise sowie die hohe Inflation genannt. Ein positives Zeichen für die Gesamtentwicklung ist eine wieder leicht zunehmende Investitionsbereitschaft der Unternehmen.
Handelskammer-Hauptgeschäftsführer Dr. Matthias Fonger sagt: „Auch wenn die Geschäftserwartungen in der Summe noch negativ ausfallen, gibt es derzeit auch positive Anzeichen für die kommenden Monate. So zeigen die Unternehmen insgesamt wieder eine leicht zunehmende Investitionsbereitschaft, und in der stark von der Auslandsnachfrage abhängigen bremischen Industrie sind die Exporterwartungen deutlich gestiegen. Dies zeigt allerdings auch, wie bedeutend die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Industrie für den Wirtschaftsstandort ist. Es wird daher sehr wichtig sein, dass wir die industrielle Produktion in unserem Land – wo immer es möglich ist – stärken und die Unternehmen von unnötigen Belastungen freihalten.“
Geschäftsklima in der Stadt Bremen
In der Summe überwiegen in der stadtbremischen Wirtschaft die positiven Rückmeldungen, wenngleich die aktuelle Geschäftslage von vielen Befragten wieder weniger gut als im vorigen Quartal bezeichnet wird.  Neben bekannten Risiken wie Arbeitskosten und Inlandsnachfrage werden aktuell vermehrt auch das steigende Zinsniveau und – damit verbunden – die Finanzierung genannt. Alles in allem steigt der Handelskammer-Konjunkturindikator für die stadtbremische Wirtschaft um 13 auf jetzt 98 Punkte. Bei einem Mittelwert von 105 Punkten in den zurückliegenden zehn Jahren bedeutet dies weiterhin ein un-terdurchschnittliches Niveau.
Geschäftsklima in Bremerhaven
Überwiegend neutral fällt die aktuelle Lagebewertung in der Bremerhavener Wirtschaft aus. In der Seestadt lässt momentan zwar die Geschäftslage nach, zugleich fallen aber die Geschäftserwartungen positiver aus als noch im vorherigen Quartal. Auch in Bremerhaven zeigen sich die Personal- und Investitionsplanungen im Vergleich zum Jahreswechsel nahezu unverändert: Die meisten der befragten Unternehmen wollen die Zahl ihrer Mitarbeitenden konstant halten. Geschäftslage und Geschäftserwartungen zusammengenommen, stagniert der Handelskammer-Konjunkturindikator in der Seestadt unverändert bei 90 Punkten – auch dies angesichts eines Zehn-Jahres-Mittelwerts von 100 Punkten also auf unterdurchschnittlichem Niveau.
Geschäftsklima nach Branchen
In der bremischen Industrie hat sich die Stimmung deutlich aufgehellt. Vor allem die Geschäftserwartungen haben sich verbessert. Der Indikator für die Industriekonjunktur steigt um 15 auf nun 99 Punkte und nähert sich dem Durchschnittswert der vergangenen zehn Jahre von 104 Punkten. Anders als in den vorhergehenden Quartalen beurteilt das Baugewerbe seine aktuelle Lage neutral bis leicht positiv. Nachdem im ersten Quartal 2023 die Neuaufträge stark rückläufig waren, hat sich diese Situation momentan leicht verbessert. Der Branchenindikator steigt um 15 auf 87 Punkte (Durchschnitt 107).
Der Einzelhandel bewertet seine aktuelle Geschäftslage nicht mehr so negativ wie noch im ersten Quartal des laufenden Jahres. Allerdings befürchten sowohl der stationäre als auch der Online-Handel eine rückläufige Konsumneigung und eine nachlassende Inlandsnachfrage. Der Konjunkturindex für den Einzelhandel notiert mit einem Plus von 15 auf 95 Punkte nur noch knapp unter dem Zehn-Jahres-Durchschnitt von 97 Punkten.
Im Groß- und Außenhandel haben die laufenden Geschäfte im Vergleich zum Vorquartal nachgelassen. In der Summe bewerten die Unternehmen ihre aktuelle Lage neutral bis leicht negativ. Die Bewertungen für das Inlandsgeschäft fallen leicht positiver aus als für den Außenhandel. Etwas verbessert, aber weiterhin deutlich negativ, zeigen sich die Geschäftserwartungen. Mit 78 statt zuvor 79 Punkten bleibt der Branchenindikator nahezu unverändert (Durchschnitt 97).
Auch die Unternehmen aus den Verkehrs- und Logistikdienstleistungen beurteilen ihre aktuelle Lage im Vergleich zum Vorquartal negativ. Umsätze und Beförderungsvolumina seien rückläufig. Die Erwartungen bleiben negativ, aber nicht mehr ganz so deutlich wie zuletzt. Als Hemmschuhe werden der Fachkräftemangel sowie die hohen Energiepreise genannt. Der Branchenindex steigt leicht um drei auf nun 87 Punkte (Durchschnitt 106).
In der Hotellerie und Gastronomie hat sich die Stimmung weiter aufgehellt. Schon zum Jahreswechsel hatten die Unternehmen das laufende Geschäft positiv bewertet. Nun haben sich die Geschäftserwartungen in Hotellerie und Gastronomie noch einmal verbessert. Der Branchenindex legt um 54 auf nun 102 Punkte überdurchschnittlich zu (Durchschnitt 80).
Die Kreditinstitute bewerten ihr aktuelles Geschäft in der Summe positiv und erwarten auch in den kommenden Monaten eine gute Entwicklung. 
Positiv ist auch die Stimmung bei den Unternehmen in den Sonstigen Dienstleistungen. Viele Unternehmen in dieser Branche planen für die kommenden Monaten eine leichte Aufstockung ihrer Mitarbeitendenzahlen. Der Branchenindikator steigt um vier auf aktuell 103 Punkte (Durchschnitt 115).
Den ausführlichen Konjunkturreport für das Frühjahr 2023 können Sie sich als PDF herunterladen (PDF-Datei · 228 KB).