Flächen effizient nutzen und nachhaltig entwickeln

Grund und Boden sind eine begrenzte Ressource, doch Nutzungsansprüche nehmen ständig zu. Unternehmen benötigen Raum für Investitionen, Innovationen und Transformation. Zukunftsfähige Gewerbegebiete gehen sparsam mit Flächen um, berücksichtigen die Folgen des Klimawandels und fördern umweltfreundliche Gewerbebauten. So entstehen Standorte, die wirtschaftliche Entwicklung ermöglichen und gleichzeitig ökologische Anforderungen berücksichtigen.

Warum brauchen wir zusätzliche Gewerbeflächen?

Wichtig ist, dass im Bedarfsfall schnell geeignete Flächen zur Verfügung stehen. Nur wenn Unternehmen auch künftig die Möglichkeit haben, sich am Standort weiterzuentwickeln, können Wertschöpfung, Beschäftigung und Wohlstand langfristig gesichert werden. Gewerbeflächen sind damit ein zentraler Wettbewerbsfaktor für die wirtschaftliche Entwicklung der Region.

Bedeutung und Herausforderung

Verfügbare Flächen sind eine zentrale Voraussetzung für die wirtschaftliche Entwicklung der Region Bodensee-Oberschwaben. Der Flächenbedarf steigt durch den Ausbau erneuerbarer Energien, den Wohnungsbau oder leistungsfähige Verkehrsinfrastrukturen. Die Herausforderung besteht darin, wirtschaftliche Entwicklung und nachhaltige Flächennutzung miteinander zu verbinden.
Baden-Württemberg zählt mit mehr als elf Millionen Einwohnern und einem Anteil des Produzierenden Gewerbes von rund 40 Prozent an der Bruttowertschöpfung zu den stärksten Wirtschaftsstandorten Deutschlands. Die Region Bodensee-Oberschwaben weist mit einem Anteil des Produzierenden Gewerbes von rund 45 Prozent an der Bruttowertschöpfung sogar eine noch stärkere industrielle Prägung auf. Meist sind es ortsansässige Unternehmen, die Gewerbeflächen oder Gewerbeimmobilien benötigen, um zukunftsfähig zu bleiben und wohnortnah Arbeits- und Ausbildungsplätze anbieten zu können. Fehlen geeignete Flächen, werden Investitionen erschwert oder in andere Regionen verlagert.
Um den unterschiedlichen Flächenbedarfen gerecht zu werden, haben sich die Industrie- und Handelskammern in Baden-Württemberg gemeinsam mit den Handwerkskammern, Wirtschafts- und Kommunalverbänden sowie Akteuren der Bau- und Wohnungswirtschaft in der Initiative „Zukunft braucht Fläche“ zusammengeschlossen.
Ziel ist eine Flächenpolitik, die wirtschaftliche Entwicklung, Wohnungsbau, Energiewende und Nachhaltigkeit miteinander verbindet.
© IHK Ostwürttemberg

Nachhaltige Flächenentwicklung gestalten

Die Flächendebatte wird häufig als Gegensatz zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und Umweltschutz geführt. Tatsächlich sind beide Ziele langfristig aufeinander angewiesen. In der Region Bodensee-Oberschwaben nehmen Siedlungs- und Verkehrsflächen rund 12 Prozent der Landesfläche ein, während rund 86 Prozent als Vegetationsflächen ausgewiesen sind. Die verbleibende Fläche entfällt im Wesentlichen auf Gewässer. Nachhaltige Flächenpolitik bedeutet nicht, Entwicklung zu verhindern, sondern wirtschaftliche und ökologische Ziele miteinander zu verbinden.
Innenentwicklung, Nachverdichtung und die Aktivierung von Brachflächen bleiben wichtige Bausteine einer nachhaltigen Flächenstrategie. Ihre Potenziale sind jedoch begrenzt und reichen mit rund vier Prozent der Siedlungsflächen für Wohnen, Industrie und Gewerbe allein nicht aus, um die zusätzlichen Flächenbedarfe der wirtschaftlichen Transformation zu decken.

Landesentwicklungsplanung als strategische Zukunftsaufgabe

Die Landesentwicklungsplanung schafft die Rahmenbedingungen für Investitionen, Infrastrukturprojekte und kommunale Entwicklung. Unternehmen und Kommunen benötigen Planungssicherheit und ausreichende Handlungsspielräume, um auf neue Anforderungen reagieren zu können. Die Fortschreibung des Landesentwicklungsplans bietet die Chance, wirtschaftliche, ökologische und gesellschaftliche Ziele ausgewogen miteinander zu verbinden und die Zukunftsfähigkeit des Standorts Baden-Württemberg langfristig zu sichern.

Wie nutzen wir Flächen effizient?

Durch eine intelligente Planung, höhere bauliche Dichte und gemeinsame Nutzung von Infrastruktur lassen sich verfügbare Flächen nachhaltig und ressourcenschonend entwickeln.

Bedeutung und Herausforderung

Eine nachhaltige Flächenentwicklung schafft die Grundlage für zukunftsfähige Gewerbestandorte. Entscheidend ist jedoch auch, wie verfügbare Flächen genutzt und gestaltet werden. Der Flächenverbrauch in Deutschland soll bis 2030 von derzeit 55 Hektar auf 30 Hektar pro Tag reduziert werden (BMUV, 2023). Gleichzeitig benötigen Unternehmen moderne und nachhaltig ausgestattete Gewerbeflächen.
Die zentrale Frage lautet daher: Wie können verfügbare Flächen so entwickelt werden, dass wirtschaftliche Anforderungen und Nachhaltigkeitsziele miteinander verbunden werden?

Maßnahmen für eine effiziente Flächennutzung

Ein wesentlicher Faktor für einen effizienten Umgang mit Fläche ist die bauliche Dichte. Das Maß der baulichen Nutzung sollte möglichst bis an die baurechtlich zulässigen Grenzen ausgeschöpft werden. Vor allem in Regionen mit hohem Flächendruck bietet mehrgeschossiges Bauen Möglichkeiten, die knappe Ressource Fläche effizient zu nutzen. Auch vertikale Erweiterungen von Produktions- und Logistikflächen können zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten schaffen.
Urbane Gebiete nach § 6a BauNVO schaffen neue Möglichkeiten, Gewerbe und Wohnen im städtischen Umfeld miteinander zu verbinden. Dadurch können vorhandene Flächen effizienter genutzt und unterschiedliche Nutzungen stärker miteinander kombiniert werden.
Verkehrsflächen beanspruchen 5,1 Prozent der deutschen Gesamtfläche (Statistisches Bundesamt). Durch zentrale mehrgeschossige Parkhäuser, strukturierte Wegenetze und eine effiziente Erschließung können diese Flächen besser genutzt und zusätzliche Flächenbedarfe reduziert werden.
Die gemeinsame Nutzung von Infrastruktur schafft Synergien und reduziert den Flächenbedarf. Beispiele sind Parkplätze und Parkraummanagement, Kantinen und Kinderbetreuungseinrichtungen, Energiespeicher, gemeinsame Lkw-Flotten sowie zentrale Logistik- und Serviceangebote. Dadurch können Flächen effizienter genutzt und gleichzeitig Kosten reduziert werden.

Vorteile flächeneffizienter Gewerbegebiete

  • geringere Flächeninanspruchnahme
  • effizientere Erschließung und Grundstücksausnutzung
  • Kosteneinsparungen durch gemeinsame Infrastruktur
  • Synergieeffekte durch Hochbau und gemeinsame Nutzung
  • positive Auswirkungen auf das Lokalklima

Weiterführende Informationen

Die IHKs in Baden-Württemberg unterhalten eine gemeinsame Webpage zum Thema Gewerbegebiete der Zukunft.
Darüber hinaus bietet die IHK Köln eine Studie zum Thema „Gewerbegebiete stapeln“ an.

Wie bauen wir nachhaltig?

Nachhaltiger Gewerbebau verbindet Ressourcenschonung, Energieeffizienz und wirtschaftliche Vorteile über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes.

Bedeutung und Herausforderung

Neben der effizienten Nutzung von Gewerbeflächen entscheidet auch die Gestaltung der Gebäude über die Zukunftsfähigkeit eines Standorts. Nachhaltiger Gewerbebau verbindet Ressourcenschonung, Energieeffizienz und wirtschaftliche Vorteile über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes. Ziel ist es, Treibhausgasneutralität zu erreichen und gleichzeitig langfristig Betriebskosten zu reduzieren.

Maßnahmen für nachhaltige Gebäude

Nachhaltiges Bauen bedeutet nicht nur den Einsatz neuartiger oder wieder verwertbarer Baumaterialien, sondern auch eine Verringerung des Energiebedarfs und eine Reduzierung von Transportaufwand durch regionale Bauteile und Baustoffe. Energie- und ressourcenoptimierte Baukonstruktionen können langfristig erhebliche Einsparungen ermöglichen.
Die Nutzung erneuerbarer Energien ist ein zentraler Bestandteil nachhaltiger Gewerbegebäude. In Baden-Württemberg besteht unter anderem eine Photovoltaik-Pflicht bei grundlegenden Dachsanierungen eines Gewerbegebäudes und beim Neubau von Parkplätzen mit mehr als 35 Stellplätzen.
Photovoltaikanlagen erhöhen die Energieautarkie von Unternehmen. Zusätzlich kann mit einem PV-Stromspeicher der Eigenstrombezug weiter erhöht werden. Die Unternehmen können je nach Bedarf auf den selbst produzierten Strom zurückgreifen.
Wasser- und Abwassermanagementsysteme sowie die Nutzung von Energie- und Stoffströmen können zusätzliche Synergien schaffen. Branchenabhängig lassen sich unterschiedliche Potenziale nutzen. So kann beispielsweise Wärme aus Produktionsprozessen für die Gebäudeheizung eingesetzt werden.

Lebenszyklus statt Einzelkosten betrachten

Nachhaltiges Bauen kann zunächst mit höheren Investitionen verbunden sein. Entscheidend ist jedoch die Betrachtung des gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes. Da ein großer Teil der Kosten während der Nutzung entsteht, können anfängliche Mehrkosten durch geringere Energie-, Betriebs- und Instandhaltungskosten langfristig ausgeglichen werden.

Vorteile nachhaltiger Gewerbegebäude

  • Ressourceneffizienz
  • Betriebskostenreduzierung durch Energieeinsparungen
  • CO₂-Reduzierung
  • Kostenvorteile durch optimierte Bauweisen
  • Synergieeffekte durch die Koordination und Integration von Aktivitäten und Ressourcen
  • Verbesserung des Mikro- und Stadtklimas
  • Förderung der Biodiversität
  • positive Auswirkungen auf Aufenthaltsqualität und Landschaftsbild
  • Aufwertung des Unternehmensstandorts und positives Arbeitgeberimage

Beispiel: Nachhaltiger Gewerbebau – Landkreis Ravensburg

© IHK Ostwürttemberg

Beratung und Zertifizierungen

Unternehmen können verschiedene Instrumente nutzen, um Nachhaltigkeitsziele systematisch umzusetzen.
Dazu gehören beispielsweise:
Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) stellt eine Toolbox mit Informationen, Handlungsempfehlungen und Instrumenten bereit, um Gebäude und Quartiere klimaneutral zu planen, zu bauen und zu betreiben.
Darüber hinaus bietet der NABU im Rahmen des Projekts „UnternehmensNatur“ eine kostenfreie Beratung für Unternehmen in Baden-Württemberg zur naturnahen Gestaltung an.

Neue Workshops zum nachhaltigen Bauen (N!BBW)

Das Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen Baden-Württemberg bietet auch 2026 wieder kostenfreie Workshops zum Planungswerkzeug „N!BBW – Nachhaltiges Bauen Baden-Württemberg“ an. Die Veranstaltungen richten sich sowohl an Einsteiger als auch an erfahrene Anwender und vermitteln praxisnahes Wissen rund um nachhaltiges Planen und Bauen.

Termine 2026

Mittwoch, 23. September 2026 (9:30 – 16:30 Uhr) – Präsenz
Mittwoch, 21. Oktober 2026 (9:30 – 12:30 Uhr) – Online
Mittwoch, 2. September 2026 (9:30 – 12:30 Uhr) – „Baustoffe“ (Online)
Mittwoch, 25. November 2026 (9:30 – 12:30 Uhr) – „Ökobilanz/LCA“ (Online)
Weitere Informationen und die Anmeldung zu den Workshops finden Sie auf der Informationsseite des Landes Baden-Württemberg.

Wie passen wir Gebäude an den Klimawandel an?

Dach- und Fassadenbegrünungen helfen, Gebäude an steigende Temperaturen anzupassen, Regenwasser zurückzuhalten und die ökologische Qualität von Gewerbestandorten zu verbessern.

Bedeutung und Herausforderung

Mit zunehmenden klimatischen Herausforderungen gewinnen Maßnahmen zur Anpassung von Gewerbegebäuden an Bedeutung. Dach- und Fassadenbegrünungen können Hitze reduzieren, Regenwasser zurückhalten und die ökologische Qualität von Gewerbestandorten verbessern.

Formen der Gebäudebegrünung

Unter Gebäudebegrünung versteht man die Begrünung von Dächern und Fassaden mit geeigneten Pflanzen. Eine extensive Dachbegrünung ist eine pflegearme Begrünungsform mit einer dünnen Substratschicht und robusten, trockenheitsverträglichen Pflanzen. Eine intensive Dachbegrünung verfügt über eine stärkere Substratschicht und ermöglicht die Bepflanzung mit Stauden, Sträuchern oder kleineren Bäumen. Fassadenbegrünungen können mit Kletterpflanzen oder wandgebundenen Begrünungssystemen umgesetzt werden.

Vorteile für Unternehmen

Begrünte Dächer und Fassaden bieten zahlreiche Vorteile:
  • Verbesserung des Mikroklimas
  • Verringerung von Hitzeeinwirkungen
  • Rückhalt und verzögerte Ableitung von Regenwasser
  • Reduzierung von Niederschlagswassergebühren
  • Schutz der Gebäudehülle
  • Energieeinsparungen bei Kühlung und Heizung
  • Förderung der Biodiversität
  • Aufwertung des Unternehmensstandorts

Planung und Umsetzung

Bei der Umsetzung sind insbesondere die baulichen Voraussetzungen zu berücksichtigen. Dazu gehören die Statik des Gebäudes, die Dachkonstruktion sowie die geplante Nutzung. Auch die Kombination von Dachbegrünung und Photovoltaik kann sinnvoll sein. Solargründächer verbinden Energieerzeugung mit Klimaanpassung. Eine hilfreiche Orientierung bietet die Planungscheckliste Gründach.

Beratung und Unterstützung

Unternehmen und Kommunen können auf Förderangebote im Bereich Klimaanpassung, Energieeffizienz, Städtebauförderung und nachhaltiges Bauen zurückgreifen. Die IHK unterstützt Unternehmen bei Fragen rund um Klimaschutz und Energieeffizienz. Der Bundesverband zur Gebäudebegrünung e. V. unterstützt bei Fragen rund um Dach- und Fassadenbegrünungen.

Fazit

Zukunftsfähige Gewerbestandorte entstehen durch das Zusammenspiel verschiedener Faktoren: eine intelligente Nutzung verfügbarer Flächen, eine nachhaltige Bauweise und Maßnahmen zur Klimaanpassung. Unternehmen und Kommunen stehen vor der Aufgabe, wirtschaftliche Entwicklung und ökologische Anforderungen gemeinsam zu denken. Durch eine vorausschauende Standortentwicklung können attraktive, wettbewerbsfähige und klimaangepasste Gewerbestandorte entstehen.