Pressemitteilung
IHK-Konjunkturumfrage: Abwärtstrend setzt sich fort, Konjunkturklima fällt auf kritischen Wert
Das Konjunkturklima ist im Frühsommer 2026 erneut gesunken, die Wirtschaft in Berlin verliert damit weiter an Dynamik. Zu diesem Ergebnis kommt die repräsentative Frühsommer-Konjunkturumfrage der IHK Berlin unter 830 Unternehmerinnen und Unternehmern. Die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und die gestiegenen Preise für Energie und Rohstoffe sind nach Angaben der Befragten dabei die größten Risiken für die geschäftliche Entwicklung. Auf der heutigen Pressekonferenz forderte IHK-Hauptgeschäftsführerin Manja Schreiner deshalb, auch in Wahlkampfzeiten den Fokus auf die wirtschaftliche Entwicklung zu richten. Eine stabile Wirtschaft sei die Basis einer stabilen Demokratie.
Seit Jahresbeginn hat der Konjunkturklima-Index sechs Punkte eingebüßt und liegt mit 100 Punkten nun deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von 124 Punkten. Zwar waren vergleichbar niedrige Werte auch in den Krisenjahren 2009, 2020 und 2022 zu beobachten, auf diese folgte jedoch jeweils eine rasche Erholung. Der derzeitige Rückgang ist hingegen Ausdruck einer anhaltenden konjunkturellen und strukturellen Schwäche der Berliner Wirtschaft.
Manja Schreiner, Hauptgeschäftsführerin IHK Berlin: „Statt eines vorübergehenden Infekts, der sich schnell auskurieren lässt, kämpft die Berliner Wirtschaft nun augenscheinlich mit einer Langzeiterkrankung. Die Kombination aus schwacher Nachfrage, hohen Kosten und rückläufigen Investitionen belastet die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Standorts. Damit daraus keine chronische Schwäche wird, muss dringend gegengesteuert werden. Jede zusätzliche Belastung in Form von Auflagen oder Abgaben verschärfen die aktuelle Lage, die Politik muss endlich Ernst machen mit dem Bürokratie-Abbau. Die Berliner Wirtschaft braucht vielmehr Wachstumsimpulse, zum Wohl der gesamten Stadt. Wenn es der Wirtschaft gut geht, geht es auch den Berlinerinnen und Berlinern gut. Eine starke Wirtschaft ist die Grundlage einer handlungsfähigen Demokratie.“
Geschäftslage schwach, Erwartungen pessimistisch
Die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage hat sich deutlich verschlechtert. Der entsprechende Indikator liegt nur noch bei drei Punkten. Die Geschäftsentwicklung ist dabei in nahezu allen Branchen rückläufig. Besonders stark betroffen sind Baugewerbe, Handel und Gastgewerbe, während sich der Dienstleistungssektor vergleichsweise stabil zeigt.
Auch beim Blick in die Zukunft überwiegt die Skepsis: Der Erwartungsindikator fällt auf minus drei Punkte und liegt damit unter der Nulllinie.
Investitionen und Beschäftigung gehen zurück
Die schwache konjunkturelle Entwicklung schlägt sich in den Planungen der Unternehmen nieder. Die Beschäftigungsabsichten sind so zurückhaltend wie seit der Finanzkrise 2009 nicht mehr. Der entsprechende Indikator liegt aktuell bei minus vier Punkten und damit deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von 13 Punkten. Auch am Arbeitsmarkt zeigen sich erste Effekte: Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist rückläufig, womit der langjährige Wachstumstrend unterbrochen wurde.
Parallel dazu bleibt die Investitionsbereitschaft gering. Weniger als jedes zweite Unternehmen plant aktuell Investitionen. Der Investitionsindikator fällt auf 13 Punkte und erreicht damit den niedrigsten Stand seit der Coronapandemie.
Risiken nehmen deutlich zu
Die wirtschaftlichen Risiken haben sich im Frühsommer 2026 spürbar verschärft. Vor allem gestiegene Energie- und Rohstoffpreise belasten die Unternehmen. Energiepreise werden von rund der Hälfte der Betriebe als Risiko genannt, Rohstoffpreise von etwa einem Drittel.
Zwei von drei Unternehmern sagen allerdings, dass die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen das größte geschäftliche Risiko für sie bedeutet. Auch der schwache Inlandsabsatz (57%) und hohe Arbeitskosten (53%) sind weiterhin problematisch. Demgegenüber verliert der Fachkräftemangel an Bedeutung (39%) und liegt aktuell auf einem niedrigeren Niveau als vor der Corona-Pandemie.
Den gesamten Bericht finden Sie hier: www.ihk.de/berlin/konjunktur