Standortpolitik

Aktueller Konjunkturbericht

Konjunktur in Berlin: Wirtschaft im Sinkflug

Die Wirtschaft in Berlin verliert weiter an Dynamik. Das Konjunkturklima der Berliner Unternehmen sinkt im Frühsommer 2026 auf 100 Punkte und erreicht damit einen kritischen Schwellenwert. Seit Jahresbeginn hat der Index sechs Punkte eingebüßt und liegt nun deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von 124 Punkten.
Die aktuelle Entwicklung markiert die Fortsetzung eines längerfristigen Abwärtstrends. Zwar waren vergleichbar niedrige Werte auch in den Krisenjahren 2009, 2020 und 2022 zu beobachten, auf diese folgte jedoch jeweils eine rasche Erholung. Der derzeitige Rückgang ist hingegen Ausdruck einer anhaltenden konjunkturellen und strukturellen Schwäche der Berliner Wirtschaft.
Die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage hat sich deutlich verschlechtert. Der entsprechende Indikator liegt nur noch bei drei Punkten. Gleichzeitig überwiegt bei den Erwartungen der Unternehmen die Skepsis: Der Erwartungsindikator fällt auf minus drei Punkte und liegt damit unter der Nulllinie.
Die Geschäftsentwicklung ist in nahezu allen Branchen rückläufig. Besonders stark betroffen sind Baugewerbe, Handel und Gastgewerbe, während sich der Dienstleistungssektor vergleichsweise stabil zeigt.
Die schwache konjunkturelle Entwicklung schlägt sich zunehmend in den Planungen der Unternehmen nieder. Die Beschäftigungsabsichten sind so zurückhaltend wie seit der Finanzkrise 2009 nicht mehr. Der entsprechende Indikator liegt aktuell bei minus vier Punkten und damit deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von 13 Punkten. Auch am Arbeitsmarkt zeigen sich erste Effekte: Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist rückläufig, womit der langjährige Wachstumstrend unterbrochen wurde.
Parallel dazu bleibt die Investitionsbereitschaft gering. Weniger als jedes zweite Unternehmen plant aktuell Investitionen. Der Investitionsindikator fällt auf 13 Punkte und erreicht damit den niedrigsten Stand seit der Coronapandemie.
Die wirtschaftlichen Risiken haben sich im Frühsommer 2026 spürbar verschärft. Vor allem gestiegene Energie- und Rohstoffpreise belasten die Unternehmen. Energiepreise werden von rund der Hälfte der Betriebe als Risiko genannt, Rohstoffpreise von etwa einem Drittel.
Zusätzlich bleiben die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (66%), der schwache Inlandsabsatz (57%) und hohe Arbeitskosten (53%) zentrale Risikofaktoren. Der Fachkräftemangel verliert demgegenüber an Bedeutung (39%) und liegt aktuell auf einem vergleichsweise niedrigeren Niveau.