Wirtschaft am Bayerischen Untermain
Nr. 7126226
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Industrienetzwerk Untermain

Gemeinsame Lösungen für die nachhaltige Energieversorgung

Wie können energieintensive Industriebetriebe in Zukunft ausreichend, günstig, nachhaltig und zuverlässig mit Energie versorgt werden? Mit dieser Thematik beschäftigt sich das neu gegründete Industrienetzwerk Untermain im Landkreis Miltenberg.
Die letzten Jahre haben schmerzhaft verdeutlicht, wie stark die Unternehmen von den internationalen Energiemärkten und somit den Energiepreisen abhängig sind. Preisschocks durch geopolitische Krisen, wie den Krieg in der Ukraine oder die Spannungen in der Straße von Hormus, haben gezeigt, wie anfällig die deutsche Wirtschaft für Energiepreis-schwankungen ist. Die Importkosten für fossile Energieträger (Öl, Gas, Kohle) stiegen von 50 bis 60 Milliarden Euro im Jahr 2021 auf knapp 140 Milliarden Euro im Jahr 2022. In den Folgejahren 2023 bis 2025 sanken die Kosten zwar auf 70 bis 80 Milliarden Euro, doch für 2026 rechnet man bereits wieder mit über 100 Milliarden Euro (Quelle: Statistisches Bundesamt, BAFA). Diese Volatilität belastet die Planbarkeit und Wettbewerbsfähigkeit der Industrie.

Zusammen die Herausforderung meistern

Gründungsmitglieder des Industrienetzwerks sind folgende Unternehmen: Fripa Papierfabrik Albert Friedrich KG, Miltenberg, Odenwald Faserplattenwerk GmbH (OWA), Amorbach, Industrie Center Obernburg (ICO) Erlenbach, Josera GmbH, Kleinheubach, Reinhold Keller GmbH, Kleinheubach, Mikro-Technik GmbH & Co KG, Bürgstadt, und Ferrero in Faulbach. Die Scheurich GmbH & Co. KG Keramikfabrik in Kleinheubach wird im nächsten Jahr dazustoßen.
Die sieben Gründungsmitglieder liegen alle an der 110-kV-Stromtrasse durch den Landkreis Miltenberg. Dieses Hochspannungsnetz wird in den kommenden Jahren als "Lebensader" für die Firmen noch wichtiger. Denn nach Auffassung von vielen Akteuren verschiebt sich die Nutzung von Öl, Gas und Kohle in den nächsten 20 Jahren hin zu erneuerbarem Strom. Die Firmen erstellen hierzu aktuell Szenarien für eine CO2 -neutrale Produktion.

Energieversorgung der Zukunft

Neben der Preisfrage stellt sich die Frage der technologischen Weichenstellung: Welche klimaneutralen Energieträger werden in Zukunft in Produktion, Mobilität und Gebäudeheizung eingesetzt? Viele Szenarien gehen von einer Elektrifizierung der genannten Sektoren aus.
Weltweit wurden im Jahr 2025 Windkraftanlagen mit einer Leistung von 165 GW errichtet, dazu kommen 600 GW durch Photovoltaikanlagen. China ist hier mit Abstand Vorreiter. Atomkraft mit 1,3 GW zusätzlich installierter Leistung im Jahr 2026 spielt keine Rolle. Eine Renaissance der Atomkraft ist aktuell weltweit nicht zu sehen.

Regionale erneuerbare Energieerzeugung

Die regionalen Energiewerke und die Energiegenossenschaft Untermain eG kennen die aktuellen Planungen von Windparks oder Freiflächen-Photovoltaikanlagen in der Region. Im Landkreis Miltenberg werden aktuell Windkraftanlagen mit einer Leistung von über 300 MW geplant. Dafür werden diverse neue Umspannwerke benötigt, damit der erzeugte Strom direkt ins 110 kV Netz eingespeist werden kann.

Wärme

Die Energieagentur Unterfranken e.V. aus Würzburg erstellt im Landkreis Miltenberg für viele Kommunen den kommunalen Wärmeplan. Ein Ergebnis dieser Pläne ist, dass die Mehrheit der Gebäude in Zukunft mit Wärmepumpen beheizt werden. Wasserstoff oder Biogas bzw.
Heizöl werden nicht im ausreichenden Maß zur Verfügung stehen und mit hohen Kosten verbunden sein. Die Nutzung von Umweltwärme (Luft, Flusswasser, Geothermie oder Abwärme) durch Wärmepumpen ist sehr effizient und langfristig kostengünstig. Mit Hochtemperatur-Wärmepumpen ist es auch möglich, Dampf mit Temperaturen von bis zu 200°C zu erzeugen. Hierfür wäre eine Nutzung von Umweltwärme aus tiefen Geothermie-anlagen mit circa 50°C Vorlauftemperatur von Vorteil. Die regionalen Potentiale und Chancen werden geprüft.

Mobilität

Die E-Mobilität setzt sich weltweit durch und lässt den Strombedarf zusätzlich steigen. Lademöglichkeiten für E-LKW mit ausreichend großen Rangierflächen, damit beim Laden der Batterien die Auflieger und Hänger nicht abgehängt werden müssen, sind zu schaffen. Bei einer Ladeleistung von mindestens 500 kW bedeutet dies - bei einem Ladepark mit 10 Ladepunkten - eine Leistung von rund 5 MW. Hierfür reicht das vorhandene Stromnetz in den meisten Fällen nicht aus.

Wasserstoff

Während Strom für die meisten Anwendungen die effizienteste Lösung darstellt, wird Wasserstoff für schwer elektrifizierbare Prozesse (zum Beispiel Stahl-, Chemieindustrie) unverzichtbar sein. Auch für Spitzenlast- und Residualkraftwerke ist Wasserstoff notwendig.

Biomasse

Die Potentiale der zusätzlichen Nutzung von Biomasse zur Energieerzeugung sind sehr begrenzt, das zeigen alle Klimaschutzkonzepte und Studien. Eine weitere Intensivierung der Nutzung, wie beispielsweise durch die „Biotreppe“ im neuen Gebäudemodernisierungs-gesetz angedacht, wird zu deutlichen Preissteigerungen führen.

Energiespeicher

Ein zentraler Baustein wird die Speicherung der Energie sein. Überwiegend wird es notwendig, die Energie, meist Strom, für mehrere Stunden zu speichern, zum Beispiel im Sommer vom Tag in die Nacht oder im Winter von windreichen Nächten für den nächsten Tag. Eine Speicherung dezentral in Wasserstoff auf dem eigenen Firmengelände ist wirtschaftlich nicht darstellbar.

Ziele des Netzwerkes

Im Rahmen der Netzwerkarbeit werden die Planungen aus den einzelnen Bereichen Stromerzeugung, Mobilität und Wärme, übereinandergelegt und verknüpft. Somit können Synergieeffekte beim Bau der notwendigen Infrastruktur genutzt werden.
Für alle Beteiligten ist es wichtig, den Blick über das eigene Firmengelände hinaus zu richten. Welche Entwicklungen gibt es in der Umgebung und können durch die Zusammenarbeit mit den Firmen in der Nachbarschaft Synergieeffekte genutzt werden? Gemeinsame Lösungen bei Stromerzeugung, Ladeinfrastruktur und Energiespeicherung sind Themen in dem Netzwerk. Rechtliche Fragen und regulatorische Hemmnisse werden diskutiert. Diese stellen im Bereich der dezentralen und heimischen Energieerzeugung sehr große Hürden dar.
Kontakt:
Energiegenossenschaft Untermain eG
Am hohen Bild 23
63933 Mönchberg
E-Mail: info@energiegenossenschaft-untermain.de
Ansprechpartner:
Seán Kervick
Telefon 0175 2896144
Karlheinz Paulus, Industrienetzwerk Untermain
Industrie- und Handelskammer Aschaffenburg
Kerschensteinerstraße 9
63741 Aschaffenburg
Tel.: 06021 880-0 Fax: 06021 880-22000
E-Mail: info@aschaffenburg.ihk.de

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