Ausschuss für Außenwirtschaft | Sitzung am 27.03.2026
EU-Agrarpolitik und globale Lieferketten im Fokus
KLEINHEUBACH. In der gemeinsamen Sitzung der Ausschüsse für Außenwirtschaft der Industrie- und Handelskammern Aschaffenburg und Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern bei der Josera GmbH standen die aktuellen Entwicklungen in der europäischen Agrarpolitik sowie die zunehmenden geopolitischen Herausforderungen in globalen Lieferketten im Fokus. Vertreter aus Politik und Wirtschaft diskutierten über regulatorische Entwicklungen auf EU-Ebene und strategische Fragen der Versorgungssicherheit.
Nach einem Betriebsrundgang und kurzer Firmenpräsentation berichtete Stefan Köhler, Mitglied des Europäischen Parlaments für Unterfranken, unter anderem über die laufenden Verhandlungen zum mehrjährigen Finanzrahmen sowie zur Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). Ziel des Europäischen Parlaments sei es, zentrale Regelungen innerhalb der bewährten Zwei-Säulen-Struktur der GAP zu stärken und zugleich praxisnahe Anpassungen vorzunehmen. Neben Fragen der Tierwohl- und Umweltregulierung ging Stefan Köhler auch auf den Bürokratieabbau sowie die Förderung junger Landwirte als zentrale Handlungsfelder ein. Vor dem Hintergrund internationaler Handelsabkommen diskutierten die Teilnehmer auch über die wachsende Bedeutung globaler Märkte für die europäische Landwirtschaft. Abkommen wie die Partnerschaften CETA mit Australien und CEPA mit Indonesien sowie das seit 1. Mai 2026 vorläufig in Kraft getretene Mercosur-Abkommen verdeutlichten den zunehmenden Spannungsbogen zwischen Marktöffnung und Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Agrarwirtschaft.
Ein weiteres Thema der Sitzung waren die Sicherung globaler Lieferketten und die Rohstoffversorgung. Edda Wolf, Bereichsleiterin Rohstoffe bei der Germany Trade & Invest (GTAI) wies dabei auf die zunehmende geopolitische Bedeutung kritischer Rohstoffe hin. Insbesondere die starke Konzentration von Verarbeitungs- und Wertschöpfungskapazitäten in einzelnen Weltregionen, allen voran China, stelle Unternehmen vor erhebliche Abhängigkeitsrisiken. Politische Gegenstrategien seien unter anderem der EU Critical Raw Materials Act sowie Initiativen zur Förderung von Recycling, Kreislaufwirtschaft und strategischen Partnerschaften mit rohstoffreichen Ländern. Diese Maßnahmen zielten darauf ab, die Resilienz europäischer Lieferketten langfristig zu stärken. Das Lieferkettenmanage-ment sei zunehmend als strategische Führungsaufgabe zu verstehen. Neben der Diversifizierung von Bezugsquellen würden langfristige Lieferverträge, der Ausbau von Recyclingstrukturen sowie technologische Substitution an Bedeutung gewinnen. Entscheidend sei dabei ein proaktiver Ansatz, der nicht allein auf Kostenoptimierung, sondern verstärkt auf Versorgungssicherheit und Risikominimierung, ausgerichtet sei.
Die Teilnehmer waren sich über die Notwendigkeit einig, dass sich die Unternehmen sowohl im Bereich der europäischen Agrarpolitik als auch in Bezug auf die globalen Rohstoff- und Lieferketten frühzeitig und strategisch auf veränderte Rahmenbedingungen einstellen müssen.
