Unternehmensumfrage: Entlastung bei den Kraftstoffpreisen

Mehr Belastung als Entlastung?

Eine gemeinsame Unternehmensumfrage der Industrie- und Handelskammern (IHK) aus Aschaffenburg, Gießen-Friedberg, Hanau, Limburg und Offenbach zeigt: Die aktuellen Maßnahmen der Bundesregierung zur Entlastung bei den Kraftstoffpreisen treffen auf eine Wirtschaft, die bereits seit Monaten unter massivem Druck steht. Steigende Energiepreise, hohe Inflation, unsichere Lieferketten und wachsender Kostendruck bringen viele Unternehmen an ihre Belastungsgrenze. Entsprechend aufmerksam – und zunehmend kritisch – werden politische Entlastungsversuche verfolgt.

Deutlicher Handlungsbedarf aus Sicht der Unternehmen

Die Ergebnisse der Umfrage zeigen nicht nur Kritik – sie sind vor allem ein deutliches Signal aus der Praxis. Der Mittelstand erwartet keine kurzfristigen Einzelmaßnahmen, sondern strukturelle Entlastungen, die Planungssicherheit schaffen und die Wettbewerbsfähigkeit sichern. Dazu zählen aus Sicht vieler Unternehmen insbesondere eine spürbare Entlastung bei Energie- und Steuerkosten, weniger bürokratische Belastungen sowie verlässliche, langfristige wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen. Die hohe Beteiligung innerhalb kürzester Zeit unterstreicht die Relevanz des Themas: Die wirtschaftliche Lage vieler Unternehmen ist angespannt – und der Handlungsdruck wächst. Die Umfrage macht deutlich: Zwischen politischem Anspruch und unternehmerischer Realität klafft aktuell eine spürbare Lücke.

Einmalzahlung stößt auf breite Ablehnung

Besonders kritisch fällt die Bewertung der steuerfreien Einmalzahlung von bis zu 1.000 Euro aus. Zwei Drittel der Unternehmen (67,3 Prozent) geben an, diese nicht zahlen zu können oder zu wollen. Nur 9,4 Prozent planen eine Auszahlung.
„Viele Betriebe können es sich in der aktuellen angespannten Lage nicht leisten, die Entlastungsprämie zu zahlen. Sie brauchen keine weiteren Belastungen durch Lohnsteigerungen, sondern endlich dauerhafte Entlastungen, die Investitionen ermöglichen und Beschäftigung sichern.“, so Dr. Andreas Freundt, Hauptgeschäftsführer der IHK Aschaffenburg.
In der Gesamtbewertung fällt das Urteil der Unternehmen deutlich aus. Die Maßnahmen werden mehrheitlich als kurzfristig, unausgewogen und nicht zielführend beschrieben. Besonders häufig wird kritisiert, dass Entlastungen faktisch zu Lasten der Unternehmen organisiert werden. Auszüge aus den anonymen Freitextantworten der Unternehmer sprechen eine klare Sprache: „Abwälzung auf Arbeitgeber“, „Kosten werden auf den Mittelstand verschoben“, „Nicht leistbar für KMU“, „Erzeugt Erwartungshaltung bei Beschäftigten“. Grundsätzlich wird die Politik als wenig strategisch wahrgenommen.

Kaum spürbare Entlastung

Die von der Bundesregierung geplante Senkung der Mineralölsteuer um 17 Cent wird von der Mehrheit der Unternehmen nicht als durchgreifende Hilfe wahrgenommen:
  • 28 Unternehmen erwarten gar keine Entlastung
  • 47 Unternehmen sehen lediglich eine sehr geringe Wirkung (0 bis 10 Prozent)
  • 19 Unternehmen erwarten eine mittlere Entlastung (10 bis 20 Prozent),
  • 26 Unternehmen sehen eine höhere Entlastung (20 bis 50 Prozent).
Viele Betriebe bezweifeln, dass die Entlastung überhaupt bei ihnen ankommt. Stattdessen wird befürchtet, dass ein erheblicher Teil der Wirkung im Markt „verpufft“.

Massive Mehrkosten – existenzbedrohende Spannweiten

Die Ergebnisse der Umfrage zeigen: Die monatlichen Mehrkosten durch die stark gestiegenen Kraftstoffpreise variieren enorm – von keinen Mehrkosten bis hin zu 400.000 Euro pro Monat. Während einzelne, meist sehr kleine Betriebe durch Umstellung auf E-Mobilität keine Zusatzkosten mehr haben, kämpfen viele andere mit erheblichen Mehrbelastungen:
  • 26 Unternehmen: bis 1.000 Euro monatlich
  • 25 Unternehmen: 1.000 bis 5.000 Euro
  • 31 Unternehmen: 5.000 bis 100.000 Euro
  • 3 Unternehmen: über 100.000 Euro

Hintergrund zur Umfrage

Die gemeinsame Umfrage wurde kurzfristig von den Industrie- und Handelskammern (IHK) aus Aschaffenburg, Gießen-Friedberg, Hanau, Limburg und Offenbach durchgeführt. Ziel war es, ein möglichst unverfälschtes Stimmungsbild aus der unternehmerischen Praxis zu erhalten. Die Teilnahme erfolgte anonym.
Die Teilnehmenden stammen überwiegend aus dem Handel (34 Unternehmen), sonstigen Dienstleistungen (32) und Industrie (31). Besonders stark vertreten sind kleine und mittlere Unternehmen: Rund ein Drittel beschäftigt 10 bis 49 Mitarbeitende (49 Unternehmen), etwa ein Viertel 50 bis 249 Mitarbeitende (43 Unternehmen). Damit bildet die Umfrage genau den Kern der deutschen Wirtschaft ab – den Mittelstand, der aktuell besonders stark unter Druck steht.