Konjunkturbericht Jahresbeginn 2026

Verhaltener Jahresstart: Wirtschaft tritt weiter auf der Stelle

Die Wirtschaft am Bayerischen Untermain startet verhalten in das neue Jahr. Zum Jahresbeginn setzt sich die wirtschaftliche Stagnation der bereits seit mehreren Jahren anhaltenden Konjunkturflaute fort. In der aktuellen Konjunkturumfrage der IHK Aschaffenburg zeigt sich eine leichte Verschlechterung der Geschäftslage gegenüber dem Herbst: 26 Prozent der Unternehmen bewerten ihre laufenden Geschäfte als gut, 50 Prozent als befriedigend und 24 Prozent als schlecht.
  • Konjunkturflaute setzt sich fort
  • Branchen mit gemischtem Bild
  • Fehlende Strukturreformen bremsen Investitionen
  • Inlandsnachfrage größtes Risiko
  • Vorsichtiger Blick nach vorn
„Der dringend benötigte Herbst der Wirtschaftsreformen ist ausgeblieben. Zwar wächst in der Politik langsam die Einsicht, dass umfassende Reformen notwendig sind, um die Konjunktur wieder in Gang zu bringen – doch der Schritt vom Diskutieren zum Handeln gelingt selbst nach Jahren der Wachstumsschwäche noch nicht im erforderlichen Maße. Nach wie vor fehlt der Mut zu tiefgreifenden Strukturreformen, die Unternehmen bei Steuern, Abgaben und Bürokratie spürbar entlasten und ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken. Um dem internationalen Zollchaos zu begegnen, müssen wir die Handelsdiplomatie beschleunigen: Das bedeutet das Ende der Mercosur-Blockade, ein schnelles Inkrafttreten des Indien-Abkommens und eine Verhandlungsoffensive in Asien und der Golfregion“, so Dr. Andreas Freundt, Hauptgeschäftsführer der IHK Aschaffenburg.
Im Branchenvergleich beurteilen die Tourismusbetriebe ihre aktuelle Lage am kritischsten und erreichen einen neuen Tiefstand. In der Industrie hält die Auftragsflaute im In- und Ausland an. Neben anhaltenden Unsicherheiten im Exportgeschäft bereitet insbesondere die schwache Inlandsnachfrage Sorgen, 81 Prozent der Industriebetriebe sehen darin ein Geschäftsrisiko. Im Handel geht der Anteil der pessimistischen Einschätzungen leicht zurück. Während der Einzelhandel weiterhin zurückhaltend auf die laufenden Geschäfte blickt, überwiegen im Großhandel die positiven Stimmen. Vergleichsweise robust zeigt sich die Stimmung im Dienstleistungssektor und im Baugewerbe. Trotz eines leichten Stimmungsrückgangs bei den Dienstleistungen und saisonbedingter Dämpfer am Bau dominieren hier weiterhin optimistische Lageeinschätzungen.
Die Sorge um die Inlandsnachfrage nimmt gesamtwirtschaftlich weiter zu: 63 Prozent der Unternehmen nennen sie als zentrales Geschäftsrisiko. Es folgen die Arbeitskosten sowie die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen, die jeweils von 53 Prozent als Risikofaktoren genannt werden. „Vor dem Hintergrund der anhaltend schwachen Konjunktur bleibt die Investitionsbereitschaft auf sehr niedrigem Niveau; ausbleibende Strukturreformen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit verschärfen die Lage zusätzlich. 42 Prozent der Unternehmen sehen in der aktuellen Wirtschaftspolitik ein erhebliches Investitionshemmnis, weitere 41 Prozent zumindest teilweise. Zugleich eröffnet die verschärfte Sicherheitslage auch Chancen für regionale Unternehmen: 23 Prozent der Industrieunternehmen sowie ein ebenso hoher Anteil im Dienstleistungssektor – insbesondere Logistikdienstleister – zeigen Interesse am Verteidigungsmarkt“, ordnet Andreas Elsner, Konjunkturexperte der IHK, die aktuelle Investitionsschwäche ein.
Mit Blick auf die kommenden Monate gehen die Unternehmen insgesamt von einer Stabilisierung des Auslandsauftragsvolumens aus, während für das Inland weiterhin leichte Rückgänge erwartet werden. Eine Verbesserung der Geschäftslage prognostizieren 17 Prozent der Unternehmen, hingegen rechnen 20 Prozent mit einer Verschlechterung. Der Stellenabbau verlangsamt sich zwar, dennoch stehen insbesondere der Tourismussektor und die Industrie weiterhin unter erheblichem Druck. Insgesamt planen 12 Prozent der Unternehmen einen Beschäftigungsaufbau, während 18 Prozent von rückläufigen Beschäftigtenzahlen ausgehen.
Der Konjunkturklimaindikator, welcher sich aus der Beurteilung der aktuellen Geschäftslage und der künftigen Geschäftserwartung zusammensetzt, verbessert sich minimal. Nach zuletzt 98,4 Punkten liegt er aktuell bei 99,1 Punkten. An der Umfrage haben sich 226 Unternehmen unterschiedlicher Branchen und Größen aus der Region Bayerischer Untermain beteiligt.