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Nr. 7206266
Konjunkturbericht Herbst 2026
Zaghafter Aufschwung trifft auf anhaltende Herausforderungen
Die Wirtschaft am Bayerischen Untermain erholt sich leicht. In der aktuellen Konjunkturumfrage der IHK Aschaffenburg wird die Lage wieder etwas besser eingeschätzt als zuletzt. 28 Prozent der Unternehmen bewerten ihre laufenden Geschäfte als gut, 25 Prozent als schlecht und die übrigen als befriedigend. Positiv wirkt sich aus, dass das Auslandsgeschäft zuletzt wieder stabiler eingeschätzt wird. Die Inlandsnachfrage bleibt hingegen schwach.
Leichte Konjunkturerholung
Schwache Inlandsnachfrage bleibt
Industrie und bau belasten
Investitionen bleiben verhalten
Personal- und Liquiditätsdruck steigt
„Der zaghafte Aufschwung wird ohne tiefgreifende Reformen jedoch nur von kurzer Dauer sein. Die Unternehmen warten weiterhin sehnlichst auf die vielfach angekündigten und verschobenen Reformen bei Energie- und Arbeitskosten, den Unternehmenssteuern, schnelleren Verfahren und weniger bürokratischen Lasten. Die Bundesregierung muss in allen Feldern endlich liefern“, fordert Dr. Andreas Freundt, Hauptgeschäftsführer der IHK.
Die Branchen zeigen im Herbst ein uneinheitliches Bild. Während sich die Stimmung bei den Dienstleistern und im Handel verbessert und auch der Tourismus die zurückliegende Saison wieder positiver bewertet, setzt sich der Abwärtstrend im Baugewerbe fort. Die Industrie meldet zudem eine erneute Eintrübung ihrer aktuellen Geschäftslage.
Branchenübergreifend zählen die Energie- und Rohstoffpreise zu den größten Belastungen. Insgesamt nennen 73 Prozent der Unternehmen diese Faktoren als Geschäftsrisiko. In der Industrie gilt die schwache Inlandsnachfrage derzeit jedoch als größere Belastung. Im Baugewerbe treten zusätzlich der Fachkräftemangel und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen als Belastungsfaktoren hervor. Zugleich planen in allen Branchen Teile der Unternehmen weitere Preiserhöhungen. Die Anteile reichen von 35 Prozent in der Industrie bis zu zwei Dritteln im Handel.
Die Investitionsbereitschaft entwickelt sich lediglich bei den Dienstleistern und im Handel leicht positiv. In der Industrie und im Tourismus verharrt sie auf niedrigem Niveau, während sie sich im Baugewerbe spürbar verschlechtert. „Das Hauptmotiv für Investitionen sind für 72 Prozent der Unternehmen Ersatzbeschaffungen. Die Betriebe investieren also vor allem, um Bestehendes zu ersetzen, nicht um zu wachsen oder innovativere Produkte zu entwickeln“, so Andreas Elsner, Konjunkturexperte der IHK.
Trotz verbesserter Lageeinschätzungen in mehreren Branchen bleiben die Geschäftserwartungen überwiegend verhalten oder negativ. Für die kommenden Monate rechnen 14 Prozent der Unternehmen mit einer Verbesserung der Geschäftslage. Eine Verschlechterung erwarten hingegen 27 Prozent, während die übrigen Betriebe von einer unveränderten Entwicklung ausgehen. Dies spiegelt sich auch in der erwarteten Kapazitätsauslastung wider. Annähernd ein Drittel der Umfrageteilnehmer rechnet damit, dass diese weiter zurückgeht.
Der Liquiditätsstatus der Unternehmen verschlechtert sich ebenfalls. Zwölf Prozent der Befragten bewerten ihre Liquidität als schlecht, weitere fünf Prozent sogar als existenzbedrohend. 18 Prozent gaben an, dass Forderungsausfälle infolge von Insolvenzen ihrer Kunden oder Lieferanten derzeit häufiger als üblich auftreten.
Auch die Personalpläne sind mit Ausnahme des stabilen Dienstleistungssektors in allen betrachteten Wirtschaftszweigen rückläufig. Insgesamt planen neun Prozent der Betriebe mit steigenden Beschäftigtenzahlen, während 21 Prozent von sinkenden Zahlen ausgehen. Dennoch suchen zahlreiche Unternehmen weiterhin erfolglos nach Arbeitskräften. Der größte ungedeckte Personalbedarf besteht bei Schulabgängern und Auszubildenden: 50 Prozent der erfolglos suchenden Betriebe benötigen Arbeitskräfte dieses Qualifikationsniveaus (Mehrfachnennungen möglich). Es folgen Beschäftigte mit dualer Berufsausbildung (37 Prozent), Arbeitskräfte ohne abgeschlossene Berufsausbildung (34 Prozent), Fachwirte und Meister (31 Prozent) sowie Personen mit Hochschulabschluss (21 Prozent).
Der Konjunkturklimaindikator, der sich aus der Bewertung der aktuellen Geschäftslage und den künftigen Geschäftserwartungen zusammensetzt, verbessert sich von zuletzt 88 Punkten auf aktuell 94,6 Punkte. An der Umfrage beteiligten sich 222 Unternehmen unterschiedlicher Branchen und Größen aus der Region Bayerischer Untermain.
Der Dienstleistungssektor blickt im Branchenvergleich am optimistischsten auf die aktuelle Lage. Gegenüber dem Frühjahr hat sich das Stimmungsbild in der Branche verbessert. Aktuell berichten 41 Prozent der Unternehmen von guten Geschäften. 22 Prozent sind hingegen mit einer schlechten Geschäftslage konfrontiert. Die übrigen Unternehmen bewerten ihre derzeitige Lage als befriedigend. Auch bei der Auslastung zeigt sich eine leichte Verbesserung. 39 Prozent der Unternehmen waren voll ausgelastet. Zugleich zieht die Preisdynamik etwas an: Knapp über die Hälfte der Befragten plant, die Preise anzuheben. Die Investitionsbereitschaft entwickelt sich ebenfalls leicht positiv. Etwa jeder Fünfte will in den kommenden Monaten verstärkt investieren. Als größte Risikofaktoren nennen die Unternehmen die Energie- und Rohstoffpreise. Es folgen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und die Arbeitskosten. Auch die Geschäftserwartungen fallen nicht mehr so negativ aus wie zuletzt. Der Anteil der Optimisten hat wieder zugenommen. 15 Prozent der Unternehmen rechnen künftig mit besseren Geschäften. Eine gegenteilige Entwicklung erwarten 22 Prozent. Die Personalpläne bleiben unterdessen stabil.
Gerhard Rienecker, Vorsitzender der Geschäftsleitung, PASS Consulting Group, Aschaffenburg
„Das Kerngeschäftsmodell der PASS Consulting Group ist die Optimierung von Unternehmensprozessen durch IT, Digitalisierung und KI. Äußere Faktoren treiben diesen Wandel und erhöhen die Nachfrage nach unseren Produkten und Services. Durch unser Innovations- und Changemanagement reagieren wir auf diese Entwicklungen und verzeichnen 2025 sowie 2026 ein zweistelliges Wachstum. KI unterstützt uns dabei, die Nachfrage zu bewältigen und die Time-to-Market zu verkürzen.“
Industrie
Während sich in der Industrie zuletzt Optimisten und Pessimisten die Waage hielten, trübt sich die Stimmung in der Herbstumfrage wieder etwas ein. 22 Prozent der Betriebe bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als gut. 31 Prozent sehen sich hingegen mit einer schlechten Lage konfrontiert. Die übrigen Unternehmen beurteilen ihre Situation als befriedigend. Während das Auftragsvolumen aus dem Ausland insgesamt als stabil bewertet wird, sind die Aufträge aus dem Inland zurückgegangen. Die Auftragsbücher leeren sich: 43 Prozent der Unternehmen geben an, dass ihr Auftragsbestand derzeit zu klein ist. Dies macht sich bereits bei der Auslastung bemerkbar. 14 Prozent der Betriebe sind noch voll ausgelastet, 39 Prozent befriedigend ausgelastet. 47 Prozent geben an, nicht ausreichend ausgelastet zu sein. Auch der Spielraum für Preiserhöhungen geht zurück. Derzeit planen 35 Prozent der Unternehmen, ihre Verkaufspreise anzuheben. Die Investitionsbereitschaft bleibt auf niedrigem Niveau. Mit 38 Prozent ist der Anteil der Betriebe, die Rationalisierungsmaßnahmen als ein Hauptmotiv für Investitionen sehen, spürbar gestiegen. Der größte Risikofaktor sind nicht mehr die Energie- und Rohstoffkosten, sondern für 78 Prozent der Befragten die Inlandsnachfrage. Die Geschäftserwartungen verbessern sich gegenüber der vorherigen Umfrage und sind wieder annähernd ausgeglichen. Während 19 Prozent eine Verbesserung erwarten, rechnen 21 Prozent mit einer Verschlechterung. Die Personalpläne bleiben negativ: 12 Prozent rechnen mit steigenden Beschäftigtenzahlen, 22 Prozent mit sinkenden Zahlen.
„Trotz geopolitischer Unsicherheiten und steigender Kosten sehen wir uns im Seehotel Niedernberg gut aufgestellt. Natürlich spüren auch wir die angespannte wirtschaftliche Lage und verzeichnen vereinzelt Buchungsabsagen. Dank einer stabilen Nachfrage und unserer guten internen Aufstellung können wir diese Entwicklungen bislang jedoch gut auffangen.“
Tourismus
Die Stimmung im Tourismussektor hatte sich zu Jahresbeginn sprunghaft verschlechtert. Im Frühjahr verfestigte sich das Stimmungstief weiter. Im Herbst blicken Hotels und Gaststätten sowie Reisebüros und Reiseveranstalter hingegen wieder versöhnlicher auf die zurückliegende Saison. 22 Prozent der Umfrageteilnehmer bezeichnen ihre aktuelle Geschäftslage als gut, während 28 Prozent von einer schlechten Geschäftslage berichten. Die übrigen Befragten bewerten ihre Lage als befriedigend. Zur verbesserten Lageeinschätzung haben insbesondere Urlaubsreisende und Tagestouristen beigetragen. Die Umsätze mit Geschäftsreisenden werden dagegen weiterhin negativ beurteilt. 17 Prozent der Betriebe gaben an, in den vergangenen Monaten voll ausgelastet gewesen zu sein. Hingegen berichten 34 Prozent der Befragten von einer unzureichenden Auslastung, die übrigen von einer befriedigenden Auslastung. Die Investitionsbereitschaft verharrt weiterhin auf einem niedrigen Niveau. Die Mehrheit der Betriebe kalkuliert mit einer Anhebung der Verkaufspreise. Der mit Abstand größte Risikofaktor sind für 86 Prozent der Befragten die Energie- und Rohstoffpreise. Die Personalplanungen haben sich zwar leicht verbessert, liegen aber weiterhin im negativen Bereich. Der Ausblick auf die kommenden Monate bleibt nahezu unverändert. 16 Prozent rechnen mit einer Verbesserung, wohingegen 29 Prozent eine Verschlechterung erwarten.
Handel
Die Stimmung im Handel hat sich zuletzt spürbar verbessert. Erstmals seit zwei Jahren überwiegen bei der Bewertung der laufenden Geschäfte wieder die optimistischen Stimmen. Aktuell beurteilen 24 Prozent der Befragten ihre Geschäftslage als gut, während 14 Prozent von einer schlechten Lage sprechen. Damit fällt die Einschätzung der gegenwärtigen Situation insgesamt positiver aus als zuletzt. Zugleich sinkt der Anteil der Betriebe, deren Warenbestand größer als saisonüblich ist. Dies trifft nur noch auf 17 Prozent der Händler zu. Auch bei der Preisgestaltung zeichnet sich eine klare Tendenz ab: Zwei Drittel der Befragten planen Preiserhöhungen, während ein Drittel die Preise stabil halten will. Die Investitionsbereitschaft hat zuletzt ebenfalls leicht zugenommen. Immerhin ein Fünftel der Befragten nennt Kapazitätserweiterungen als Hauptmotiv für Investitionen. Als größten Risikofaktor für die weitere wirtschaftliche Entwicklung sehen die Händler die Energie- und Rohstoffpreise, gefolgt von der Inlandsnachfrage. Mit Blick auf die kommenden Monate sind die Optimisten allerdings noch nicht in der Überzahl. 8 Prozent der Befragten erwarten eine Verbesserung der Geschäftslage, während 30 Prozent mit einer Verschlechterung rechnen. Damit liegen die Erwartungen etwa auf dem Niveau der vorherigen Umfrage. Auch die Personalpläne bleiben weiterhin im negativen Bereich. Während 5 Prozent der Befragten Personal aufbauen wollen, planen 18 Prozent einen Personalabbau. Eine grundlegende Trendwende bei der Beschäftigungsentwicklung zeichnet sich damit noch nicht ab.
Bau
Der Abwärtstrend im Baugewerbe setzt sich auch im Herbst fort. 28 Prozent der Betriebe bezeichnen ihre Geschäftslage noch als gut, 24 Prozent hingegen als schlecht. Während das Auftragsvolumen im Wohnungsbau unverändert blieb, gingen die Aufträge im Wirtschaftsbau und im öffentlichen Bau aus Sicht der Befragten zurück. Rund ein Drittel der Bauunternehmen bewertet den aktuellen Auftragsbestand als kleiner als saisonüblich. Rund jeder fünfte Betrieb berichtet, derzeit nicht ausreichend ausgelastet zu sein. Gegenüber der vorherigen Befragung ist dies eine leichte Zunahme. Der Anteil der Betriebe, die mit höheren Verkaufspreisen planen, geht zurück. Steigende Verkaufspreise erwarten 45 Prozent. Die Investitionsbereitschaft verschlechtert sich spürbar. Mehr als jeder vierte Umfrageteilnehmer will in den kommenden Monaten gar nicht investieren. Die größten Risikofaktoren sind die Energie- und Rohstoffpreise, gefolgt vom Fachkräftemangel und den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Die Geschäfts-erwartungen brechen ein: Nur noch 7 Prozent rechnen mit einer Verbesserung der Geschäftslage, während 38 Prozent eine Verschlechterung erwarten. Auch die Personalpläne trüben sich spürbar ein. 4 Prozent der Betriebe planen mit steigenden Beschäftigtenzahlen, 32 Prozent mit sinkenden Zahlen.