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Nr. 7069046
Konjunkturbericht Frühjahr 2026
Konjunktur rutscht ab: Energiepreise und fehlende Reformen bremsen Wirtschaft aus
Die Stimmung der Wirtschaft am Bayerischen Untermain hat sich zum Frühjahr deutlich eingetrübt. Der Irankrieg und die daraus resultierenden gestiegenen Energiepreise sorgen zusammen mit weiterhin ausbleibenden Strukturreformen dafür, dass die regionalen Unternehmen nicht aus der Stagnation herausfinden. Das Konjunkturklima fällt mit 88 Punkten auf den niedrigsten Stand seit der Energiekrise im Herbst 2022.
Stimmung im Frühjahr deutlich eingetrübt
Erwartungen stark verschlechtert
Lage rückläufig
Kosten- und Margendruck steigt
Investitionen und Beschäftigung sinken
„Dieser Einbruch ist vor allem auf die massiv eingebrochenen Geschäftserwartungen zurückzuführen – vielen Unternehmen fehlt zunehmend der Glaube an eine baldige Erholung. Umso dringlicher ist es, dass die Politik endlich den Ernst der Lage erkennt und auch in der Wirtschaftspolitik eine echte Zeitenwende einleitet. Ob Energiepolitik, Steuern, Arbeitsmarkt, Infrastruktur oder Verwaltungsmodernisierung: Der Handlungsdruck steigt von Monat zu Monat. Es ist nicht mehr hinnehmbar, dass zentrale Reformvorhaben ein ums andere Mal aufgeschoben werden. Die Unternehmen brauchen jetzt endlich spürbare Wachstumsimpulse“, so Dr. Andreas Freundt, Hauptgeschäftsführer der IHK Aschaffenburg.
Die laufenden Geschäfte haben sich zum Frühjahr eingetrübt und sind wieder in den negativen Bereich gerutscht. 21 Prozent der regionalen Unternehmen bewerten ihre aktuelle Lage als gut, 53 Prozent als befriedigend und 26 Prozent als schlecht. In der Industrie hat sich die Situation zuletzt leicht verbessert – Optimisten und Pessimisten halten sich dort derzeit die Waage. Dagegen hat sich die Geschäftslage im Handel, im Baugewerbe, im Tourismus sowie bei den Dienstleistern weiter verschlechtert.
Bei den Geschäftsrisiken zeigt sich ein klares Bild: Seit Beginn des Ukrainekriegs und der darauffolgenden Energiekrise hatte sich die Belastung durch Energiekosten in den vergangenen Jahren schrittweise entspannt. Infolge des Irankriegs steigt die Sorge vor hohen Energie- und Rohstoffpreisen jedoch wieder deutlich an. Nach zuletzt 48 Prozent nennen nun wieder 75 Prozent aller Unternehmen diesen Faktor als Risiko. Gleichzeitig ist der Handlungsspielraum begrenzt: Nur jeder fünfte Betrieb sieht sich in der Lage, die gestiegenen Kosten vollständig an die Kundschaft weiterzugeben.
Der zunehmende Margendruck schlägt sich auch in der Liquidität der Unternehmen nieder, die sich gegenüber dem Jahresbeginn leicht verschlechtert hat. Aktuell bewerten 10 Prozent der regionalen Unternehmen ihre Liquiditätslage als schlecht, 2 Prozent sogar als existenzbedrohend. Parallel dazu berichten 12 Prozent der Befragten, dass Forderungsausfälle infolge von Insolvenzen bei Kunden oder Lieferanten derzeit häufiger auftreten als üblich. „Aus Sicht der Betriebe bleiben die bislang umgesetzten politischen Maßnahmen deutlich hinter dem hohen Reformbedarf zurück. Lediglich 3 Prozent der Unternehmen bewerten die Auswirkungen der Wirtschaftspolitik der Bundesregierung auf ihr eigenes Unternehmen als positiv, während 30 Prozent diese als negativ einschätzen“, sagt Andreas Elsner, Konjunkturexperte der IHK.
Die Investitionsbereitschaft geht zurück und erreicht den niedrigsten Stand der vergangenen beiden Jahre. Auch der Ausblick auf die kommenden Monate lässt kaum Aufbruchstimmung erkennen – im Gegenteil: Die Geschäftserwartungen haben sich deutlich eingetrübt. 14 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer Verbesserung der Geschäftslage, während 33 Prozent von einer Verschlechterung ausgehen. Auch die Personalpläne entwickeln sich weiter negativ: 7 Prozent der Betriebe planen einen Beschäftigungsaufbau, hingegen erwarten 22 Prozent sinkende Mitarbeiterzahlen.
Der Konjunkturklimaindikator, der sich aus der Bewertung der aktuellen Geschäftslage und den künftigen Geschäftserwartungen zusammensetzt, bricht deutlich ein. Nach zuletzt 99,1 Punkten fällt er aktuell auf 88 Punkte. An der Umfrage beteiligten sich 240 Unternehmen unterschiedlicher Branchen und Größen aus der Region Bayerischer Untermain.
Im Gegensatz zu den übrigen Branchen wird die Geschäftslage in der Industrie derzeit besser bewertet als noch zu Jahresbeginn. Insgesamt ergibt sich ein ausgeglichenes Bild zwischen optimistischen und pessimistischen Einschätzungen: Während 22 Prozent der Unternehmen von einer guten Lage berichten, sehen sich ebenfalls 22 Prozent mit einer schlechten Geschäftssituation konfrontiert. Die übrigen Betriebe bewerten ihre Lage als befriedigend. Auch das Auftragsvolumen aus dem In- und Ausland wird aktuell weniger negativ eingeschätzt als zu Jahresbeginn. Der Anteil der Betriebe, die ihren Auftragsbestand als zu gering bewerten, ist von zuvor 55 Prozent auf derzeit 40 Prozent zurückgegangen. Ohne den Irankrieg hätte sich daraus möglicherweise eine leichte Erholung mit ersten Wachstumsimpulsen für die Industrie ergeben können. Allerdings belasten die gestiegenen Energie- und Rohstoffkosten die Unternehmen erneut deutlich: Nachdem zuletzt 43 Prozent hierin ein Geschäftsrisiko sahen, sind es aktuell 72 Prozent der Industriebetriebe. An zweiter Stelle im Risikoranking folgen für 63 Prozent der Befragten die Inlandsnachfrage sowie für 61 Prozent die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Mit Blick auf die kommenden Monate rechnen die Unternehmen wieder mit einem Rückgang des Auftragsvolumens aus dem In- und Ausland. Die gestiegenen Kosten werden teilweise durch höhere Verkaufspreise weitergegeben (59 Prozent), eine vollständige Weitergabe planen jedoch lediglich 13 Prozent der Betriebe. Die Investitionsbereitschaft bleibt gegenüber dem Jahresbeginn unverändert auf niedrigem Niveau. Zugleich trüben sich die Geschäftserwartungen für die nächsten Monate deutlich ein: 13 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer Verbesserung, während 34 Prozent von einer Verschlechterung der Geschäftslage ausgehen. Auch die Personalplanungen verbleiben im negativen Bereich. 7 Prozent der Betriebe beabsichtigen, ihre Beschäftigtenzahl zu erhöhen, während 24 Prozent mit einem Rückgang rechnen.
Marco Sator, Niederlassungsleiter, Semcoglas GmbH, Aschaffenburg
„SEMCO behauptet sich trotz schwieriger Rahmenbedingungen am Markt, unsere Branche ist aber geprägt von einer schwachen Baukonjunktur, hohen Baukosten und Verunsicherung der Bauherren. Die Nachfrage nach energieeffizienten und funktionalen Glaslösungen bleibt stabil, erfordert aber hinsichtlich Planungssicherheit entschlosseneres Handeln von der Politik.
Peter Stamm, Geschäftsführer, Stamm Waagen- und Kassensysteme GmbH & Co. KG, Aschaffenburg
„Die wirtschaftliche Lage in der Region Aschaffenburg bleibt angespannt: Die Industrie leidet unter schwacher Nachfrage und hohen Kosten, während Einzelhandel und Gastronomie nur verhalten stabil sind und unter zurückhaltendem Konsum sowie Personalmangel stehen. Als familiengeführter Betrieb in dritter Generation zeigt sich der Wandel hin zu mehr Beratung, Service und individuellen Lösungen zur Stärkung der Kundenbindung. Insgesamt bleibt die Wirtschaft solide, bewegt sich jedoch in einem herausfordernden Umfeld.“
Handel
Während sich im Handel in den vergangenen beiden Umfragen eine vorsichtige Erholung abgezeichnet hatte und ein ausgewogenes Stimmungsbild in greifbare Nähe gerückt war, trüben sich die laufenden Geschäfte in der aktuellen Frühjahrsumfrage wieder leicht ein. 16 Prozent der Händler bewerten ihre Geschäftslage als gut, 57 Prozent als befriedigend und 27 Prozent als schlecht. Dabei war das Jahr zunächst positiv gestartet, und die Warenbestände sind in den vergangenen Monaten zurückgegangen. Allerdings führen Inflation, hohe Energiekosten und geopolitische Unsicherheiten zunehmend zu einer Konsumzurückhaltung bei den Verbrauchern. Gleichzeitig steigen die Kosten auf Seiten der Händler, wodurch sich der Margendruck weiter erhöht. 73 Prozent der Händler sehen in der Inlandsnachfrage ein Geschäftsrisiko, 71 Prozent in den Energie- und Rohstoffpreisen und 63 Prozent nennen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen als Risikofaktor. Die Investitionsbereitschaft geht zurück, und etwa die Hälfte der Händler rechnet in den kommenden Monaten mit Umsatzrückgängen. Zu Jahresbeginn hatten bei den Geschäftserwartungen erstmals seit vier Jahren wieder die Optimisten die Mehrheit. Infolge der gestiegenen Kosten und des eingetrübten Konsumklimas brechen die Erwartungen aktuell jedoch wieder spürbar ein: 17 Prozent der Händler rechnen mit einer Verbesserung, während 40 Prozent eine Verschlechterung erwarten. Auch die Personalpläne drehen erneut ins Negative. 11 Prozent der Händler planen einen Personalaufbau, während 24 Prozent einen Abbau beabsichtigen.
Dienstleistungen
Im Dienstleistungssektor trübt sich die bislang vergleichsweise gute Stimmung zum Frühjahr spürbar ein. 24 Prozent der Umfrageteilnehmer bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als gut, 19 Prozent als schlecht, die übrigen als befriedigend. 39 Prozent der Dienstleister berichten von zuletzt gesunkenen Umsätzen; rund jeder fünfte Befragte war in den vergangenen Monaten nicht mehr ausreichend ausgelastet. 69 Prozent der Befragten sehen in den Energie- und Rohstoffpreisen ein Geschäftsrisiko, 58 Prozent benennen die Inlandsnachfrage als Risikofaktor und 51 Prozent die Arbeitskosten. Insgesamt wird mit einem weiteren Rückgang der Auslastung gerechnet. In der Folge geht die Investitionsbereitschaft deutlich zurück und erreicht einen sechsjährigen Tiefpunkt. Neben Ersatzbeschaffungen zählen Rationalisierungsmaßnahmen für ein Drittel der Befragten zu den zentralen Investitionsmotiven. Auch die Geschäftserwartungen trüben sich spürbar ein: 6 Prozent erwarten in den kommenden Monaten eine Verbesserung, 32 Prozent hingegen eine Verschlechterung. Ebenso verschlechtern sich die Beschäftigungsabsichten. 7 Prozent planen einen Personalaufbau, während 22 Prozent einen Personalabbau beabsichtigen.
„Die aktuelle Lage unseres Unternehmens ist stabil und gibt Anlass zu vorsichtigem Optimismus für die Zukunft. Die Senkung der Mehrwertsteuer eröffnet uns gezielte Investitionsspielräume zur Stärkung unserer Strukturen, auch wenn nachhaltiges Wachstum unter den aktuellen Rahmenbedingungen eine Herausforderung bleibt.“
Tourismus
Nach dem Stimmungstief zum Jahresauftakt verschlechtert sich die Lage im Tourismussektor im Frühjahr erneut. 16 Prozent der örtlichen Hotels und Gaststätten, der Reisebüros und Reiseveranstalter sowie der Omnibusunternehmen bewerten ihre laufenden Geschäfte als gut, 37 Prozent als befriedigend und 47 Prozent als schlecht. Während die Nachfrage der Kundschaft vergleichsweise stabil geblieben ist, prägen insbesondere gestiegene Kosten das negative Stimmungsbild. 83 Prozent der Umfrageteilnehmer sehen in den Energie- und Rohstoffpreisen ein Geschäftsrisiko, wobei die Energiepreisanstiege als besonders gravierend eingeschätzt werden. 75 Prozent nennen zudem die Arbeitskosten als Risikofaktor. Gleichzeitig gilt die Zahlungsbereitschaft der Kunden als weitgehend ausgeschöpft: Nur 18 Prozent der Betriebe sehen sich in der Lage, die gestiegenen Kosten vollständig über Preiserhöhungen an die Kundschaft weiterzugeben. Einen Lichtblick bietet die erwartete Auslastung: 35 Prozent der Umfrageteilnehmer rechnen in den kommenden Monaten mit einer Zunahme, 24 Prozent mit einem Rückgang und die übrigen mit keiner Veränderung. Die Investitionsbereitschaft verbessert sich leicht, verbleibt jedoch auf niedrigem Niveau. Investitionen erfolgen dabei nahezu ausschließlich in Form von Ersatzbeschaffungen, um den laufenden Betrieb aufrechtzuerhalten. Die Geschäftserwartungen trüben sich weiter ein: 19 Prozent der Unternehmen erwarten in den kommenden Monaten eine Verbesserung, während 32 Prozent von einer Verschlechterung ausgehen. Die Personalplanungen bleiben weiterhin im negativen Bereich: 4 Prozent der Betriebe beabsichtigen, ihre Beschäftigtenzahlen zu erhöhen, während 26 Prozent mit einem Rückgang rechnen.
Bau
Im Baugewerbe geht die Bewertung der laufenden Geschäfte zwar leicht zurück, das Stimmungsbild bleibt im Branchenvergleich jedoch weiterhin deutlich überdurchschnittlich. 32 Prozent der Bauunternehmen bewerten die aktuelle Geschäftslage als gut, 60 Prozent als befriedigend und 8 Prozent als schlecht. Das Volumen der Bauaufträge hat sich gegenüber dem Jahresbeginn saisonbedingt leicht verbessert. Der Wohnungsbau wird etwas optimistischer eingeschätzt, während der öffentliche Bau stabil bleibt. Demgegenüber zeigt sich der Wirtschaftsbau rückläufig. Die Bauunternehmen sehen sich weiterhin mit gestiegenen Energie- und Rohstoffkosten konfrontiert. 83 Prozent der Umfrageteilnehmer bewerten dies als Geschäftsrisiko. Während die Sorge vor Fachkräftemangel in anderen Branchen spürbar zurückgeht, bleibt dieser im Baugewerbe für 70 Prozent der Unternehmen ein zentrales Thema. 60 Prozent sehen zudem in den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen ein Geschäftsrisiko. Die Investitionsbereitschaft hat sich leicht verbessert, wobei Investitionen überwiegend in Ersatzbeschaffungen fließen. Die Verkaufspreise ziehen wieder etwas an und für die kommenden Monate wird mit einem stabilen Auftragsvolumen gerechnet. In der Folge verbessern sich auch die Geschäftserwartungen leicht, die Optimisten überwiegen nun knapp. 21 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer Verbesserung der Geschäftslage, 17 Prozent hingegen mit einer Verschlechterung. Die Personalpläne bleiben stabil.