Corona-Pandemie

IHK-Prüfungen und Ausbildung: FAQs

FAQs zur Ausbildung

Werden die Azubis zu neuen Prüfungsterminen automatisch angeschrieben oder muss der Betrieb sie wieder anmelden?

Bereits angemeldete Prüflinge sind der IHK bekannt und werden über neue Termine informiert. Der Betrieb muss hier nichts weiter unternehmen.

Entstehen mir Nachteile, wenn die Prüfung verschoben wird?

Grundsätzlich sollten den Prüflingen keine Nachteile durch eine verschobene Prüfung entstehen. Der ausgefallene Termin wird selbstverständlich nicht als Prüfungsversuch gewertet.

Weiterbildungsprämie für Umschüler

Vielen Umschülerinnen und Umschülern steht nach der Teilnahme an einer Zwischenprüfung eine Weiterbildungsprämie in Höhe von 1.000 Euro zu.
Ausgefallene Zwischenprüfungen der IHKs gelten als abgelegt. Mit der Regionaldirektion der Agenturen für Arbeit wurde daher für Nordrhein-Westfalen folgende Regelung getroffen:
“Es reicht aus, dass die Zwischenprüfung als abgelegt gilt. Um die Prämie zu erhalten, muss jedoch individuell nachgewiesen werden, dass man an der Zwischenprüfung teilgenommen hätte. Dafür reicht eine Bestätigung der IHK.”

Welche Folgen hat es, wenn ich an der Prüfung nicht teilnehmen kann?

Prüfungsrechtlich verlieren Sie keinen Prüfungsversuch. Sie können die Prüfung zum nächsten Termin fortsetzen bzw. beginnen. Wenn Sie in der Ausbildung sind, besteht oft ein Anspruch auf Verlängerung der Ausbildungszeit bis zum nächsten Prüfungstermin.

 Werden die Abgabefristen verlängert?

In den Ausbildungsprüfungen müssen bei einigen Ausbildungsberufen Projektarbeiten, Reporte, betriebliche Aufträge oder ähnliche Unterlagen eingereicht werden. Auch wenn die Prüfungen nicht stattfinden sollten, müssen die für das Einreichen der Projektarbeiten festgelegten Fristen grundsätzlich eingehalten werden. Sollte das im Einzelfall nicht möglich sein, müssen die betroffenen Prüflinge sich bei ihrer IHK melden, die gemeinsam mit dem Prüfungsausschuss über das weitere Prüfungsverfahren entscheidet.

Die Projektarbeit ist auf Grund der Corona-bedingten Umstände betrieblich nicht durchführbar. Was ist zu tun?

Auch in diesem Fall muss mit der IHK Kontakt aufgenommen werden, damit über das weitere Prüfungsverfahren entschieden werden kann.

Muss der Betrieb seinen Azubi Zeit für Lernstoff von der Berufsschule einräumen?

Wenn die Berufsschulen Lernformate anbieten, die auch ohne Anwesenheit in der Schule möglich sind, muss der Betrieb dem Azubi die Zeit einräumen, sich mit Hilfe dieser Formate den Lerninhalt anzueignen. Der zeitliche Umfang hierfür ist so zu bemessen, dass er dem Freistellungszeitraum für die Teilnahme am Berufsschulunterricht nach  § 15 Abs. 1 Nr. 1 BBiG entspricht.
Von der Zeit, die der Ausbilder den Azubis im Ausbildungsbetrieb zum Lernen einräumt,  wird allerdings die Wegzeit vom Betrieb zur Berufsschule und zurück abgezogen. Auch Lehrzeiten an der Berufsschule, die über die erforderliche berufliche Handlungsfähigkeit hinaus erteilt werden, wie zum Beispiel  Sport, Religion und so weiter werden abgezogen.

Was tue ich, wenn ich am Coronavirus erkrankt bin beziehungsweise der Verdacht einer Erkrankung besteht?

Wenn Sie zum Prüfungstermin am Coronavirus erkrankt sind, dürfen Sie nicht an der Prüfung teilnehmen. Dies stellt in der Regel einen Rücktritt mit wichtigem Grund dar. Wichtig ist, dass Sie unverzüglich der IHK die Nichtteilnahme mitteilen müssen (per E-Mail) und den wichtigen Grund (Erkrankung) nachweisen müssen durch Vorlage eines ärztlichen Attestes.
Das Gleiche gilt, wenn Sie wegen des Verdachts einer Erkrankung am Coronavirus unter Quarantäne gestellt werden. Auch in diesem Fall dürfen Sie nicht an der Prüfung teilnehmen, wenn die Prüfung in den Zeitraum der Quarantäne fällt. Auch das ist in der Regel ein Rücktritt mit wichtigem Grund, den Sie bitte unverzüglich unter Beifügung geeigneter Nachweise (zum Beispiel Bescheinigung vom Gesundheitsamt) der IHK mitteilen (per E-Mail).

Der Betrieb schickt den Auszubildenden nach Hause. Wie ist es mit den zu vermittelnden Lerninhalten? Wird diese "freie" Zeit auf die Fehlzeiten (Zulassung zu Abschlussprüfung) angerechnet oder ist dies eine Ausnahmesituation?

Bei der “freien” Zeit handelt es sich um Fehlzeiten, die für die Zulassung zur Abschlussprüfung grundsätzlich relevant (§ 43 Abs. 1 Nr. 1 Hs. 1 BBiG) sind. Unerheblich für die Bewertung der Fehlzeit ist, ob, wie im vorliegenden Fall, der Auszubildende die Fehlzeit zu vertreten hat. Im Rahmen der Zulassung zur Abschlussprüfung erfolgt eine Bewertung der zuständigen IHK, ob es sich um eine Fehlzeit von bis zu zehn Prozent der vertraglichen Ausbildungszeit handelt. Ist dies der Fall, dann ist grundsätzlich in der Regel eine Gefährdung des Ausbildungsziels nicht anzunehmen. Bei Fehlzeit über zehn Prozent können diese dennoch als geringfügig eingeschätzt werden, wenn sie den Ausbildungserfolg nicht gefährden, weil der Auszubildende trotz der vielen Fehltage den für die Erreichung des Ausbildungsziels erforderlichen Leistungsstand hat. Generell gilt, dass bei der Beurteilung der Fehlzeiten immer auf die Umstände des Einzelfalls abzustellen ist. 
Es wird nicht zwischen Berufsschulzeit und Ausbildungszeit unterschieden. Auch die berufsschulischen Inhalte gehören bezüglich der berufsspezifischen Inhalte und bezüglich Wirtschafts- und Sozialkunde zur beruflichen Handlungsfähigkeit. Eine Unterscheidung ist deshalb nicht erforderlich. Sowohl Fehlzeiten im Betrieb als auch in der Berufsschule sind zu berücksichtigen.

Verlängert sich die Ausbildungszeit, wenn die Prüfung verschoben wird?

Nein, die   Ausbildungszeit verlängert sich nicht. Die Ausbildung endet laut Gesetz mit dem Ablauf der Ausbildungsdauer (in der Regel zwei oder drei Jahre), also mit Ablauf des im Ausbildungsvertrag vereinbarten letzten Ausbildungstages. In der Regel bestehen Auszubildende aber vor Ablauf der vereinbarten Ausbildungsdauer die  Abschlussprüfung. In diesem Fall endet das Berufsausbildungsverhältnis mit Bekanntgabe des Ergebnisses durch den Prüfungsausschuss.
Auf Antrag des Azubis bei der IHK kann jedoch eine  Verlängerung der Ausbildungszeit beantragt werden. Voraussetzung: Die Verlängerung ist erforderlich, um das Ausbildungsziel zu erreichen. Diese kann bei einer längeren Corona-bedingten Ausfallzeit der Berufsausbildung im Betrieb oder in der Berufsschule durchaus der Fall sein.

Darf ein Auszubildender der Ausbildung fernbleiben?

Grundsätzlich darf ein Auszubildender die Arbeit nicht verweigern, weil die Ansteckungsgefahr bei der Arbeit oder auf dem Weg dorthin erhöht sein könnte. Im Einzelfall kann der Arbeitgeber bei einer konkreten Gefährdung aufgrund seiner Fürsorgepflicht verpflichtet sein, den Auszubildenden von der Arbeit freizustellen oder Teile der Ausbildung (zum Beispiel das Führen des Ausbildungsnachweises) zu Hause zu erlauben.

Mein Betrieb wurde durch die Behörden geschlossen. Wie soll ich nun ausbilden?

Bitte versuchen Sie, Ausbildungsinhalte aus anderen Abteilungen vorzuziehen. Wenn das nicht geht, können Sie Ihrem Azubi ein Projekt für die Erarbeitung zu Hause übergeben, das den Betrieb nach Wiedereröffnung voranbringt. Auch zusätzliche Lernzeit für die Berufsschule ist eine Möglichkeit, die Zeit jetzt sinnvoll zu nutzen.

Darf mein Azubi im Home Office arbeiten?

Grundsätzlich sollten Azubis nicht im Home Office arbeiten. Aufgrund der derzeitigen Umstände ist es jedoch vertretbar, dass Azubis im Home Office arbeiten, wenn Sie dies betrieblich ermöglichen können. Halten Sie Kontakt mit den Azubis und kommunizieren miteinander, etwa darüber, wie sich die Arbeitsfortschritte gestalten.

Darf ein Betrieb seine Azubis freistellen?

Eine Freistellung von der Ausbildung ist nur in den gesetzlich ausdrücklich vorgesehenen Fällen (§15 Abs. 1 BBiG) möglich. Eine darüber hinaus gehende Freistellung verstößt immer – ob bezahlt oder unbezahlt – gegen die Verpflichtung des Ausbilders, berufliche Handlungsfähigkeit zu vermitteln (§14 Abs. 1 Nr. 1 BBiG). Das heißt, dass weder eine schlechte Auftragslage noch ein behördliches Verbot, die Ausbildungsstätte weiter zu betreiben, Gründe für eine Freistellung von Auszubildenden sind.
Ausbilder sind im Einzelfall schadenersatzpflichtig , wenn sie die Auszubildenden dennoch von der Ausbildung freistellen und den Auszubildenden dadurch finanzielle Nachteile entstehen. Auch bei Lücken in der Ausbildung, die zur Nichtzulassung oder zum Nichtbestehen der Abschlussprüfung führen, besteht die Pflicht zu Schadenersatz.

Kann ein Betrieb für seine Auszubildenden Betriebsurlaub anordnen?

Betriebsurlaub kann vom Arbeitgeber im Rahmen seines Direktionsrechts grundsätzlich angeordnet werden - allerdings nicht nur für Auszubildende. Es muss sich dann um eine generelle Regelung für den gesamten Ausbildungsbetrieb oder zumindest für organisatorisch klar abgegrenzte Betriebsteile handeln, auf die sich die betriebliche Sondersituation auswirkt.

Wie wird das Gesamtergebnis (Bestehen/Nichtbestehen) bekanntgegeben, wenn die mündliche/praktische Prüfung vor der schriftlichen stattfindet oder die schriftlichen Leistungen zum Zeitpunkt der mündlichen/praktischen Prüfung noch nicht bekannt sind?

Ist die schriftliche Prüfung die letzte Prüfungsleistung oder sind die Ergebnisse davon zum Zeitpunkt der mündlichen/praktischen Prüfung noch nicht bekannt, wird das Endergebnis mit dem Prüfungsbescheides (Zeugnis oder Nichtbestandenbescheid) verschickt.

Wann endet dann das Ausbildungsverhältnis?

Im Falle des Bestehens endet das Ausbildungsverhältnis mit Zugang der Ergebnisbescheinigung und Kenntnisnahme des Betriebs.

Wie erfährt der Betrieb vom Bestehen oder Nichtbestehen der Abschlussprüfung und damit vom Ausbildungsende?

Grundsätzlich haben Auszubildende die Pflicht, ihren Ausbildungsbetrieb über das Bestehen oder Nichtbestehen der Abschlussprüfung unverzüglich in Kenntnis zu setzen. Die IHK versendet eine Ergebnisbescheinigung oder einen Nichtbestandenenbescheid an die Auszubildenden sowie an die Betriebe.
HInweis:
Informationen zur Kurzarbeit von Auszubildenden oder Insolvenz von Ausbildungsbetriebenfinden Sie in unseren FAQs.
Quelle: DIHK/IHK Düsseldorf