Roadshow zur Nachhaltigkeitsberichterstattung - Wie hessische Unternehmen den Einstieg schaffen

Wiesbaden, 3. September 2026 – Rund 70 Unternehmen aus Hessen testeten am gestrigen Tag in der IHK Wiesbaden das kostenlose Tool der Bundesregierung zur Nachhaltigkeitsberichterstattung. Im Rahmen der DNK-Roadshow stellten die IHKs Wiesbaden und Frankfurt am Main gemeinsam mit dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) die dazugehörige DNK-Plattform vor: www.deutscher-nachhaltigkeitskodex.de.
Paul Herwarth von Bittenfeld, Vizepräsident der IHK Wiesbaden, eröffnete die Roadshow gemeinsam mit Dr. Alexandra von Winning, Vorsitzende des Ausschusses Nachhaltigkeit der IHK Frankfurt. Herwarth von Bittenfeld betonte: „Beim Nachhaltigkeitsreporting geht es nicht um Regulierung, sondern darum, wie wir unsere Unternehmen langfristig erfolgreich aufstellen und zukunftsfähig machen möchten. Kunden, Banken, Versicherungen, Geschäftspartner und potenzielle Mitarbeitende erwarten heute mehr Transparenz als noch vor einigen Jahren“.
Der Vormittag bot praktische Orientierung für den Unternehmensalltag. Tamara Mariela Moll vom DNK führte in das Thema ein. Dennis Pütz von der Pütz GmbH + Co. Folien KG zeigte in seiner Keynote, warum Nachhaltigkeitsberichterstattung Unternehmen jetzt bewegt. „Nicht jeder Mittelständler braucht morgen einen Hochglanz-ESG-Report. Aber jedes KMU braucht in den nächsten Jahren eine klare, glaubwürdige Geschichte mit Zahlen dahinter“, betonte er.
Jakob Kunzlmann von der Bertelsmann Stiftung ordnete anschließend die freiwillige Berichterstattung nach VSME (künftig Voluntary Standard, kurz VS) ein. Der Wert liege nicht allein im fertigen Bericht, sondern im Prozess: Unternehmen lernen, ihre Nachhaltigkeitsdaten zu verstehen und für Gespräche mit Banken, Kunden oder Partnern zu nutzen.
Victoria Diekkamp-Reimann, Projektleiterin des DNK, stellte vor, wie Unternehmen mithilfe der DNK-Plattform (report.deutscher-nachhaltigkeitskodex.de/ ) Schritt für Schritt in die Berichterstattung einsteigen können. Das Angebot ist kostenlos, digital und modular aufgebaut. Es richtet sich an berichtspflichtige Unternehmen ebenso wie an Betriebe, die freiwillig nach dem VSME-Standard berichten möchten.
Wie groß der Bedarf nach einfachen Lösungen ist, zeigte die Diskussion „Nachhaltigkeitsberichterstattung im Dialog – Erwartungen, Chancen und gemeinsame Lösungen“. Vertreterinnen und Vertreter aus Unternehmen, Sustainable Finance und Versicherungswirtschaft sprachen über das, was Betriebe heute bereits erleben: Daten werden abgefragt, Formate unterscheiden sich, Zuständigkeiten sind unklar. Der VSME-Standard soll hier entlasten. Er setzt auf einheitliche, freiwillige Angaben und kann helfen, aus vielen einzelnen Fragebögen eine gemeinsame Sprache zu machen.
Im Anschluss wurde es noch einmal praktisch. In drei Workshops ging es um den Start in die Nachhaltigkeitsberichterstattung, den Erfahrungsaustausch zwischen Unternehmen und den Weg vom VSME-Bericht zum DNK-Signet. Das DNK-Signet dokumentiert die Durchführung des DNK-Plausibilitätschecks. Dabei analysieren unabhängige Gutachter von Universitäten die Angaben im Basis- und Zusatzmodul des VSME anhand von Konsistenz, Kohärenz, Verständlichkeit und formaler Vollständigkeit im Sinne des Standards. Belege, Quellen und sonstige Nachweise sind nicht Gegenstand des Checks, ebenso wenig die Nachhaltigkeitsleistung selbst. Nach abgeschlossenem Plausibilitätscheck dürfen Unternehmen das DNK-Signet tragen und ihren VSME-Bericht auf der DNK-Website veröffentlichen.
Die Veranstaltung zeigte deutlich: Nachhaltigkeitsreporting muss nicht mit dem perfekten Bericht beginnen. Oft reicht der erste strukturierte Blick auf vorhandene Daten, auf Energieverbräuche, Lieferketten, Arbeitsprozesse oder Risiken. Von dort aus kann Schritt für Schritt ein Instrument entstehen, das nicht nur extern Vertrauen schafft, sondern auch intern Orientierung gibt.