Park-Café & Sportarena – IHK fordert Vorrang für gewerbliche Nutzung

In Wiesbaden stehen derzeit mehrere Schlüsselimmobilien leer. In der kommenden Sitzung der Stadtverordnetenversammlung soll die mögliche Unterbringung des kuenstlerhaus43 im Park-Café diskutiert werden. Die IHK Wiesbaden fordert, bei zentralen Innenstadtimmobilien wirtschaftlich tragfähigen und dauerhaft finanzierbaren Nutzungen Vorrang zu geben. Diese Standorte sollten konsequent für eine gewerbliche Nachnutzung aktiviert werden, um neue Impulse für die Innenstadt zu schaffen.

26. Mai 2026 - Zu den seit Langem leerstehenden Objekten zählen unter anderem Karstadt, Citypassage, Walhalla sowie die Sportarena in der Langgasse und das Park-Café auf der Wilhelmstraße. Dazu erklärt IHK-Präsident Jörg Brömer: „Aus Sicht der IHK ist klar: Wo immer es gewerbliche Interessenten für Handel, Gastronomie oder Dienstleistungen gibt, muss eine entsprechende Nutzung grundsätzlich ermöglicht werden. Gewerbliche Nachnutzungen müssen Vorrang haben.“
Park-Café: Gewerbliche Perspektiven weiter berücksichtigen
Mit dem aktuellen Antrag zur möglichen Unterbringung des kuenstlerhaus43 im Park-Café wird eine kulturelle Nutzung der Immobilie auf der Wilhelmstraße diskutiert. Durch den Umzug würden allerdings rund 186.000 Euro Jahresmiete anfallen statt bislang 34.450 Euro. Hinzukommen könnten Mehrkosten durch den Theaterbetrieb, die aktuell noch nicht kalkuliert sind. Das Budget des Kulturamts müsste in den Folgejahren entsprechend erhöht oder an anderer Stelle gekürzt werden. Brömer bemängelt: „Mit Blick auf die aktuelle Haushaltslage ist es nur schwer zu rechtfertigen, in besten Lagen wie der Wilhelmstraße oder der Fußgängerzone dauerhaft Zuschussgeschäfte zu generieren.”
Gleichzeitig gibt es nach Angaben der Eigentümerin WiBau erneut Interesse aus der Gastronomie am Park-Café – nachdem vor wenigen Wochen das Restaurantprojekt „Moriki“ aufgrund gestiegener Sanierungskosten nicht fortgesetzt wurde. Nach Einschätzung der WiBau sind alternative gastronomische Konzepte oder andere Nutzungen grundsätzlich realisierbar.
Aus Sicht der IHK sollte deshalb für das Park-Café geprüft werden, welche gewerblichen Konzepte wirtschaftlich tragfähig umgesetzt werden können. „Gerade in zentralen Innenstadtlagen ist eine dauerhafte Belebung durch Gastronomie, Handel oder Dienstleistungen ein wichtiger Faktor für die Attraktivität der Stadt“, erklärt Brömer.
Sportarena: Gewerbliche Nachnutzung in Aussicht
Das ehemalige SportScheck-Gebäude in der Langgasse steht seit Frühjahr 2024 leer. Es wurde nach der Betreiberinsolvenz durch die Stadtentwicklungsgesellschaft Wiesbaden (SEG) erworben. Nach einer Zwischennutzung durch den Frühlingsmarkt folgt von Mai bis Oktober 2026 das Projekt „WerkRaum“ des Stadtmuseums im Rahmen der World Design Capital.
Nach Informationen, die der IHK Wiesbaden vorliegen, haben namhafte Einzelhandelsunternehmen konkretes Interesse am Standort bekundet. Die Sportarena liegt in der Hauptlage der Fußgängerzone und ist im Umfeld die einzige freie Immobilie mit einer großen zusammenhängenden Verkaufsfläche. Eine Analyse des auf Stadtentwicklung spezialisierten Beratungsunternehmens Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung mbH (GMA) von August 2025 sieht in der rund 5.000 Quadratmeter großen Liegenschaft ein erhebliches Potenzial, zusätzliche Kaufkraft aus dem Umland nach Wiesbaden zu ziehen.
„Die Sportarena ist prädestiniert für den Einzelhandel. Aufgrund der Verkaufsfläche kann sie eine wichtige Magnetwirkung entfalten und dauerhaft für Frequenz in der Innenstadt sorgen – davon profitieren auch die umliegenden Betriebe“, betont Brömer. „Andere Städte rollen Interessenten für solche Schlüsselimmobilien den roten Teppich aus. Die Stadt muss die gewerbliche Nachnutzung jetzt zügig ermöglichen – das konkrete Interesse liegt auf dem Tisch.“
Fokus: Innenstadtbelebung und Haushaltsdisziplin
Abschließend betont die IHK ihr grundsätzliches Verständnis für die unterschiedlichen städtischen Raumbedarfe: „Kulturelle Einrichtungen und Projekte brauchen attraktive Perspektiven in Wiesbaden. Oberstes Ziel muss gleichzeitig sein, die Innenstadt zu beleben und Kaufkraft nach Wiesbaden zu ziehen, denn auch davon profitiert die Kulturszene langfristig“, erklärt Brömer. „In der aktuellen Haushaltslage gilt: Jeder öffentliche Euro kann nur einmal ausgegeben werden und sollte dort eingesetzt werden, wo er die größte Wirkung für die Stadt insgesamt entfaltet.“