IHK Ulm

IHK-Konjunkturgespräch 2026

„Der Standort Deutschland steht unter einem enormen Druck, der insbesondere die hiesige Industrie immer tiefer in die Krise treibt. Ohne standortstärkende Reformen drohen zunehmende Verteilungskämpfe und eine sich weiterdrehende Abwärtsspirale. “ so fasste Prof. Dr. Kooths, Chefökonom am Institut für Weltwirtschaft in Kiel, den derzeitigen Zustand der deutschen Wirtschaft zusammen. "Was wir jetzt noch an Schub und an Erholung erwarten ist trotz staatlicher Ausgabenprogramme ausgesprochen schwach."
IHK-Präsident Christof Schlegel begrüßte die zahlreichen Besucher des IHK-Konjunkturgesprächs aus Politik und Wirtschaft. Ihr besonderer Dank galt den Betrieben, die die Konjunkturberichterstattung der IHK durch ihre regelmäßige Teilnahme an der IHK-Konjunkturumfrage ermöglichen.
Der Wirtschaft in der IHK-Region Ulm fehlen weiter Impulse aus dem In- und Ausland. Zusätzlich belasten Kostenfaktoren. Sowohl die Lageurteile als auch die Erwartungen der regionalen Unternehmen bleiben somit gedämpft. In der Folge bleibt die Investitionsbereitschaft im Inland nach wie vor gering und die Beschäftigungspläne sind immer mehr nach unten gerichtet. „Die regionale Wirtschaft kommt weiterhin nicht in Schwung und stagniert.”, resümiert der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der IHK, Jonas Pürckhauer die aktuellen Ergebnisse der Konjunkturumfrage zu Jahresbeginn. “Es braucht dringend eine wirtschaftspolitische Wende mit klaren Prioritäten für Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum.“
Das sieht Prof. Dr. Kooths, Konjunkturchef am Kieler Institut für Weltwirtschaft mit Blick auf Deutschland kaum anders. Die deutsche Wirtschaft habe sich auf niedrigem Niveau stabilisiert. Zwar setze die expansive Finanzpolitik in diesem Jahr Impulse. Die dadurch erhöhten Zuwachsraten des Bruttoinlandsprodukts in den kommenden beiden Jahren kaschieren jedoch lediglich die schlechten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Die deutsche Wirtschaft leide seit einigen Jahren unter den massiven Standortschwächen, „die Produktivität bewegt sich seit Jahren im Krebsgang.“, so Prof. Dr. Kooths.
Er attestiert der jetzigen Bundesregierung einer korrekten Analyse der Gegebenheiten, eine angemessene politische Reaktion darauf bleibt jedoch aus. Die Ursache hierfür sieht Prof. Kooths in einem tiefsitzenden Misstrauen gegenüber Marktprozessen, dem es entgegenzuwirken gilt, um das Wohlstandsfundament des Landes zu erneuern.
Mit welchen konkreten Maßnahmen die Regierung die Wirtschaft voranbringen könnte, wurde in einer neuen Studie des Kiel-Instituts für Weltwirtschaft (IfW) untersucht. Darin wurden drei große Wachstumshebel identifiziert: Ein massiver Abbau der Bürokratie, eine große Rentenreform und die Verbesserung der Investitionsbedingungen. „Ohne standortstärkende Reformen drohen zunehmende Verteilungskämpfe und eine sich weiterdrehende Abwärtsspirale. Eine Politik, die auf Zeit spielt, hat nichts zu gewinnen, sondern produziert letztlich nur Verlierer.“, mahnte Prof. Dr. Kooths.
Zu Ihrer Information finden Sie die Folien vom Konjunkturgespräch 2026 sowie Links zu Veröffentlichungen des IfW Kiel rechts unter weitere Informationen.