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Fachkräftestrategie des Landes
Die Fachkräftestrategie des Landes ist das Ergebnis einer breiten, kreativen und zum Teil sehr kritischen Entwicklungsarbeit vieler Partner. Basis der Ausgangsberatungen war die Studie "Regionale Arbeits- und Fachkräftebedarfe in MV". Die Wertung der Studie fiel sehr unterschiedlich aus. Einig ist man sich aber darin, dass MV in den kommenden Jahren vor noch größeren Herausforderungen bei der Sicherung des Fachkräftebedarfes stehen wird als heute schon, denn
- qualifizierte Fachkräfte und eine ausreichende Fachkräftebasis sind eine wesentliche Voraussetzung für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Landes und seiner Wirtschaft und
- eine stabile Wirtschafts- und Arbeitsmarktentwicklung schaffen die finanziellen Grundlagen für ein stabiles staatliches Handeln.
Ziel der Fachkräftestrategie
- die Verbesserung der Rahmenbedingungen, damit Fachkräftepotenziale systematisch und möglichst vollständig erschlossen werden können,
- die in MV vorhandenen endogenen Fachkräftepotenziale systematisch und möglichst vollständig zu erschließen,
- dabei die individuellen Erwerbschancen durch tätigkeitsbezogene, perspektivorientierte Aus-, Fort- und Weiterbildung zu erhöhen
- ergänzend und bedarforientiert Fachkräfte aus dem In- und Ausland zu gewinnen,
- attraktive Arbeitsbedingungen, einschließlich hoher gesetzlicher Mindestbedingungen am Arbeitsmarkt zu schaffen,
- die Transformationsprozesse von Wirtschaft und Arbeit vorausschauend und aktiv zu unterstützen.
Die Fachkräftestrategie glieder sich dabei in vier Säulen:
- Fachkräfte qualifizieren
- Duale Berufsausbildung stärken
- Berufliche Weiterbildung intensivieren
- Erwerbspotenziale sicher und ausschöpfen
- Regionalspezifische Arbeitsmarktanalyse
- Zielgruppenspezifische Arbeitsmarktintegration
- Fachkräfte aus dem In- und Ausland gewinnen
- Rückkehrwillige und Fachkräfte gewinnen
- Ausgewählte Kooperationen mit Drittstaaten
- Attraktive Arbeitsbedingungen
- Tarifbindung erhöhen: Tariftreueregelung, trarifgleiche Vergütung
- Sozialpartnerschaft stärken, Betriebsrätepreis
Es haben weitere Strategiepapiere eingang in die Fachkräftestrategie gefunden. Genannt seien hier das
- Industriepolitische Konzept MV,
- das Maritimie Zukunftskonzept MV,
- die Regionale Innovationsstrategie MV,
- die Norddeutsche Wasserstoffstrategie,
- das Zukunftsbündnis MV,
- der Pakt für Pflege,
- die Fachkräftestrategie der Bundesregierung,
- die Beschlüsse der Fachkräftekonferenz Ostdeutschland und
- das Konzept für die Berufliche Orientierung in den allgemein- und berufsbildenden Schulen des Landes MV.
Fachkräfte qualifizieren
Die Verbesserung der Berufswahlkompetenz von Schülerinnen und Schüler ist mitentscheidend dafür, dass die Absolventen der allgemein bildenden Schulen sichere Berufswahlentscheidungen treffen können. Dazu werden von den außerschulischen Partnern der Schulen, u.a. der IHKs und HWKs qualitativ hochwertige Angebote zur Verfügung gestellt, damit von den Schülerinnen und Schülern berufspraktische Erfahrungen gemacht werden können. Die Schulen öffnen sich dazu im Gegenzug für Angebote der Wirtschaft, die theoretisch vermittelte Berufsbilder praktisch untersetzen. Dazu wird u. a auch das Ganztagesangebot der Schulen für die Wirtschaft nutzbar gemacht. Denn, die besten Chancen zur Teilhabe am Arbeitsmarkt haben diejenigen, die eine für sich richtige Berufswahlentscheidung treffen und sich nach der Erstausbildung kontinuierlich qualifizieren und weiterbilden. In MV haben jedoch nach wie vor etwa neun Prozent der Beschäftigten und rund 16 Prozent der 20-bis 35-jährigen keine abgeschlossene Berufsausbildung. Berufsorientierung, Bildung und Qualifizierung sind daher grundlegende Elemente eines kontinuierlichen Prozesses zur Sicherung des Fachkräftenachwuchses.
IHK-Position
- Die Anzahl der betrieblichen Berufsausbildungsverhältnisse im Verantwortungsbereich der IHK zu Schwerin ist seit 5 Jahren stabil. Es gibt weder Rückgänge in der Gesamtzahlt, noch in der Breite der Berufsbereiche/Berufsbilder.
- Auch zum Ausbildungsstartt 2024 wurden wieder Ausbildungsberufe modernisiert. Gleiches ist für den Sommer 2025 in Vorbereitung.
- Die Nachwuchsgewinnung und das Azubimarketing wird durch die IHK zu Schwerin aktiv betrieben. Die Schulen Westmecklenburgs werden in ihren Bemühungen intensiv unterstützt (Messen, Schulveranstaltungen).
- Das neue Berufsorientierungskonzept wurde diskutiert, entwickelt und leider zu spät mit den Partnern angeregt. Die IHK zu Schwerin unterstützt die Schulen in der Region bei der Vorbereitung und Durchführung im Rahmen ihrer Möglichkeiten.
Erwerbspotenziale sichern und ausschöpfen
Angesichts der demografischen Entwicklung in MV sowie vor dem Hintergrund des hohen Arbeits- und Fachkräftebedarfs im Land ist es erforderlich, möglichst alle relevanten Erwerbspersonenpotenziale in MV systematisch zu erschließen und zu nutzen. Es sind noch begrenzt vorhandene Fachkräftepotenziale in MV – insbesondere im Bereich der Langzeitarbeitslosen, Teilzeitbeschäftigten, Frauen, Menschen mit Behinderungen, Menschen im Ruhestand und Migrantinnen und Migranten – vorhanden. Diese können nur in einem engen Zusammenwirken aller Partner am Markt erschlossen werden. Dazu zählen in erster Linie die Unternehmen, IHKs und HWKs, die Agentur für Arbeit und die Jobcenter mit ihrem gemeinsamen Arbeitgeberservice und der Qualifizierungsberatung. Wichtig ist auch Übergangsverluste von jungen Erwachsenen an der sogenannten ersten Schwelle zu reduzieren. Vor allem bei Menschen mit Fluchthintergrund, bei denen der Schutz vor Krieg und Verfolgung im Vordergrund steht, ist die Arbeitsmarktintegration besonders herausfordernd. Schul- und Berufsausbildung haben fluchtbedingt in aller Regel Brüche erfahren, woraus häufig ein Nachholbedarf an Bildung resultiert. Es kommt daher im Flüchtlingsbereich besonders darauf an, zunächst die jeweiligen Voraussetzungen und Perspektiven zu klären, um sie dann, auch unter Einbeziehung flankierender Angebote, für einen passgerechten Zugang zum Ausbildungs- und Arbeitsmarkt berücksichtigen zu können. Dabei sollten auch Anstrengungen unternommen werden, vorhandene Kompetenzen zu erproben und dem Arbeitsmarkt schnellstmöglich zur Verfügung zu stellen sowie parallel in berufsbegleitende Qualifizierung zu investieren und die Teilnahme an abschlussorientierten Maßnahmen zu fördern.
IHK-Position
Das Werkzeug der Umschulungen, vor allem der einzelbetrieblichen Umschulungen, muss stärker in den Unternehmen bekannt gemacht werden, um hier abschlussorientiert Qualifizierungen zu einem Ergebnis zu führen und zu einem anerkannten Berufsabschluss.
Sind Arbeitnehmer über einen langen Zeitraum in den Unternehmen eingebunden, können sie einen Berufsabschluss über eine s.g. Externenprüfung nachholen. Unterstützende Werkzeuge sind dazu u.a. das Qualifizierungs- und Chancengesetz (OCG) zu dem Agentur für Arbeit, Jobcenter und Bildungsträgern der Region aktiv beraten.
Fachkräfte aus dem In- und Ausland gewinnen
Das in MV vorhandene Potenzial reicht aufgrund der demografischen Effekte nicht aus, die Erwerbspersonenzahl in MV erheblich zu erhöhen. Deshalb wird es notwendig sein, gezielt Fachkräfte von außerhalb mit dringend benötigten Kompetenzen für MV zu gewinnen und zu halten. Das gilt zum einen im Hinblick auf das Anwerben von Fachkräften aus anderen Bundesländern wie auch für das Halten von Fachkräften. Dies gelingt vor allem dann, wenn die konkreten Bedingungen zum Leben und Arbeiten in MV für interessierte Fachkräfte vielversprechend sind. Das findet auch bei Rückkehrerinnen und Rückkehrern Anwendung. Ehemalige Landeskinder und Auspendlerinnen bzw. Auspendler sind eine Ziel gruppe. Die Erschließung des Beschäftigungspotenzials von Fachkräften aus anderen Bundesländern und aus dem EU-Ausland ist wichtig, um die Fachkräftelücke abzuschwächen. Jedoch sind die Fachkräftepotenziale aus dem EU-Ausland stellenweise weitgehend ausgeschöpft, so dass diese Ressource nur begrenzt nutzbar
ist. Die Zuwanderung aus Drittstaaten ist daher unerlässlich.
ist. Die Zuwanderung aus Drittstaaten ist daher unerlässlich.
IHK-Position
- Die Arbeitsmarktintegration von Menschen mit Einwanderungsgeschichte, insbesondere Geflüchteten, ist mit vielfältigen Herausforderungen verbunden. Für die Anerkennung von beruflichen Abschlüssen sind neben ausreichenden Deutschkenntnissen im Regelfall Anpassungsqualifizierungen notwendig.
- Trotz des unmittelbaren Arbeitsmarktzugang für anerkannte Geflüchtete aus der Ukraine gilt dies für diese Personengruppe in vergleichbarer Weise. Voraussetzung für die Einstellung ist meist das Erlernen der deutschen Sprache, gleichzeitig kommt der Berufsanerkennung eine hohe Bedeutung zu.
- Die Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung im Land hat hierbei - nicht zuletzt aufgrund der Komplexität der Anerkennungsverfahren - einen hohen Stellenwert.
- Die gemeinsam vom land, den Wirtschaftskammern, der Agentur für Arbeit und der Ausländerbehörde geschaffene Fachkräfte-Service-Stelle wurde eingerichtet, ist erreichbar und unterstützt vor allem die Unternehmen in ihren Fragen und Bemühungen.
Kontakt
Astrid Ludwig
Aufgabenbereich:
Projektmitarbeiterin
Geschäftsbereich: Aus- und Weiterbildung
