AVdual, BVB und BVJ - was sind die Unterschiede?

Nicht jeder Jugendliche findet direkt nach dem Besuch einer allgemeinbildenden Schule einen Ausbildungsplatz. Manche wissen noch nicht, welcher Beruf zu ihnen passt, andere benötigen Unterstützung beim Übergang in die Arbeitswelt oder müssen zunächst ihre schulischen und beruflichen Grundlagen verbessern.
In Mecklenburg-Vorpommern stehen dafür verschiedene Angebote der Berufsvorbereitung zur Verfügung. Dazu gehören insbesondere das Berufsvorbereitungsjahr (BVJ), der Berufsausbildung vorbereitende Bildungsgang (BVB) und seit dem Schuljahr 2026/2027 auch die Ausbildungsvorbereitung dual (AVdual). Alle drei Angebote verfolgen ein gemeinsames Ziel: Jugendliche sollen auf eine Berufsausbildung beziehungsweise den Einstieg in das Berufsleben vorbereitet werden. Der Weg dorthin ist jedoch unterschiedlich.
Während das BVJ und der BVB bereits etablierte Bildungsgänge an den beruflichen Schulen des Landes sind, wird AVdual seit 2026 zunächst an ausgewählten Schulen modellhaft erprobt.

AVdual: Neue Ausbildungsvorbereitung mit viel Praxis

AVdual steht für „Ausbildungsvorbereitung dual“. Der neue Bildungsgang ist in Mecklenburg-Vorpommern zum Schuljahr 2026/2027 gestartet. Das Angebot richtet sich an berufsschulpflichtige Jugendliche mit oder ohne Schulabschluss, die noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben. Ziel ist es, die Jugendlichen möglichst direkt an eine Ausbildung oder eine andere geeignete berufliche Perspektive heranzuführen.
Der entscheidende Gedanke hinter AVdual ist die enge Verbindung von schulischem Lernen und betrieblicher Praxis. Die Jugendlichen besuchen die berufliche Schule, arbeiten dort an ihren schulischen und beruflichen Kompetenzen und sammeln gleichzeitig praktische Erfahrungen in Betrieben. Dabei sollen sie unterschiedliche berufliche Tätigkeiten kennenlernen und herausfinden, welche Ausbildung zu ihren Interessen und Fähigkeiten passt.

Individuelle Begleitung spielt eine zentrale Rolle

Ein wesentliches Merkmal von AVdual ist die individuelle Begleitung. Dafür werden sogenannte AVdual-Begleitungen eingesetzt (upF = unterstützende pädagogische Fachkraft). Sie arbeiten mit den Jugendlichen, Lehrkräften, Betrieben, Eltern und der Berufsberatung zusammen. Zu ihren Aufgaben gehören unter anderem die Unterstützung bei der beruflichen Orientierung, die Begleitung der Praktika sowie die Unterstützung beim Übergang in eine Ausbildung oder eine weiterführende Qualifizierung. Damit unterscheidet sich AVdual insbesondere durch die systematische Verbindung von Schule, Betrieb und individueller Begleitung von klassischen schulischen Berufsvorbereitungsangeboten.

Welche Inhalte gibt es in AVdual?

Der neue Bildungsgang umfasst sowohl berufsübergreifende als auch berufsbezogene Inhalte. Im berufsübergreifenden Bereich gehören unter anderem dazu:
  • Deutsch und Kommunikation
  • Mathematik beziehungsweise Rechnen im Alltag
  • Sozialkunde und Demokratiebildung
  • Englisch beziehungsweise berufsbezogene Kommunikation
  • Religion oder Philosophie
  • individuelle Lernzeit
Hinzu kommen berufsbezogene Lernfelder. Je nach Schule können außerdem ergänzende Angebote, berufliche Vertiefungen oder Sozialprojekte Bestandteil des Bildungsgangs sein. Der Unterricht soll dabei nicht isoliert von der beruflichen Praxis stattfinden. Vielmehr geht es darum, schulische Inhalte mit konkreten Anforderungen aus Ausbildung und Arbeitswelt zu verbinden.
AVdual bietet außerdem die Möglichkeit, die Berufsreife zu erwerben. Damit kann der Bildungsgang insbesondere für Jugendliche interessant sein, die noch keinen entsprechenden Schulabschluss besitzen und gleichzeitig den Übergang in eine Ausbildung schaffen möchten.
AVdual wird zunächst an elf beruflichen Schulen in Mecklenburg-Vorpommern angeboten. Dazu gehören unter anderem berufliche Schulen in Rostock, Schwerin, Greifswald, Neubrandenburg, Neustrelitz, Stralsund beziehungsweise im Landkreis Vorpommern-Rügen sowie weitere Standorte. Das Land plant, das Angebot nach der zunächst modellhaften Einführung schrittweise auszubauen.

BVJ: Das Berufsvorbereitungsjahr

Das Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) ist in Mecklenburg-Vorpommern ein klassischer schulischer Weg der Berufsvorbereitung. Es richtet sich an berufsschulpflichtige Jugendliche, die kein Ausbildungsverhältnis haben und auf eine Berufsausbildung vorbereitet werden sollen. Das BVJ wird in M-V sowohl einjährig als BVJ1 als auch zweijährig als BVJ2 angeboten. Für Jugendliche ohne Berufsreife gibt es die Möglichkeit, unter festgelegten Voraussetzungen die Berufsreife nachzuholen. Dies betrifft unter anderem BVJ1, BVJ2, BVJA aber auch den schulischen Teil berufsvorbereitender Bildungsgänge.

BVJ1: Einjährige Berufsvorbereitung

Das einjährige BVJ1 ist insbesondere für Jugendliche vorgesehen, die die entsprechenden schulischen Voraussetzungen erfüllen, aber noch keine Berufsreife besitzen und deshalb Unterstützung bei der Vorbereitung auf eine Ausbildung benötigen. Aufgenommen werden können unter anderem berufsschulpflichtige Jugendliche ohne Ausbildungsverhältnis, die mindestens das Ziel der 8. Jahrgangsstufe erreicht haben. Auch Jugendliche, die eine Förderschule mit einem entsprechenden Abschluss verlassen haben, können unter den vorgesehenen Voraussetzungen aufgenommen werden. Das BVJ1 verbindet allgemeinbildenden Unterricht mit fachtheoretischen und fachpraktischen Inhalten. Im einjährigen BVJ werden unter anderem Deutsch, Sozialkunde, Religion oder Philosophie und Sport unterrichtet. Hinzu kommen fachtheoretische Inhalte sowie Technologie und fachbezogene Mathematik. Einen großen Umfang nimmt der fachpraktische Lernbereich ein. Damit steht im BVJ nicht nur die Vermittlung schulischer Kenntnisse im Mittelpunkt. Die Jugendlichen sollen auch praktische Erfahrungen sammeln und berufliche Grundkenntnisse entwickeln. Beratungen hierüber bietet die Berufsberatung der Agentur für Arbeit. Zukünftig ist es gedacht, dass das BVJ1 in das AV dual übergeht.

BVJ2: Zweijährige Berufsvorbereitung

Das BVJ2 richtet sich insbesondere an Jugendliche mit einem höheren Unterstützungsbedarf im schulischen Bereich. Aufgenommen werden können beispielsweise Jugendliche, die eine Förderschule ohne Abschluss verlassen haben. Auch Schülerinnen und Schüler aus Förderschulen, Regionalen Schulen oder Gesamtschulen können unter bestimmten Voraussetzungen aufgenommen werden, wenn sie nach mindestens neun Schulbesuchsjahren das Ziel der Jahrgangsstufe 8 nicht erreicht haben. Das BVJ2 dauert zwei Jahre und bietet damit mehr Zeit, schulische und berufliche Grundlagen aufzubauen. Beratungen dazu gibt es ebenfalls bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit.

BVB: Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen

Über die Bundesagentur für Arbeit wird diese Maßnahme angeboten. Sie wird dann von Bildungsträgern durchgeführt und verfolgt ebenfalls das Ziel, Jugendliche auf Ausbildung und Beruf vorzubereiten. Er ist auf Jugendliche ausgerichtet, die Unterstützung auf dem Weg in eine Berufsausbildung benötigen. Im Gegensatz zum klassischen BVJ ist der BVB stärker auf die Vorbereitung auf eine konkrete berufliche Ausbildung ausgerichtet. Für die schulische Einordnung ist außerdem wichtig: Berufsschulpflichtige Jugendliche, die an einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme der Bundesagentur für Arbeit teilnehmen, besuchen die Berufsschule in Mecklenburg-Vorpommern grundsätzlich in Teilzeit. Dort besteht grundsätzlich die Möglichkeit, die Berufsreife nachzuholen.

Was passiert an der Berufsschule?

Die beruflichen Schulen in Mecklenburg-Vorpommern übernehmen eine wichtige Funktion beim Übergang von der allgemeinbildenden Schule in die Berufsausbildung.
Jugendliche ohne Ausbildungsplatz werden nicht einfach nur weiter beschult. Die berufsvorbereitenden Bildungsgänge sollen vielmehr eine Verbindung zwischen Schule, beruflicher Orientierung und Ausbildung schaffen.
Je nach Bildungsgang gehören dazu:
  • allgemeinbildender Unterricht
  • berufliche Orientierung
  • fachtheoretisches Lernen
  • fachpraktisches Lernen
  • Kennenlernen verschiedener Berufsfelder
  • Entwicklung beruflicher und sozialer Kompetenzen
  • Unterstützung bei der Ausbildungsplatzsuche
  • Praktische Erfahrungen in Betrieben
  • Vorbereitung auf Bewerbungen und Vorstellungsgespräche
  • gegebenenfalls der Erwerb der Berufsreife
Wie stark die einzelnen Bereiche ausgeprägt sind, hängt vom jeweiligen Bildungsgang und den Voraussetzungen der Jugendlichen ab.

Wo liegt der Schwerpunkt | Wann wähle ich was?

Ob AVdual, BVB oder BVJ die richtige Wahl ist, hängt wesentlich von der Situation des Jugendlichen ab.

AVdual: Wenn Schule und Betrieb eng verbunden werden sollen

AVdual richtet sich an Jugendliche, die noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben und von einer besonders engen Verbindung zwischen Unterricht, betrieblicher Praxis und individueller Begleitung profitieren können.
Der neue Bildungsgang soll den Jugendlichen helfen, ihre beruflichen Interessen zu erkennen, praktische Erfahrungen zu sammeln und möglichst direkt in eine Ausbildung überzugehen.

BVB: Wenn die Vorbereitung auf Ausbildung im Mittelpunkt steht

Der BVB ist ein berufsvorbereitender Bildungsgang Maßnahme der Agentur der Arbeit. Der Schwerpunkt liegt auf der Vorbereitung auf eine Berufsausbildung.

BVJ: Wenn zunächst Grundlagen aufgebaut werden müssen

Das BVJ bietet einen stärker grundlagenorientierten schulischen Rahmen. Jugendliche können ihre schulischen Kompetenzen verbessern, berufliche Tätigkeiten kennenlernen und fachpraktische Erfahrungen sammeln.
Insbesondere das zweijährige BVJ2 bietet Jugendlichen mit größeren schulischen Schwierigkeiten mehr Zeit für die Entwicklung ihrer Kompetenzen. Zukünftig wird AV dual mit BVJ verschmelzen.

Was kommt nach AVdual, BVB oder BVJ?

Das Ziel der Berufsvorbereitung ist grundsätzlich eine Berufsausbildung oder eine andere passende berufliche Anschlusslösung zu finden. Ein erfolgreicher Abschluss des berufsvorbereitenden Bildungsgangs kann dabei die Ausgangsposition verbessern. Für Jugendliche ohne Berufsreife ist insbesondere die Möglichkeit wichtig, den Schulabschluss nachzuholen.