DIHK-Ausbildungsumfrage 2026 - Westmecklenburg

Ergebnisse der Industrie- und Handelskammer zu Schwerin

Ziel der Umfrage ist es, aktuelle Entwicklungen auf dem Ausbildungsmarkt sichtbar zu machen, Herausforderungen der Unternehmen zu identifizieren und daraus Handlungsbedarfe für Politik, Wirtschaft und Bildung abzuleiten.
Die Ergebnisse zeigen, dass die duale Berufsausbildung für die Unternehmen weiterhin einen hohen Stellenwert besitzt. Gleichzeitig verschärfen sich bekannte Herausforderungen – insbesondere bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen, der Ausbildungsreife vieler Bewerberinnen und Bewerber sowie bei der Gewinnung geeigneter Fachkräfte.

Ausbildungsengagement bleibt hoch

Von den teilnehmenden Unternehmen bilden 97 Prozent selbst aus. Lediglich ein Unternehmen gab an, derzeit keine Ausbildung anzubieten. Damit bestätigt sich das weiterhin hohe Engagement der Unternehmen in Westmecklenburg für die duale Berufsausbildung.

Mehr als jeder zweite Ausbildungsplatz bleibt unbesetzt

Trotz des hohen Ausbildungsengagements konnten viele Betriebe ihre angebotenen Ausbildungsplätze nicht vollständig besetzen. Nur 46 Prozent der Unternehmen gaben an, alle Ausbildungsplätze besetzt zu haben. 54 Prozent konnten hingegen mindestens einen Ausbildungsplatz nicht vergeben.
Dieses Ergebnis verdeutlicht die anhaltenden Schwierigkeiten bei der Gewinnung geeigneter Auszubildender und bestätigt den zunehmenden Fachkräftenachwuchsengpass.

Ausbildungsangebot überwiegend stabil

Die Mehrheit der Unternehmen plant, ihr Ausbildungsangebot konstant zu halten.
  • 62 Prozent wollen die Zahl ihrer Ausbildungsplätze unverändert lassen.
  • 31 Prozent rechnen mit einem Rückgang der Ausbildungsplätze.
  • Lediglich 8 Prozent planen eine Ausweitung ihres Ausbildungsangebots.
Damit bleibt das Ausbildungsengagement insgesamt stabil, allerdings deutet der vergleichsweise hohe Anteil der Unternehmen mit geplanten Reduzierungen auf wirtschaftliche und personelle Herausforderungen hin.

Freie Ausbildungsplätze werden überwiegend der Agentur für Arbeit gemeldet

Die meisten Ausbildungsbetriebe arbeiten bei der Besetzung ihrer Ausbildungsplätze mit der Agentur für Arbeit zusammen.
  • 77 Prozent melden ihre Ausbildungsstellen grundsätzlich.
  • 5 Prozent tun dies gelegentlich.
  • 18 Prozent verzichten auf eine Meldung.
Die enge Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur bleibt damit ein wichtiger Baustein bei der Vermittlung von Ausbildungsplätzen.

Gute Übernahmechancen nach der Ausbildung

Auszubildende haben nach erfolgreichem Abschluss weiterhin gute Perspektiven auf eine Beschäftigung im Ausbildungsbetrieb.
Von den Unternehmen mit Ausbildungsabsolventinnen und -absolventen übernehmen 54 Prozent ihre Nachwuchskräfte. Jeweils 23 Prozent gaben an, in diesem Jahr keine Absolventinnen oder Absolventen zu haben beziehungsweise keine Übernahme vorzunehmen.

Weiterbildung spielt eine zentrale Rolle

Die Unternehmen setzen zunehmend auf die Qualifizierung ihrer Mitarbeitenden nach der Ausbildung.
Am häufigsten wurden genannt:
  • 74 Prozent bieten Seminare oder Zertifikatslehrgänge an.
  • 71 Prozent setzen auf betriebsinterne Qualifizierungen.
  • 29 Prozent ermöglichen eine Höhere Berufsbildung, beispielsweise zum Meister oder Fachwirt.
  • 16 Prozent unterstützen ein Studium.
  • Nur 11 Prozent bieten derzeit keine Weiterentwicklungsmöglichkeiten an.
Die Ergebnisse zeigen, dass kontinuierliche Weiterbildung mittlerweile ein fester Bestandteil der Personalentwicklung ist.

Ausbildungsreife bleibt größtes Problem

Ein zentrales Ergebnis der Umfrage betrifft die Ausbildungsreife der Bewerberinnen und Bewerber.
95 Prozent der Unternehmen stellen Defizite bei der Ausbildungsreife fest. Nur 5 Prozent sehen hier keine Probleme.
Damit gehört die Ausbildungsreife weiterhin zu den größten Herausforderungen für die Betriebe.

Unternehmen unterstützen leistungsschwächere Jugendliche

Viele Unternehmen sind grundsätzlich bereit, auch Jugendlichen mit Unterstützungsbedarf eine Chance zu geben.
Die wichtigsten Maßnahmen sind:
  • 46 Prozent geben lernschwächeren Jugendlichen auch ohne öffentliche Unterstützung eine Ausbildungschance.
  • 30 Prozent bieten unternehmenseigene Nachhilfe an.
  • 27 Prozent nutzen Einstiegsqualifizierungen.
  • Jeweils rund 22 Prozent setzen auf langfristige Praktika oder zweijährige Ausbildungsmodelle.
Gleichzeitig geben 16 Prozent der Unternehmen an, dass ihnen aufgrund personeller oder wirtschaftlicher Rahmenbedingungen die Möglichkeiten fehlen, leistungsschwächere Jugendliche ausreichend zu fördern.

Wohnraum für Auszubildende gewinnt an Bedeutung

Auch die Wohnraumsituation wird zunehmend als Standortfaktor wahrgenommen.
Besonders häufig fordern die Unternehmen:
  • 50 Prozent wünschen Programme zur Vermittlung von Wohnraum für Auszubildende.
  • 47 Prozent sprechen sich für bessere Informationen und einen einfacheren Zugang zu finanziellen Unterstützungsleistungen aus.
  • 33 Prozent fordern einen Ausbau öffentlich geförderten Wohnraums.
  • 31 Prozent wünschen steuerliche oder finanzielle Anreize für Betriebe, die Wohnraum bereitstellen.
Nur 28 Prozent sehen derzeit keinen akuten Handlungsbedarf.

Künstliche Intelligenz gewinnt an Bedeutung

Das Thema Künstliche Intelligenz (KI) wird für die Ausbildung zunehmend wichtiger.
Die Befragten bewerten die Bedeutung wie folgt:
  • 39 Prozent sehen eine mittlere Bedeutung.
  • 26 Prozent schätzen die Bedeutung als hoch oder sehr hoch ein.
  • 26 Prozent bewerten sie als gering oder ohne Bedeutung.
  • 10 Prozent können die Entwicklung derzeit noch nicht einschätzen.
Die Ergebnisse zeigen, dass KI zwar bereits in vielen Unternehmen angekommen ist, der Reifegrad jedoch unterschiedlich ausgeprägt ist.

KI wird bislang nur vereinzelt in der Ausbildung eingesetzt

Fast 45 Prozent der Unternehmen nutzen KI derzeit noch in keinem Bereich ihrer Ausbildung.
Dort, wo KI bereits eingesetzt wird, geschieht dies vor allem bei:
  • der Gewinnung von Auszubildenden (29 Prozent),
  • Lern- und Ausbildungsprozessen (26 Prozent),
  • der Ausbildungsdokumentation (18 Prozent).
Onboarding oder Leistungsbewertungen spielen bislang nur eine untergeordnete Rolle.

Selbstständiges Lernen mit KI steht im Vordergrund

Bei der Vermittlung von KI-Kompetenzen setzen die Unternehmen vor allem auf eigenständiges Lernen.
55 Prozent ermöglichen ihren Auszubildenden, selbstständig mit KI-Anwendungen zu arbeiten.
Weitere Ansätze sind Projektarbeit, klassische Schulungen oder digitale Lernangebote. Knapp 29 Prozent beschäftigen sich bislang noch gar nicht mit KI in der Ausbildung.

Internationale Fachkräfte bleiben ein Potenzial

Ein Drittel der Unternehmen bildet bereits Auszubildende aus Drittstaaten aus.
  • 33 Prozent beschäftigen bereits Auszubildende aus Nicht-EU-Staaten.
  • 21 Prozent können sich dies künftig vorstellen.
  • 46 Prozent verfolgen diesen Weg derzeit nicht.
Die Ergebnisse zeigen, dass internationale Nachwuchskräfte für einen Teil der Unternehmen bereits heute ein wichtiger Bestandteil der Fachkräftesicherung sind.

Beteiligung an der Kampagne „Jetzt #Könnenlernen“

Knapp ein Viertel der Unternehmen beteiligt sich bereits an der Ausbildungskampagne „Jetzt #Könnenlernen“.
Weitere Unternehmen signalisierten Interesse an Informationen oder einer möglichen zukünftigen Teilnahme. Gleichzeitig gaben 45 Prozent an, sich derzeit nicht beteiligen zu wollen.

Fazit

Die Ergebnisse der IHK-Ausbildungsumfrage 2026 zeigen deutlich, dass die Unternehmen in Westmecklenburg weiterhin bereit sind, Verantwortung für die Fachkräftesicherung zu übernehmen. Das Ausbildungsengagement bleibt hoch und die Übernahmechancen für Auszubildende sind gut.
Gleichzeitig verschärfen sich zentrale Herausforderungen. Viele Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt, nahezu alle Unternehmen sehen Defizite bei der Ausbildungsreife und auch Themen wie Wohnraum, Fachkräftesicherung sowie der Einsatz Künstlicher Intelligenz gewinnen zunehmend an Bedeutung.
Die Umfrage macht deutlich, dass eine erfolgreiche Fachkräftesicherung nur im Zusammenspiel von Wirtschaft, Politik, Schulen und weiteren Partnern gelingen kann. Die Industrie- und Handelskammer zu Schwerin wird die Unternehmen auch künftig bei der Gewinnung und Qualifizierung von Auszubildenden unterstützen und sich für verbesserte Rahmenbedingungen der dualen Berufsausbildung einsetzen.