13. Oktober 2026
Mittelmaß statt Aufbruch – Wirtschaft drängt auf wirksame Reformen: IHK stellt die Ergebnisse der Konjunkturumfrage Herbst 2026 vor
Die wirtschaftliche Entwicklung in Bayerisch-Schwaben kommt im Herbst 2026 nur langsam voran. Die aktuelle Geschäftslage und die Erwartungen der Unternehmen haben sich gegenüber dem Frühjahr nur leicht verbessert. Der IHK-Konjunkturindex steigt um drei auf 105 Punkte, bleibt aber deutlich unter seinem zehnjährigen Durchschnitt von 113 Punkten. Investitionen und Beschäftigungspläne zeigen weiterhin die strukturelle Schwäche des Standorts. „Die leichte Aufhellung reicht für einen Aufbruch nicht aus. Unsere Unternehmen benötigen verlässliche Rahmenbedingungen und Reformen, die ihre Wettbewerbsfähigkeit spürbar verbessern. Den Ankündigungen der Bundesregierung müssen wirksame Taten folgen“, fordert Dorothee Buhmann, stellvertretende Präsidentin der IHK Schwaben.
- Lage etwas besser, Erwartungen bleiben verhalten
- Konsumnahe Branchen bleiben schwach
- Auslandsgeschäft stützt die Industrie
- Sicherheits- und Verteidigungsindustrie als Stabilitätsanker
- Investitionen bleiben schwach, Unternehmen planen weiter Stellenabbau
- Wirtschaftspolitik ist das größte Risiko
- Reformen müssen Investitionen und Arbeit attraktiver machen
Im Zeitraum vom 14. bis 25. September 2026 hat die IHK Schwaben einen repräsentativen Querschnitt ihrer Mitgliedsunternehmen aus Produktion, Handel und Dienstleistungen zur aktuellen Lage, den künftigen Erwartungen und den größten konjunkturellen Risiken befragt. 777 Unternehmen haben geantwortet. Die Ergebnisse stellte die IHK Schwaben im Rahmen eines Pressegesprächs am 13. Oktober 2026 vor.
Lage etwas besser, Erwartungen bleiben verhalten
Der IHK-Konjunkturindex, der sowohl die aktuelle Lage als auch die Erwartungen abbildet, liegt mit 105 Punkten über der Wachstumsschwelle von 100 Punkten. Eine nachhaltige Trendwende lässt sich daraus jedoch noch nicht ableiten. 32 Prozent der Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als gut, 20 Prozent als schlecht. Für die kommenden Monate rechnen nur 18 Prozent mit einer Verbesserung, dagegen 21 Prozent mit einer Verschlechterung. IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Marc Lucassen: „Die Wirtschaft stabilisiert sich auf einem bestenfalls mittelmäßigen Niveau. Sowohl bei der Lage als auch bei den Erwartungen bleiben wir unter den langjährigen Durchschnittswerten. Für einen tragfähigen Aufschwung fehlen weiterhin die Zuversicht und damit die Bereitschaft, am Standort zu investieren.“
Konsumnahe Branchen bleiben schwach
Die konjunkturelle Stimmung verbessert sich in den meisten betrachteten Branchen leicht. Die unternehmensnahen Dienstleister bleiben mit 115 Punkten die stärkste der großen Branchengruppen. Der Konjunkturindex der Industrie steigt um drei auf 103 Punkte. Das Baugewerbe und der Einzelhandel erreichen jeweils 90 Punkte, das Reise- und Gastgewerbe verharrt bei 88 Punkten. Damit bleiben diese Branchen deutlich unter der Wachstumsschwelle. „Die leichte Erholung kommt in der Wirtschaft sehr unterschiedlich an. Während die Industrie von besseren Exportaussichten profitiert, fehlt dem Einzelhandel weiterhin eine stärkere Inlandsnachfrage. Im Reise- und Gastgewerbe hat sich die Lage nach der Sommersaison verbessert, zugleich sind die Erwartungen für den Herbst und Winter deutlich pessimistischer geworden“, sagt Lucassen.
Auslandsgeschäft stützt die Industrie
Positive Impulse kommen aus dem Auslandsgeschäft. 30 Prozent der Industrieunternehmen berichten von gestiegenen Auslandsaufträgen in den vergangenen sechs Monaten, sieben Prozentpunkte mehr als im Frühjahr. Auch die Exporterwartungen haben sich aufgehellt: Der Saldo aus positiven und negativen Antworten steigt von rund null auf neun Punkte und liegt damit über dem zehnjährigen Durchschnitt von sieben Punkten. Das Geschäft mit China bleibt dagegen schwierig. Nur neun Prozent der befragten Industrieunternehmen melden gestiegene Aufträge aus China, 44 Prozent einen Rückgang. Lucassen: „Die besseren Exportaussichten sind ein positives Signal für unsere stark international ausgerichtete Industrie. Ob daraus ein dauerhafter Aufwärtstrend wird, bleibt angesichts geopolitischer Risiken und Handelshemmnisse aber offen.“
Sicherheits- und Verteidigungsindustrie als Stabilitätsanker
Deutlich besser als die Gesamtwirtschaft entwickelt sich die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie. Ihr Konjunkturindex steigt um sieben auf 120 Punkte. Sowohl die aktuelle Lage als auch die Erwartungen verbessern sich. „Die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie ist ein wichtiger Stabilitätsanker für Bayerisch-Schwaben. Sie stützt die regionale Industrie, kann einen Aufschwung in der Breite aber nicht tragen“, betont Lucassen.
Investitionen bleiben schwach, Unternehmen planen weiter Stellenabbau
Die Investitionsbereitschaft am heimischen Standort bleibt zurückhaltend. 22 Prozent der Unternehmen wollen ihre Investitionsausgaben im Inland erhöhen, 20 Prozent reduzieren. Weitere 15 Prozent planen keine Investitionen. Wenn investiert wird, steht weiterhin die Ersatzbeschaffung im Vordergrund: 62 Prozent nennen sie als Motiv. 40 Prozent wollen rationalisieren, 33 Prozent in Produktinnovationen investieren und lediglich 24 Prozent ihre Kapazitäten erweitern. Auch auf dem Arbeitsmarkt zeichnet sich keine Wende ab. Unverändert 22 Prozent der Unternehmen planen einen Stellenabbau, nur zwölf Prozent einen Stellenaufbau. In der Industrie will jedes vierte Unternehmen seine Beschäftigtenzahl reduzieren. Lucassen: „Die Unternehmen investieren vor allem in den Erhalt des Bestehenden und in Kostensenkungen. Wo Wachstumsperspektiven fehlen, bleiben Kapazitätserweiterungen und neue Arbeitsplätze aus. Die Strukturkrise hinterlässt damit weiterhin deutliche Spuren am Arbeitsmarkt.“
Wirtschaftspolitik ist das größte Risiko
An der Spitze der konjunkturellen Risiken stehen wieder die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. 66 Prozent der Unternehmen nennen sie als Gefahr für ihre weitere Entwicklung, zwei Prozentpunkte mehr als im Frühjahr. Es folgen die Energie- und Rohstoffpreise mit 65 Prozent, die Inlandsnachfrage mit 59 Prozent und die Arbeitskosten mit 57 Prozent. Der Arbeits- und Fachkräftemangel wird von 34 Prozent genannt. Bei den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen kritisieren die Unternehmen insbesondere Bürokratie und Regulierung sowie fehlende politische Verlässlichkeit. Zugleich hält der Kostendruck an: 68 Prozent planen, Kostensteigerungen vollständig oder teilweise an ihre Kunden weiterzugeben. 51 Prozent erwarten steigende Verkaufspreise oder planen Preiserhöhungen. Buhmann: „Hohe Kosten und politische Unsicherheit bremsen Investitionen. Werden die Kosten über höhere Preise weitergegeben, gerät zusätzlich die Kaufkraft der privaten Haushalte unter Druck. Deshalb müssen Entlastungen bei den Ursachen ansetzen.“
Reformen müssen Investitionen und Arbeit attraktiver machen
Aus Sicht der IHK Schwaben ist ein verlässlicher Reformkurs notwendig, der Energiekosten senkt, die Sozialversicherung stabilisiert und Leistung steuerlich stärker fördert. Die Unternehmen wünschen sich insbesondere mehr Spielraum bei den Arbeitszeiten: 59 Prozent sehen in weniger gesetzlichen Vorgaben einen Gewinn für ihre Wettbewerbsfähigkeit. 51 Prozent nennen eine Stabilisierung der Sozialversicherungsbeiträge, 48 Prozent mehr Flexibilität beim Kündigungsschutz. „Wir brauchen dauerhaft wettbewerbsfähige Energiekosten. Dazu gehört, die Stromsteuer für alle Unternehmen auf das europäische Mindestmaß zu senken. Ebenso notwendig sind Reformen der sozialen Sicherungssysteme und eine Einkommensteuer, die stärkere Anreize für Mehrarbeit setzt“, sagt Buhmann. „Ein Zurückweichen vor unbequemen Entscheidungen wäre das falsche Signal. Die Bundesregierung muss ihren Reformkurs verlässlich umsetzen, damit aus der vorsichtigen Stabilisierung ein selbsttragender Aufschwung werden kann.“
