Nahversorgung in Bayerisch-Schwaben

Kleinstsupermärkte ohne Verkaufspersonal

Das wohnortnahe Angebot an Produkten des täglichen Bedarfs in ländlich geprägten Regionen hat sich in den letzten Jahren immer mehr ausgedünnt. Vielfach schließen kleine Lebensmittelmärkte, Bäckereien und Metzger. Oftmals sind die Flächen aufgrund der hohen Personalkosten nicht mehr lukrativ zu betreiben. Auch deshalb breiten sich Nahversorgungsangebote ohne Verkaufspersonal in den letzten Jahren vermehrt im ländlichen Raum aus. Zunehmend werden diese Konzepte aber auch in hochfrequentierten Lagen wie Bahnhöfen eröffnet. Die Betreiber experimentieren dabei mit unterschiedlichen Ansätzen. Welche Konzepte sich langfristig durchsetzen wird, ist noch nicht absehbar.

Was ist ein Kleinstsupermarkt?

Auf kleiner Fläche – oft im Container-Format – wird eine Auswahl von Produkten für den täglichen Bedarf angeboten. Im Allgemeinen arbeiten die Konzepte ohne Verkaufspersonal, für den Zugang zur Ladenfläche ist die Angabe der Kundendaten erforderlich und die Zahlung erfolgt bargeldlos. Grundsätzlich können solche Nahversorgungsangebote in vier Kategorien unterschieden werden: 
  • Automatenboxen: Der Kunde wählt und bezahlt über ein Display seine Waren, welche automatisch zusammengestellt und ausgegeben werden.
  • Automatenshops: In einem Ladengeschäft sind mehrere Automaten aufgestellt, welche unterschiedliche Waren bis hin zu Fanartikeln oder Zahnbürsten anbieten.
  • Walk-In mit Self-Scanning: Die Ladenfläche ist nach Angabe der eigenen Daten zugänglich, der Kunde entnimmt die Waren selbsttätig und wickelt den Kaufvorgang an einer Self-Service-Kasse eigenständig ab.
  • Walk-In mit Grab & Go: Die Ladenfläche ist nach Angabe der eigenen Daten zugänglich, der Kunde entnimmt die Waren selbsttätig und kann das Geschäft direkt verlassen. Die Erfassung der gekauften Produkte erfolgt über die vor Ort eingesetzte Technologie, welche automatisch die Zahlung abwickelt.

Welche Konzeptbetreiber gibt es?

Betreiber solcher Konzepte gibt es viele, eine Liste der DHBW Heilbronn bietet hier einen umfangreichen Überblick. Wir stellen exemplarisch vier Beispiele vor, welche aktuell in Bayern betrieben werden. Darüber hinaus sind auch vermehrt Einzelunternehmer in dem Bereich aktiv.:

Dorfladenbox

Ursprünglich in Österreich gegründet, gibt es inzwischen auch in Bayerisch-Schwaben einige Standorte der Dorfladenbox. Auf kleinster Fläche werden nur Produkte von lokalen Direktvermarktern und Kleinbetrieben aus der Umgebung angeboten. Der Fokus des Angebots liegt damit auf regionalen, hochwertigen Nahrungsmitteln. Der Kunde muss sich für den Zugang sowie die Kaufabwicklung die kostenlose App des Betreibers herunterladen.

Tante Enso

Hinter diesem Konzept steht der Online-Supermarkt myenso. Ein Mini-Supermarkt von Tante Enso bietet mit Ladenflächen um die 150 Quadratmeter Platz für rund 2.500 Artikel. Das Sortiment kann um spezielle regionale Produkte sowie ergänzenden Dienstleistungen, wie einen Post- und Paketdienst, erweitert werden. Zu bestimmten Tageszeiten – in der Regel vier bis sieben Stunden täglich – ist der Laden mit Personal besetzt. Außerhalb dieser Öffnungszeiten ist der Zugang zum Laden mit einer kostenfreien Tante-Enso-Karte möglich, welche auch zum Zahlen beim Self-Checkout verwendet wird. Die Eröffnung eines neuen Standortes von Tante Enso wird über eine Genossenschaft finanziert. Bevor ein neuer Standort eröffnet wird, müssen daher mindestens 300 Anteile über 100€ verbindlich reserviert werden.

Teo

Teo ist ein Konzept der Supermarkt-Kette TeGut. Auf 50 Quadratmetern wird ein umfassendes Nahversorgungsangebot mit rund 950 Artikeln angeboten, das neben Lebensmitteln auch Drogerie- und Haushaltswaren umfasst. Zugang zur Ladenfläche erhält der Kunde entweder per App oder über eine Girokarte, mit welcher der Einkauf anschließend auch bezahlt wird. Zurzeit existieren über 20 Standorte vorrangig im Raum Frankfurt/Main und in Sachsen. Das Unternehmen hatte angekündigt im kommenden Jahr stark expandieren zu wollen. Nach einem Urteil im März 2024, welches die Sonntagsöffnung in Hessen untersagt, bleibt das weitere Vorgehen abzuwarten.

nahkaufBox

Derzeit gibt es in Deutschland nur wenige Standort der nahkaufBox, einer davon im Bayerisch-Schwäbischen Haunsheim. Das Format der Rewe Gruppe befindet sich derzeit noch in der Testphase. Der Fokus liegt auf dem Nahrungsmittelangebot, ergänzt um weitere Artikel des täglichen Bedarfs. Auf einer Grundfläche von rund 40 Quadratmetern werden somit etwa 700 Artikel angeboten. Der Kunde kann die Ladenfläche durch das Einscannen seiner Girokartebetreten. 

Welche Öffnungszeiten sind in Bayern erlaubt?

In Bayern wurde von der Landesregierung das Konzept der “digitalen Kleinstsupermärkte ohne Verkaufspersonal” eingeführt. Für diese gilt eine Ausnahme vom Ladenöffnungszeitengesetz. Wenn die Verkaufsfläche unter 100 Quadratmetern liegt und ein Vollsortiment angeboten wird, ist eine Öffnung von Montag bis Samstag rund um die Uhr geduldet. Die Öffnung am Sonntag ist derzeit nicht erlaubt. Das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales (StMAS) begründet dies mit dem An- und Abfahrtsverkehr, welcher die Sonn- und Feiertagsruhe beeinträchtige. Im Einzelfall gab es in Bayern jedoch auch schon eine Ausnahmegenehmigung für den 24/7-Betrieb.
Derzeit erarbeitet das StMAS ein eigenes Ladenöffnungszeitengesetz für Bayern. Dieses soll auch Regelungen für digitale Kleinstsupermärkte umfassen und die derzeitige Ausnahmeregelung ablösen. In naher Zukunft können sich die derzeitigen Spielregeln für das Format verändern. Wir empfehlen, sich regelmäßig zum aktuellen Stand zu informieren. 

Wie kann ich in meinem Ort einen Mini-Supermarkt etablieren?

Zunächst sollten Sie sich über die in Frage kommenden Anbieter informieren und dabei berücksichtigen, dass es über die von uns vorgestellten Konzepte hinaus weitere Betreiber gibt. Recherchieren Sie gründlich, um die besten Konzepte für Ihren Ort zu finden. 
Zudem ist es hilfreich, vorab ein paar essentielle Bedingungen zu klären: Sind Sie bereit als Betreiber bzw. Franchisenehmer ins Risiko zu gehen? Welcher Standort in Ihrer Gemeinde ist gut erreichbar und verfügt über die notwendige Infrastruktur wie Stromanschluss, Parkplätze oder baurechtliche Voraussetzungen? Wie groß ist der realistische Einzugsbereich für ein solches eingeschränktes Grundsortiment? Dies hilft Ihnen bei der Auswahl der Anbieter, mit denen Sie Kontakt aufnehmen wollen und in den weiteren Gesprächen.