Position

Energiewende wirtschaftlich tragfähig gestalten: IHK Schwaben fordert eine Neuausrichtung der Energiepolitik

Die Energie- und Klimapolitik bleibt eine zentrale Standortfrage für die Unternehmen in Bayerisch-Schwaben. Die deutsche Wirtschaft steht weiterhin vor großen strukturellen Herausforderungen. Gleichzeitig verfolgt Deutschland das Ziel, bis 2045 klimaneutral zu werden. Aus Sicht der IHK Schwaben muss der Weg dorthin so gestaltet werden, dass Klimaschutz und internationale Wettbewerbsfähigkeit miteinander vereinbar bleiben.
Die IHK Schwaben setzt deshalb auf vier zentrale Leitlinien für eine wirtschaftlich tragfähige Energie- und Klimapolitik:
  1. eine stärkere internationale Abstimmung der Klimaziele
  2. technologieoffener Wettbewerb
  3. Senkung der Systemkosten der Energiewende
  4. mehr Marktmechanismen anstelle staatlicher Detailsteuerung

Klimaziele stärker synchronisieren

Eine stärkere Synchronisierung des nationalen Klimaziels mit führenden Industrienationen (G20) und dem EU-Zielhorizont 2050 ermöglicht eine effizientere Emissionsminderung bei gleichzeitig verbesserter Wettbewerbsfähigkeit. Harmonisierte Zielpfade reduzieren das Risiko von Carbon Leakage, da Produktionsverlagerungen in Länder mit geringeren Klimastandards unattraktiver werden. Zudem vermeiden sie einseitige Kostenbelastungen für heimische Unternehmen. Darüber hinaus schaffen vergleichbare Zeithorizonte verlässlichere Rahmenbedingungen für langfristige Investitionen, verhindern kostspielige „Investitionssprünge“ vor der technologischen Marktreife und stärken die Integration in globale Wertschöpfungsketten.

Technologieoffenen Wettbewerb stärken

Ein technologieoffener Ansatz schafft die Voraussetzungen dafür, dass sich effiziente und praxisnahe Lösungen im Wettbewerb durchsetzen. Das bedeutet: Alle Technologien – ob zur Stromerzeugung, Speicherung, Umwandlung oder Emissionsvermeidung – sollen gleichberechtigt im Wettbewerb antreten. Nicht politische Vorgaben, sondern Wirtschaftlichkeit entscheidet darüber, welche Lösungen sich durchsetzen. Dies erhöht die Innovationsdynamik, beschleunigt die Entwicklung neuer Technologien und stärkt zugleich die Resilienz und Versorgungssicherheit des Energiesystems durch eine breitere technologische Basis.

Systemkosten der Energiewende spürbar senken

Eine konsequente Senkung der Systemkosten begrenzt Belastungen und macht Energiepreise stabiler und planbarer. Dazu gehören insbesondere der Abbau staatlicher Abgaben und Umlagen auf Energie, niedrigere Netzentgelte sowie ein konsequenter Bürokratieabbau. Dadurch werden Unternehmen entlastet, Investitionen gesichert und Wertschöpfung im Inland gehalten. Gleichzeitig entstehen zusätzliche Spielräume für Innovation und Transformation.

Mehr Marktmechanismen statt staatlicher Detailsteuerung

Ein stärker marktwirtschaftlich geprägter Ansatz ermöglicht eine effizientere Umsetzung des Klimaschutzes, da insbesondere der Zertifikatshandel Emissionen dort reduziert, wo dies mit den geringsten Kosten verbunden ist. Unternehmen können eigenständig die wirtschaftlich sinnvollsten Minderungsmaßnahmen wählen, während ein einheitlicher CO₂-Preis verlässliche und planbare Investitionssignale setzt und Innovationen gezielt anreizt. Die Reduktion staatlicher Detailsteuerung trägt dazu bei, komplexe Förderstrukturen und regulatorische Doppelbelastungen abzubauen, Investitionen zu beschleunigen und die Transformation insgesamt kosteneffizienter zu gestalten.

Die Vollversammlung der IHK Schwaben hat bei ihrer Sitzung am 29. April 2026 in Memmingen diese grundlegende energiepolitische Positionierung beschlossen. Dem Votum ging eine breite Beteiligung des unternehmerischen Ehrenamts aller elf bayerisch-schwäbischen IHK-Regionalversammlungen voraus. Diese stehen repräsentativ für alle Mitgliedsunternehmen der IHK Schwaben aus Produktion, Handel, Tourismus und Dienstleistungen.