Betriebsfähigkeit bei Störungen sichern

Business Continuity Management (BCM) — Betriebsfähigkeit bei Störungen sichern

Was ist Business Continuity Management?

Business Continuity Management (BCM) ist ein systematischer Ansatz, mit dem Unternehmen ihre kritischen Geschäftsprozesse so absichern, dass sie bei Störungen weiterlaufen oder in einem festgelegten Zeitraum wieder aufgenommen werden können. Häufig wird BCM als Business Continuity Management System (BCMS) umgesetzt – also als dauerhaftes Managementsystem, das geplant, umgesetzt, überprüft und verbessert wird. Die internationale Norm ISO 22301 beschreibt die Anforderungen an ein solches BCMS.

Welchen Nutzen hat Business Continuity Management?

BCM zielt darauf ab, die Auswirkungen von Störungen zu begrenzen und die Handlungsfähigkeit des Unternehmens zu erhalten. Typische praktische Vorteile:
  • Kürzere Unterbrechungen wichtiger Abläufe durch vorbereitete Maßnahmen
  • Klare Zuständigkeiten und Entscheidungswege (Wer entscheidet was, wann, mit welcher Eskalation)
  • Transparenz über kritische Abhängigkeiten (z. B. IT-Systeme, Schlüsselpersonen, Standorte, Dienstleister, Lieferanten)
  • Besser vorbereitete Kommunikation gegenüber Mitarbeitenden, Kunden und Partnern (Ansprechpartner, Kernbotschaften, Kanäle)
Die ISO 22301 stellt BCM dabei als Rahmen dar, um Risiken zu identifizieren, auf Störungen vorbereitet zu sein und die Wiederherstellung zu verbessern.

Was gehört zu einem pragmatischen BCM-Einstieg?

Für einen allgemeinen Einstieg (ohne „Normenlast“) reichen meist wenige, gut umsetzbare Schritte:
  1. Kritische Prozesse benennen
    Welche Leistungen müssen zwingend funktionieren, damit das Unternehmen handlungsfähig bleibt?
  2. Auswirkungen bei Ausfall bewerten (Business Impact Analysis, BIA)
    Was passiert, wenn Prozess A einen Tag ausfällt – finanziell, operativ, rechtlich, reputativ? Daraus lassen sich Prioritäten und Wiederanlaufziele ableiten (unternehmensindividuell).
  3. Abhängigkeiten dokumentieren
    Welche Ressourcen werden gebraucht (Personal/Vertretungen, IT, Daten, Gebäude, Lieferanten, Logistik, Zahlungswege)?
  4. Maßnahmen festlegen, z. B.:
    - Alternativen/Umgehungsprozesse (z. B. Notbetrieb „manuell“)
    - Redundanzen (z. B. zweiter Internetzugang, Ersatzgerät, Ausweicharbeitsplätze)
    - Wiederherstellungsabläufe (z. B. definierte Restore-Schritte, Kontaktketten)
  5. Pläne erstellen und üben
    Ein Plan ist nur dann hilfreich, wenn er auffindbar, verständlich und getestet ist (z. B. kurze Table-Top-Übung mit einem realistischen Szenario).
Als praxisnahe Orientierung für die Umsetzung wird in Deutschland häufig der BSI-Standard 200-4 genutzt, der den Aufbau und die Etablierung eines BCMS beschreibt.
BCM ist mehr als IT-Notfallmanagement
BCM wird oft mit IT-Themen gleichgesetzt – tatsächlich umfasst es organisatorische, personelle, technische und standortbezogene Maßnahmen. Dazu zählen z. B. Vertretungsregelungen, alternative Arbeitsweisen, Lieferanten-/Dienstleisterstrategien, Krisenkommunikation und Wiederanlaufpläne für Kernprozesse. Das BSI beschreibt BCM ausdrücklich als ganzheitlichen Ansatz und stellt speziell für KMU eine Einstiegsbroschüre bereit.