Konjunkturlage in Bayerisch-Schwaben – Herbst 2026
Koju-Verlauf - Tourismus
Konjunkturlage im Reise- und Gastgewerbe
Starker Sommer, trüber Ausblick – Index stagniert, hohe Kosten bleiben größte Last
Geschäftslage: Deutlich besser als im Frühjahr, der Sommer füllt die Betriebe.
Die Bewertung der aktuellen Geschäftslage hat sich im Reise- und Gastgewerbe in Bayerisch-Schwaben kräftig aufgehellt. 34 Prozent der Unternehmen berichten von einer guten Lage, im Frühjahr waren es 20 Prozent. Nur noch 20 Prozent sprechen von einer schlechten Situation nach 31 Prozent in der Vorumfrage. Der Saldo steigt damit um 25 Punkte von -11 auf 14 Punkte und überholt die Gesamtwirtschaft mit 12 Punkten, hinter der die Branche im Frühjahr noch deutlich zurücklag.
Umsatz und Auslastung: Urlaubsgäste kehren zurück, Geschäftsreisen bleiben schwach.
Treiber der besseren Lage ist insbesondere die spürbar gestiegene Auslastung. 30 Prozent der Betriebe melden eine volle Auslastung, ein Anstieg um 13 Prozentpunkte, während nur noch 19 Prozent eine nicht ausreichende Auslastung verzeichnen. Der Saldo klettert um 26 Punkte auf 11 Punkte. Beim Umsatz fällt die Erholung dagegen verhaltener aus. Zwar berichten 25 Prozent von gestiegenen Umsätzen, doch 38 Prozent mussten Rückgänge hinnehmen, im Frühjahr waren es noch 49 Prozent. Der Saldo verbessert sich um 18 Punkte, bleibt mit -13 Punkten aber im negativen Bereich. Getragen wird die Entwicklung von den Urlaubsreisenden, deren Umsatzsaldo um 23 Punkte auf -16 Punkte steigt. Bei den Geschäftsreisenden verharrt der Saldo hingegen bei -42 Punkten, und 50 Prozent der Betriebe melden hier Rückgänge. Dies zeigt, dass sich die Erholung auf das Freizeitgeschäft stützt, während das Geschäftsreisesegment keine Besserung erfährt.
Geschäftserwartungen: Ausblick trübt sich deutlich ein.
Die Erwartungen für die kommenden Monate laufen der Lage davon. Nur 8 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer besseren Geschäftslage, 40 Prozent erwarten eine Verschlechterung, im Frühjahr waren es 27 Prozent. Der Saldo fällt um 19 Punkte auf -32 Punkte, während er in der Gesamtwirtschaft um 3 Punkte auf -3 Punkte steigt. Besonders schwach fällt der Ausblick für das Urlaubsgeschäft aus, wo der erwartete Umsatzsaldo um 16 Punkte auf -34 Punkte sinkt. Bei den Geschäftsreisenden verbessert er sich zwar um 9 Punkte, bleibt mit -30 Punkten aber klar negativ. Die Schere zwischen guter Sommerlage und düsterem Ausblick ist ein Warnsignal, denn wo Unternehmen keine Besserung erwarten, unterbleiben Investitionen und Neueinstellungen.
Investitionen und Beschäftigung: Zurückhaltung lockert sich nur langsam.
Die Investitionsabsichten haben sich leicht aufgehellt. 24 Prozent der Betriebe wollen mehr investieren, ein Plus von 8 Prozentpunkten, 27 Prozent wollen weniger investieren. 18 Prozent planen keine Investitionen, im Frühjahr waren es 26 Prozent. Der Saldo verbessert sich um 7 Punkte auf -3 Punkte und liegt damit unter dem Wert der Gesamtwirtschaft von 2 Punkten. Hauptmotiv bleibt mit 73 Prozent der Ersatzbedarf, gefolgt vom Umweltschutz mit 43 Prozent und der Rationalisierung mit 38 Prozent bei Mehrfachnennungen. Bei der Beschäftigung ergibt sich ein Saldo von -11 Punkten, 2 Punkte besser als im Frühjahr und nahe am Wert der Gesamtwirtschaft von -10 Punkten. 16 Prozent der Betriebe wollen Personal abbauen, nach 21 Prozent in der Vorumfrage, doch nur 5 Prozent planen einen Aufbau. Der Abbaudruck lässt damit etwas nach, ein Stellenaufbau ist jedoch kaum in Sicht.
Preise und Risiken: Energie bleibt größte Last, Arbeitskosten und Politik rücken nach.
Die Kostenbelastung spiegelt sich in den Preisplänen wider. 50 Prozent der Unternehmen erwarten steigende Verkaufspreise, der Saldo liegt mit 42 Punkten nahe am Wert der Gesamtwirtschaft von 44 Punkten. Als größtes Risiko nennen 78 Prozent die Energie- und Rohstoffpreise, 3 Prozentpunkte weniger als im Frühjahr, aber deutlich mehr als die 65 Prozent in der Gesamtwirtschaft. Die Arbeitskosten steigen um 5 Prozentpunkte auf 69 Prozent, die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen um 4 Prozentpunkte auf 68 Prozent. Beide Werte liegen klar über den Gesamtwerten von 57 beziehungsweise 66 Prozent. Der Arbeits- und Fachkräftemangel geht um 8 Prozentpunkte auf 29 Prozent zurück und liegt unter dem Gesamtwert von 34 Prozent. Da die Branche personal- und energieintensiv arbeitet, treffen Energiepreise und Arbeitskosten sie besonders, während die Inlandsnachfrage mit 38 Prozent ein geringeres Problem darstellt.
Konjunkturindex: Stagnation auf niedrigem Niveau.
Der IHK-Konjunkturindex des Reise- und Gastgewerbes bleibt gegenüber dem Frühjahr unverändert bei 88 Punkten und liegt damit 9 Punkte unter dem zehnjährigen Durchschnitt von 97 Punkten. Die Gesamtwirtschaft steigt dagegen um 3 Punkte auf 105 Punkte, bleibt aber unter ihrem Durchschnitt von 113 Punkten. Im Reise- und Gastgewerbe gleicht die bessere Lage die eingetrübten Erwartungen lediglich aus. Damit aus einem starken Sommer eine tragfähige Erholung wird, braucht es spürbare Fortschritte bei Energiepreisen, Arbeitskosten und Bürokratieabbau.
