Konjunkturumfrage Jahresbeginn 2026

Wirtschaftswende auf Raten – Kommunalwahl soll neue Wachstumsimpulse vor Ort bringen

Die Stimmung der Wirtschaft im Allgäu hat sich zum Jahresbeginn 2026 verbessert. Der IHK-Konjunkturindex, der sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Erwartungen der Unternehmen abbildet, steigt im Vergleich zum Herbst 2025 um 5 auf 111 Punkte. „Die bessere Stimmung ist ein Vertrauensvorschuss der IHK-Mitgliedsunternehmen an die Politik. Neben den angekündigten Reformen im Bund erhoffen sich viele Unternehmen neue Wachstumsimpulse aus ihren Rathäusern und Landratsämtern“, stellt Peter Leo Dobler, Stv. Präsident der IHK und Vorsitzender der IHK-Regionalversammlung Kaufbeuren und Ostallgäu mit Blick auf die Ergebnisse der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage und den bayerischen Kommunalwahlen im März fest. Dr. Stefan Topp, Stv. Vorsitzender der Regionalversammlung Kempten und Oberallgäu, ergänzt: „Eine Wirtschaftswende auf Raten darf uns angesichts der vielen konjunktureller Risiken nicht zufrieden stellen. Es bleibt die Aufgabe der Politik für wachstumsfördernde Rahmenbedingungen zu sorgen.“
Vom 5. bis 16. Januar 2026 hat die IHK Schwaben einen auch regional repräsentativen Querschnitt ihrer Mitgliedsunternehmen aus Produktion, Handel und Dienstleistungen zu aktueller Lage, Erwartungen und den größten konjunkturellen Risiken befragt. Bereits im Herbst 2025 haben die IHK-Regionalversammlungen Kempten/Oberallgäu und Kaufbeuren/Ostallgäu, die rund 34.000 Unternehmen in den Landkreisen Ost- und Oberallgäu sowie den kreisfreien Städten Kaufbeuren und Kempten vertreten, wirtschaftspolitische Positionen der Allgäuer Wirtschaft zur Kommunalwahl 2026 beschlossen.

Stimmung hellt sich etwas auf

Der IHK-Konjunkturindex liegt zu Jahresbeginn 2026 im Landkreis Oberallgäu und der Stadt Kempten bei 115 Punkten und im Landkreis Ostallgäu und der Stadt Kaufbeuren bei 110 Punkten. Beide Teilräume befinden sich damit klar oberhalb der Wachstumsschwelle von 100 Punkten und weisen eine insgesamt robuste konjunkturelle Lage auf. Im Vergleich zu Bayerisch-Schwaben liegt das Allgäu somit auf überdurchschnittlichem Niveau. „Unser Standort profitiert weiterhin von seiner breiten, mittelständisch geprägten und damit in Summe krisenerprobten Wirtschaftsstruktur“, stellt IHK-Regionalgeschäftsführer Björn Athmer bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse fest. Doch auch er warnt: „Ohne eine echte Wirtschaftswende, wird das stabilste wirtschaftliche Fundament eines Tages brüchig.“
Koju-Index

Geschäftslage und Erwartungen verändern sich

Im Vergleich zur letzten Umfrage im Herbst 2025 haben sich sowohl die Geschäftslagen als auch die Erwartungen verändert. Als „gut“ bewerten nun 42 Prozent der Betriebe ihre aktuelle Geschäftslage im Oberallgäu, als „schlecht“ 13 Prozent. Die verbleibenden 45 Prozent beurteilen diese als „befriedigend“. Im Ostallgäu hingegen bewerten lediglich 27 Prozent ihre aktuelle Geschäftslage als „gut“, 16 Prozent hingegen schätzen die Geschäftslage als „schlecht“ ein. Auch die Erwartungen an das kommende halbe Jahr sind regional unterschiedlich. Lediglich 16 Prozent der Betriebe im Oberallgäu und Kempten erwarten eine zukünftige Verbesserung der Geschäftslage. Im Ostallgäu und Kaufbeuren hoffen indes rund ein Viertel der Befragten, dass sich ihre Geschäftslage verbessert.

Branchenentwicklung in Bayerisch-Schwaben nähert sich an

Die Stimmung in den betrachteten Branchen nähert sich an. Der Trend ist mit Ausnahme des Einzelhandels (Index bei 96 Punkten) bei allen Branchen leicht positiv. Über der Wachstumsschwelle liegen damit die unternehmensbezogenen Dienstleistungen (116 Punkte), das Baugewerbe (112 Punkte), das Transportgewerbe (109 Punkte), das Reise- und Gastgewerbe (103 Punkte) sowie die Industrie (102 Punkte). „Angesichts zunehmend schlechter Nachrichten aus verschiedenen Unternehmen ist es besonders erfreulich, dass es einen leichten Aufwärtstrend in der für unsere Region besonders wichtigen Industrie sowie dem krisengeschüttelten Baugewerbe gibt“, so IHK-Regionalgeschäftsführer Björn Athmer.

Viele Risiken belasten die Investitions- und Beschäftigungspläne

Die regionale Wirtschaft hat mit vielen Risiken gleichzeitig zu kämpfen. Im Vergleich zum Herbst 2025 hat deren Intensität sogar noch weiter zugenommen. Die fünf größten konjunkturellen Risiken sind: wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen (65 Prozent, +2), Inlandsnachfrage (63 Prozent, +1), Arbeitskosten (60 Prozent, +5 entspricht Allzeit-Hoch), Energie- und Rohstoffpreise (44 Prozent, -2) sowie Arbeits- und Fachkräftemangel (39 Prozent, -3). Dr. Stefan Topp: „Die vielen Risiken drücken trotz der kurzfristig besseren Stimmung auf die langfristigen Investitions- und Beschäftigungspläne der heimischen Wirtschaft. Es ist daher Zeit für mutige Reformen, die Risiken abbauen und neue Möglichkeiten schaffen. Dazu gehört ein Steuersystem, das Erträge auf international wettbewerbsfähigem Niveau besteuert, sowie ein Erbschaftsteuerrecht, das Unternehmensnachfolgen fördert und Betriebsvermögen für Investitionen und Arbeitsplätze schont. Darüber hinaus muss das Arbeitsvolumen in Deutschland steigen, beispielsweise indem Vollzeit nicht nur zeitlich möglich, sondern auch steuerlich attraktiv ist.“
Koju-Verlauf

Regionale Wirtschaft und die Kommunalpolitik müssen Partner sein

„Wachstumsfördernde Rahmenbedingungen entstehen aber nicht nur in München, Berlin und Brüssel. Sie entstehen genauso hier, vor Ort – in unseren Rathäusern und Landratsämtern“, betont Peter Leo Dobler. Daher haben unsere IHK-Regionalversammlungen in den Bereichen Standortfaktoren, Moderne Verwaltung, Finanzen und Steuern, Bildung und Fachkräftesicherung sowie Innenstadt und Ortskerne konkrete Handlungsfelder herausgearbeitet und selbst Vorschläge unterbreitet. Peter Leo Dobler abschließend: „Kommunen und Landkreise machen Wirtschaftspolitik – jeden Tag, ganz unmittelbar. Und deshalb sage ich sehr klar: Die regionale Wirtschaft und die Kommunalpolitik müssen Partner sein. Wir brauchen kommunale Entscheiderinnen und Entscheider, die die wirtschaftliche Perspektive verstehen und gemeinsam mit uns handeln.“