Konjunkturumfrage Jahresbeginn 2026

Wirtschaftswende auf Raten – Kommunalwahl soll neue Wachstumsimpulse vor Ort bringen

Die Stimmung der Wirtschaft im Landkreis Neu-Ulm hat sich zum Jahresbeginn 2026 weiter eingetrübt. Der IHK-Konjunkturindex, der sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Erwartungen der Unternehmen abbildet, sinkt im Vergleich zum Herbst 2025 um 6 auf 99 Punkte. „Die Unternehmen in der Region warten nach wie vor auf die Trendwende. Neben den angekündigten Reformen im Bund erhoffen sich viele Unternehmen neue Wachstumsimpulse aus ihren Rathäusern und Landratsämtern“, stellt Gerd Stiefel, Vorsitzender der IHK-Regionalversammlung Neu-Ulm mit Blick auf die Ergebnisse der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage und den bayerischen Kommunalwahlen im März fest. Alexander Kulitz, Vorstandsmitglied der IHK-Regionalversammlung, ergänzt: „Wir brauchen dringend grundlegende politische Reformen, um wieder mehr Wachstum durch wirtschaftsfördernde Rahmenbedingungen zu stimulieren. Dann wird sich auch die Stimmung in den Unternehmen wieder spürbar verbessern.“
Vom 5. bis 16. Januar 2026 hat die IHK Schwaben einen auch regional repräsentativen Querschnitt ihrer Mitgliedsunternehmen aus Produktion, Handel und Dienstleistungen zu aktueller Lage, Erwartungen und den größten konjunkturellen Risiken befragt. Bereits im Herbst 2025 hat die IHK-Regionalversammlung Neu-Ulm, die 11.631 Unternehmen im Landkreis Neu-Ulm vertritt, die Positionen der regionalen Wirtschaft zur Kommunalwahl 2026 beschlossen.

Stimmung weiterhin angespannt

Mit 99 Punkten liegt der IHK-Konjunkturindex für den Landkreis Neu-Ulm knapp unterhalb der „Wachstumsschwelle“ von 100 Punkten, sowie deutlich unterhalb seines 10-jährigen Durchschnitts. Zum Vergleich: In Bayerisch-Schwaben erreicht der IHK-Konjunkturindex aktuell einen Wert von 108 Punkten, im Nachbarlandkreis Günzburg 96 Punkte. „Unser Standort weist in wichtigen Leitbranchen einen Exportanteil von gut 47 Prozent auf und ist daher nicht unerheblich von den Entwicklungen auf den internationalen Märkten abhängig. Aufgrund der geopolitischen Spannungen ist der Kosten- und Wettbewerbsdruck auf unsere Unternehmen aktuell sehr groß, stellt IHK-Regionalgeschäftsführer Oliver Stipar bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse fest.
Koju-Index

Geschäftslage und Erwartungen verändern sich

Im Vergleich zur letzten Umfrage im Herbst 2025 haben sich sowohl die Geschäftslage als auch die Erwartungen verändert. Als „gut“ bewerten nun 17 Prozent ihre aktuelle Geschäftslage, als „schlecht“ 21 Prozent. Die verbleibenden 62 Prozent beurteilen diese als „befriedigend“. Der Erwartungen für das kommende halbe Jahr stellen sich wie folgt dar: 16 Prozent erwarten eine „verbesserte“, 13 Prozent eine „verschlechterte“ und 71 Prozent eine „nicht veränderte“ Geschäftslage.

Branchenentwicklung in Bayerisch-Schwaben nähert sich an

Die Stimmung in den betrachteten Branchen nähert sich an. Der Trend ist mit Ausnahme des Einzelhandels (Index bei 96 Punkten) bei allen Branchen leicht positiv. Über der Wachstumsschwelle liegen damit die unternehmensbezogenen Dienstleistungen (116 Punkte), das Baugewerbe (112 Punkte), das Transportgewerbe (109 Punkte), das Reise- und Gastgewerbe (103 Punkte) sowie die Industrie (102 Punkte).

Viele Risiken belasten die Investitions- und Beschäftigungspläne

Die regionale Wirtschaft hat mit vielen Risiken gleichzeitig zu kämpfen. Im Vergleich zum Herbst 2025 hat deren Intensität sogar noch weiter zugenommen. Die fünf größten konjunkturellen Risiken sind: wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen (65 Prozent, +2), Inlandsnachfrage (63 Prozent, +1), Arbeitskosten (60 Prozent, +5 entspricht Allzeit-Hoch), Energie- und Rohstoffpreise (44 Prozent, -2) sowie Arbeits- und Fachkräftemangel (39 Prozent, -3). Gerd Stiefel: „Die vielen Risiken drücken trotz der kurzfristig besseren Stimmung auf die langfristigen Investitions- und Beschäftigungspläne der heimischen Wirtschaft. Es ist daher Zeit für mutige Reformen, die Risiken abbauen und neue Möglichkeiten schaffen. Dazu gehört ein Steuersystem, das Erträge auf international wettbewerbsfähigem Niveau besteuert, sowie ein Erbschaftsteuerrecht, das Unternehmensnachfolgen fördert und Betriebsvermögen für Investitionen und Arbeitsplätze schont. Darüber hinaus muss das Arbeitsvolumen in Deutschland steigen, beispielsweise indem Vollzeit nicht nur zeitlich möglich, sondern auch steuerlich attraktiv ist.“
Koju-Verlauf

Regionale Wirtschaft und die Kommunalpolitik müssen Partner sein

„Wachstumsfördernde Rahmenbedingungen entstehen aber nicht nur in München, Berlin und Brüssel. Sie entstehen genauso hier, vor Ort – in unseren Rathäusern und Landratsämtern“, betont Gerd Stiefel. Daher hat die IHK-Regionalversammlung Neu-Ulm in den Bereichen Standortfaktoren, Moderne Verwaltung, Finanzen und Steuern, Bildung und Fachkräftesicherung sowie Innenstadt und Ortskerne konkrete Handlungsfelder herausgearbeitet und selbst Vorschläge unterbreitet. Gerd Stiefel abschließend: „Kommunen und Landkreise machen Wirtschaftspolitik – jeden Tag, ganz unmittelbar. Und deshalb sage ich sehr klar: Die regionale Wirtschaft und die Kommunalpolitik müssen Partner sein. Wir brauchen kommunale Entscheiderinnen und Entscheider, die die wirtschaftliche Perspektive verstehen und gemeinsam mit uns handeln.“