Konjunkturumfrage Jahresbeginn 2026
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Wirtschaftswende auf Raten – Kommunalwahl soll neue Wachstumsimpulse vor Ort bringen
Die Stimmung der Wirtschaft im Landkreis Lindau hat sich zum Jahresbeginn 2026 stark verbessert. Der IHK-Konjunkturindex, der sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Erwartungen der Unternehmen abbildet, steigt im Vergleich zum Herbst 2025 um 22 auf 118 Punkte. „Die IHK-Mitgliedsunternehmen zeigen sich so optimistisch wie lange nicht: Unser Geschäftsklimaindex ist überraschend deutlich gestiegen. Diese Entwicklung stellt im schwabenweiten Vergleich den mit Abstand stärksten Indexanstieg auf Landkreisebene da“, so Sebastian Gruber, Vorstandsmitglied der IHK-Regionalversammlung Lindau-Bodensee. „Damit senden die Unternehmen auch ein deutliches Signal an die Politik: Neben den angekündigten Reformen auf Bundesebene erwarten viele zusätzliche Wachstumsimpulse aus Rathäusern und Landratsämtern. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob sich diese positive Entwicklung fortsetzt und der gestiegene Optimismus in konkrete wirtschaftliche Impulse mündet“, stellt Rolf Thomann, IHK-Regionalvorsitzender mit Blick auf die Ergebnisse der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage und den bayerischen Kommunalwahlen im März fest.
Vom 5. bis 16. Januar 2026 hat die IHK Schwaben einen auch regional repräsentativen Querschnitt ihrer Mitgliedsunternehmen aus Produktion, Handel und Dienstleistungen zu aktueller Lage, Erwartungen und den größten konjunkturellen Risiken befragt. Bereits im Herbst 2025 hat die IHK-Regionalversammlung Lindau-Bodensee, die 6.534 Unternehmen im Landkreis Lindau vertritt, die Positionen der regionalen Wirtschaft zur Kommunalwahl 2026 beschlossen.
Stimmung hellt sich etwas auf
Mit 118 Punkten liegt der IHK-Konjunkturindex für den Landkreis Lindau oberhalb der „Wachstumsschwelle“ von 100 Punkten und seit langem erstmals wieder über dem 10-jährigen Durchschnitts Zum Vergleich: In Bayerisch-Schwaben erreicht der IHK-Konjunkturindex einen Wert von 108 Punkten, im Allgäu steigt er auf 111 Punkte. „Unser Standort profitiert weiterhin von seiner breiten, mittelständisch geprägten und damit in Summe krisenerprobten Wirtschaftsstruktur. Die aktuellen Ergebnisse zeigen, dass sich die Geschäftslage stabilisiert hat. Es zeigt sich ein solides Fundament, auf dem sich weitere positive Entwicklungen aufbauen können“, stellt Gruber bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse fest. Doch auch er warnt: „Ohne eine echte Wirtschaftswende, wird das stabilste wirtschaftliche Fundament eines Tages brüchig.“
Geschäftslage und Erwartungen verändern sich
Im Vergleich zur letzten Umfrage im Herbst 2025 haben sich sowohl die Geschäftslage als auch die Erwartungen verändert. Als „gut“ bewerten nun 29 Prozent ihre aktuelle Geschäftslage, als „schlecht“ 11 Prozent. Die verbleibenden 60 Prozent beurteilen diese als „befriedigend“. Der Erwartungen auf das kommende halbe Jahr sind im Vergleich dazu traditionell etwas verhaltener. 27 Prozent erwarten eine „verbesserte“, nur noch 7 Prozent eine „verschlechterte“ und 60 Prozent eine „nicht veränderte“ Geschäftslage.
Branchenentwicklung in Bayerisch-Schwaben nähert sich an
Die Stimmung in den betrachteten Branchen nähert sich an. Der Trend ist mit Ausnahme des Einzelhandels (Index bei 96 Punkten) bei allen Branchen leicht positiv. Über der Wachstumsschwelle liegen damit die unternehmensbezogenen Dienstleistungen (116 Punkte), das Baugewerbe (112 Punkte), das Transportgewerbe (109 Punkte), das Reise- und Gastgewerbe (103 Punkte) sowie die Industrie (102 Punkte).
Viele Risiken belasten die Investitions- und Beschäftigungspläne
Die regionale Wirtschaft hat mit vielen Risiken gleichzeitig zu kämpfen. Im Vergleich zum Herbst 2025 hat deren Intensität sogar noch weiter zugenommen. Die fünf größten konjunkturellen Risiken sind: wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen (65 Prozent, +2), Inlandsnachfrage (63 Prozent, +1), Arbeitskosten (60 Prozent, +5 entspricht Allzeit-Hoch), Energie- und Rohstoffpreise (44 Prozent, -2) sowie Arbeits- und Fachkräftemangel (39 Prozent, -3). „Die vielen Risiken drücken trotz der kurzfristig besseren Stimmung auf die langfristigen Investitions- und Beschäftigungspläne der heimischen Wirtschaft. Es ist daher Zeit für mutige Reformen, die Risiken abbauen und neue Möglichkeiten schaffen. Dazu gehört ein Steuersystem, das Erträge auf international wettbewerbsfähigem Niveau besteuert, sowie ein Erbschaftsteuerrecht, das Unternehmensnachfolgen fördert und Betriebsvermögen für Investitionen und Arbeitsplätze schont. Darüber hinaus muss das Arbeitsvolumen in Deutschland steigen, beispielsweise indem Vollzeit nicht nur zeitlich möglich, sondern auch steuerlich attraktiv ist“, sagt die stellvertretende IHK-Präsidentin Dorothee Buhmann.
Regionale Wirtschaft und die Kommunalpolitik müssen Partner sein
„Wachstumsfördernde Rahmenbedingungen entstehen aber nicht nur in München, Berlin und Brüssel. Sie entstehen genauso hier, vor Ort – in unseren Rathäusern und Landratsämtern“, betont Rolf Thomann. Daher hat die IHK-Regionalversammlung Lindau-Bodensee in den Bereichen Standortfaktoren, Moderne Verwaltung, Finanzen und Steuern, Bildung und Fachkräftesicherung sowie Innenstadt und Ortskerne konkrete Handlungsfelder herausgearbeitet und selbst Vorschläge unterbreitet. Thomann abschließend: „Kommunen und Landkreise machen Wirtschaftspolitik – jeden Tag, ganz unmittelbar. Und deshalb sage ich sehr klar: Die regionale Wirtschaft und die Kommunalpolitik müssen Partner sein. Wir brauchen kommunale Entscheiderinnen und Entscheider, die die wirtschaftliche Perspektive verstehen und gemeinsam mit uns handeln.“
