Konjunkturlage in Bayerisch-Schwaben – Herbst 2026
Koju-Index - Schwaben
Koju-Verlauf - Industrie
Mittelmaß statt Aufbruch – Wirtschaft drängt auf wirksame Reformen
Die Stimmung in der bayerisch-schwäbischen Wirtschaft hat sich seit dem Frühjahr leicht verbessert. Sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Geschäftserwartungen für die kommenden Monate haben sich vorsichtig positiv entwickelt. Der IHK-Konjunkturindex, der sowohl die aktuelle Lage als auch die Erwartungen der Unternehmen aus Produktion, Handel und Dienstleistung widerspiegelt, steigt im Herbst 2026 um drei Punkte auf 105 Punkte. Er liegt damit weiterhin im positiven Bereich über der neutralen Marke von 100 Punkten, jedoch unter dem zehnjährigen Durchschnitt von 113 Punkten. Trotz dieser vorsichtigen konjunkturellen Aufhellung bleiben die strukturellen Standortprobleme bestehen. Die Bundesregierung muss ihren Reformankündigungen nun endlich Taten folgen lassen. Ein Zurückweichen vor unbequemen Entscheidungen, beispielsweise bei den Themen Rente und Arbeitskosten, wäre jetzt das völlig falsche Signal. Die Koalition muss geschlossen Kurs halten, um den Wirtschaftsstandort Deutschland wieder wettbewerbsfähig zu machen.
Geschäftslage steigt leicht, Export nimmt wieder zu
Die regionalen Unternehmen bewerten ihre derzeitige Geschäftslage etwas positiver als noch im Frühjahr 2026. 32 Prozent der Befragten berichten von einer gegenwärtig guten Lage, 20 Prozent von einer schlechten. Der Export leistet einen wichtigen Beitrag zur konjunkturellen Erholung. Das Auftragsvolumen aus dem Ausland ist in der Industrie in den vergangenen Monaten gestiegen. Dies berichten 30 Prozent der befragten Industrie-unternehmen – ein Anstieg um 7 Prozentpunkte gegenüber dem Frühjahr. In Summe ist der Export im Saldo um 9 Punkte gestiegen.
Geschäftserwartungen hellen sich vorsichtig auf, Inlandsinvestitionen verharren auf niedrigem Niveau
Die Erwartungen der Unternehmen für die kommenden Monate haben sich zwar leicht verbessert, bleiben in Summe jedoch pessimistisch. 18 Prozent der Unternehmerinnen und Unternehmer rechnen wie im Frühjahr mit einer Verbesserung der wirtschaftlichen Situation, 21 Prozent mit einer Verschlechterung – ein Rückgang um drei Prozentpunkte. Der Saldo steigt somit im Vergleich zur Vorumfrage leicht um 3 Punkte, verharrt jedoch mit nun -3 Saldenpunkten im negativen Bereich. Dieses Bild spiegelt sich ebenso mit Blick auf die Investitionsabsichten im Inland und die Beschäftigungspläne der Unternehmen wider. Diese stagnieren auf niedrigem Niveau bzw. im negativen Bereich.
Wirtschaftspolitik löst Energiepreise als größtes Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung ab
Die politischen Entwicklungen der vergangenen Monate haben dazu beigetragen, dass die bayerisch-schwäbischen Unternehmen die derzeitigen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen wieder als größtes Risiko betrachten. Dies berichten zwei Drittel der Befragten. Die hohen Energie- und Rohstoffpreise liegen nun in der Risikobewertung mit 65 Prozent auf Platz 2. Die schwache Inlandsnachfrage wird von 59 Prozent der Unternehmen als Risiko bewertet. Dies könnte sich in den kommenden Monaten weiter zuspitzen, da ein Anstieg der Inflation infolge des Iran-Krieges erwartet wird. Die im internationalen Vergleich hohen Arbeitskosten werden weiterhin von 57 Prozent als strukturelles Problem bewertet. Der Arbeits- und Fachkräftemangel ist in der Risikobewertung weiter rückläufig und liegt nun bei 34 Prozent – ein Allzeit-Tief.
Bundesregierung muss ihren Ankündigungen nun endlich Taten folgen lassen
Die Bundesregierung muss den Herbst nutzen, um die angekündigten Reformen zu konkretisieren und zügig in Kraft zu setzen. Ein Zurückweichen vor unbequemen Entscheidungen wäre jetzt das völlig falsche Signal. Die Koalition muss geschlossen Kurs halten, um den Wirtschaftsstandort Deutschland wieder wettbewerbsfähig zu machen. Statt Stillstand, Produktionsverlagerung und Arbeitsplatzabbau brauchen wir Betriebe, die wieder wirtschaftliche Erfolgsgeschichten schreiben können. Entscheidend dafür sind vor allem spürbare Fortschritte bei Arbeitskosten, Bürokratieabbau und Energiepreisen.
Ergebnisse aus den Teilregionen Bayerisch-Schwabens
Wirtschaftsraum Augsburg
Der regionale IHK-Konjunkturindex für den Wirtschaftsraum Augsburg sinkt im Herbst 2026 im Vergleich zur Frühjahrsumfrage um 4 Punkte auf 103 Punkte. Grund dafür ist eine Verschlechterung der Geschäftserwartungen für die kommenden Monate. So rechnen 22 Prozent der Befragten mit einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation – ein Anstieg um 4 Prozentpunkte. Der regionale Einzelhandel leidet unter einer schwachen Nachfrage und steigenden Kosten. Der branchenspezifische IHK-Konjunkturindex für den Einzelhandel im Wirtschaftsraum sinkt um 5 auf 92 Punkte.
Nordschwaben
Der regionale IHK-Konjunkturindex für Nordschwaben steigt im Herbst 2026 im Vergleich zur Frühjahrsumfrage um 2 Punkte auf 104 Punkte. Grund dafür sind die weniger pessimistischen Geschäftserwartungen der nordschwäbischen Unternehmen. So rechnen 18 Prozent der Befragten mit einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation – ein Rückgang um 4 Prozent-punkte. Konjunkturelles Zugpferd Nordschwabens bleiben trotz eines Rückgangs von 6 Punkten die unternehmensnahen Dienstleister mit 117 Punkten.
Westschwaben
Die Stimmung in der westschwäbischen Wirtschaft hat sich über die vergangenen Sommermonate spürbar verbessert. Der regionale IHK-Konjunkturindex steigt im Vergleich zur Vorumfrage um 11 Punkte auf 102 Punkte. Der Grund ist eine deutlich optimistischere Erwartungshaltung für die kommenden Monate. So rechnen nur noch 17 Prozent der Befragten mit einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation – ein Rückgang um 14 Prozentpunkte. Insbesondere in der westschwäbischen Industrie hat sich die Stimmung aufgrund optimistischerer Erwartungen spürbar aufgehellt.
Allgäu
Der regionale IHK-Konjunkturindex für das Allgäu steigt im Herbst 2026 im Vergleich zur Frühjahrsumfrage um 5 Punkte auf 106 Punkte. Grund dafür ist insbesondere eine positivere Bewertung der aktuellen Geschäftslage. So berichten 34 Prozent der Unternehmen in der südlichsten Region Bayerisch-Schwabens von einer derzeit guten Geschäftslage – ein Anstieg um 7 Prozentpunkte. Das regionale Reise- und Gastgewerbe berichtet von einer derzeit überwiegend guten Geschäftslage, die Geschäftserwartungen sind hingegen sehr pessimistisch.
