Konjunkturlage in Bayerisch-Schwaben – Frühjahr 2026

Aufbruch abgesagt – Politik bleibt Wachstumsagenda schuldig

Der erhoffte und sich zu Jahresbeginn andeutende wirtschaftliche Aufschwung ist ausgeblieben. Grund dafür ist neben den Folgen des Iran- Kriegs die ausbleibende Umsetzung einer strukturellen Wachstumsagenda seitens der Bundesregierung. Der IHK-Konjunkturindex, der sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Erwartungen der Unternehmen aus Produktion, Handel und Dienstleistung widerspiegelt, sinkt um 6 Punkte auf 102 Punkte. Der Index liegt damit unter dem zehnjährigen Durchschnitt von 113 Punkten – eine Situation, die seit drei Jahren anhält. Die stark gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise werden von den Unternehmen als größtes Risiko für die Wirtschaft bewertet. Von der Politik fordern sie die entschlossene Umsetzung einer Wachstumsagenda statt unerfüllter Reformankündigungen.
Koju-Index - Schwaben

Geschäftslage verharrt auf niedrigem Niveau, Beschäftigungsabsichten weiter rückläufig

Die bayerisch-schwäbischen Unternehmen bewerten die derzeitige Geschäftslage weiterhin verhalten. Während unverändert 19 Prozent der Befragten von einer schlechten Lage berichten, ist der Anteil der Unternehmen mit guter Geschäftslage um einen Prozentpunkt auf 29 Prozent gesunken. Die Beschäftigungsabsichten der regionalen Wirtschaft für die kommenden Monate sind weiter rückläufig. Lediglich 11 Prozent der Befragten möchten ihre Beschäftigtenzahl erhöhen, wohingegen 22 Prozent Personal abbauen wollen.

Geschäftserwartungen pessimistisch, Auslandsinvestitionen brechen ein

Die zu Jahresbeginn aufkeimende Hoffnung auf einen Stimmungswechsel konnte sich insbesondere aufgrund der Folgen des Iran-Kriegs und ausblei­bender politischer Reformen nicht verfestigen. Die Geschäftserwartungen haben sich deutlich verschlechtert. 18 Prozent der Unternehmerinnen und Unternehmer erwarten in den kommenden Monaten eine positive Wirtschaftsentwicklung, 24 Prozent eine negative. Dies entspricht einem Rückgang um 10 Saldenpunkte und unterstreicht den wieder zunehmenden Pessimismus in der Wirtschaft. Diese Entwicklung spiegelt sich ebenfalls in den Investitionsabsichten der Unternehmen wider – jedoch in diesem Fall mit Blick auf das Ausland. Die geopolitischen Verwerfungen der letzten Monate führen dazu, dass die regionalen Unternehmen ihre Investitionen im Ausland im Saldo senken möchten. Im Gegensatz dazu haben sich die Investitionsabsichten im Inland leicht verbessert. Der Saldo steigt gegenüber der Vorumfrage auf 2 Punkte (+4 Punkte).

Energie- und Rohstoffpreise jetzt größtes Wirtschaftsrisiko

Die Energie- und Rohstoffpreise sind im Zuge des Iran-Kriegs aus Sicht der regionalen Unternehmen nun das größte Risiko (67 Prozent) für die wirt­schaftliche Entwicklung. Dies entspricht einem Anstieg um 23 Prozentpunkte im Vergleich zur Vorumfrage zu Jahresbeginn. Die aktuelle Wirtschafts­politik (64 Prozent) zählt neben der schwachen Inlandsnachfrage (61 Prozent) und den im internationalen Vergleich hohen Arbeitskosten (57 Prozent) weiterhin zu den größten Risiken. Der Arbeits- und Fachkräftemangel verliert in der Risikobewertung weiter an Bedeutung und liegt mit 35 Prozent auf einem Tiefstwert.

Politik bleibt Wachstumsagenda schuldig

Die deutsche Wirtschaft stagniert seit über drei Jahren. Dies ist Ausdruck einer strukturellen Krise. Die Erwartungen der Wirtschaft an die neue Bundesregierung waren vor einem Jahr groß. Inzwischen droht die Regierung jedoch, das in sie gesetzte Vertrauen zunehmend zu verspielen. 84 Prozent der Unternehmen berichten, dass die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung in den vergangenen 12 Monaten keine oder negative Auswirkungen auf das eigene Unternehmen hatte. Deutschland benötigt folglich dringend mutige Strukturreformen – insbesondere in den Bereichen Arbeitsmarkt, Energie sowie Steuern und Abgaben. Die regionale Wirtschaft appelliert an die Entscheidungsträger, diese jetzt endlich energisch anzugehen.
Koju-Verlauf - Industrie

Ergebnisse aus den Teilregionen Bayerisch-Schwabens

Wirtschaftsraum Augsburg

Der regionale IHK-Konjunkturindex für den Wirtschaftsraum Augsburg sinkt im Frühjahr um 4 Punkte auf 107 Punkte. Grund dafür sind die im Vergleich zum Jahresbeginn pessimistischeren Geschäftserwartungen. So erwarten lediglich 21 Prozent der Unternehmen kurzfristig eine positive Wirtschaftsentwicklung, 18 Prozent erwarten eine Verschlechterung. Konjunkturelles Zugpferd im Wirtschaftsraum bleiben die unternehmensnahen Dienstleister mit einem regionalen, branchenspezifischen Konjunkturindex von 118 Punkten.

Nordschwaben

Der regionale IHK-Konjunkturindex für Nordschwaben sinkt im Frühjahr um 4 Punkte auf 102 Punkte. Grund dafür sind die im Vergleich zum Jahresbeginn pessimistischeren Geschäfts­erwartungen. So erwarten lediglich 15 Prozent der Unternehmen kurzfristig eine positive Wirtschaftsentwicklung, 22 Prozent erwarten eine Verschlechterung. Konjunkturelles Zugpferd in Nordschwaben bleiben die unternehmensnahen Dienstleister mit einem regionalen, branchenspezifischen Konjunkturindex von 123 Punkten.

Westschwaben

Der regionale IHK-Konjunkturindex für Westschwaben sinkt im Frühjahr um 7 Punkte auf 91 Punkte. Grund dafür sind die im Vergleich zum Jahresbeginn pessimistischeren Geschäfts­erwartungen. So erwarten lediglich 15 Prozent der Unternehmen kurzfristig eine positive Wirtschaftsentwicklung, 31 Prozent erwarten eine Verschlechterung. Konjunkturelles Zugpferd in Westschwaben bleiben die unternehmensnahen Dienstleister, wenn auch auf niedrigerem Niveau, mit einem regionalen, branchenspezifischen Konjunkturindex von 100 Punkten.

Allgäu

Der regionale IHK-Konjunkturindex für das Allgäu sinkt im Frühjahr um 10 Punkte auf 101 Punkte. Grund dafür sind die im Vergleich zum Jahresbeginn pessimistischeren Geschäftserwartungen. So erwarten lediglich 18 Prozent der Unternehmen kurzfristig eine positive Wirtschaftsentwicklung, 26 Prozent erwarten eine Verschlechterung. Insbesondere die regio­nale Industrie schaut pessimistisch in die Zukunft. Konjunkturelles Zugpferd bleiben auch in der südlichsten Region Bayerisch-Schwabens die unternehmensnahen Dienstleister mit einem regionalen, branchenspezifischen Konjunkturindex von 113 Punkten.